Full text: Neubauten und Concurrenzen in Österreich und Ungarn : Organ für d. Hochbaufach u. seine Interessenten, I. Band (1895)

  
Nr. 9. Neubauten und Concurrenzen in Oesterreich und Ungarn. Seite 91. 
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
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Parterre. II. Stock. 
> Tafel 66: Der Pavillon für Industrie, Gewerbe und landwirthschaftliche Producte, Architekt A/ois Heinz! jun. in Agram, ist bestimmt, 
l Sammelpunkt der hervorragendsten Erzeugnisse der heimischen Industrie, des Gewerbes, der Landwirthschaft und des Ackerbaues zu 
lden; dieser grossen Aufgabe entsprechend, wird es auch das grósste und geräumigste Bauobject der croatischen Abtheilung auf der 
illenniums-Ausstellung in Budapest sein. Das zur Ausführung bestimmte Project ist das Resultat einer, vom croatischen Executiv-Comité 
ausgeschriebenen Preis-Concurrenz, nach welcher der heimische Architekt Herr Alois Hein: jan. mit der Aufgabe der Ausarbeitung der 
Pläne für diesen Pavillon betraut wurde. Der Haupttract des Gebäudes hat eine Frontlänge von 66.40 z; eine lichte Breite von 17.00 2; an 
denselben schliesst sich im Hintergrunde, in der Richtung der Mittelaxe, ein gerüumiger Quertract an. Das ganze Gebàude ist stockhoch 
projectirt und führt im Quertracte eine monumental angelegte dreiarmige Treppe nach den gallerieartig aufgebauten Expositions-Räumen des 
I. Stockes. Das Haupt-Portal des Industrie-Pavillons ist, ebenso wie der Haupttract selbst, durch flankirende decorative Thurmbauten hervor- 
gehoben; über den drei in das Innere führenden Haupt-Eingängen ist eine ‘Terrasse im I. Stocke aufgebaut und das Ganze durch einen im : 
rauhen. Holzstyle decorirten Giebel abgeschlossen gedacht. Die Hauptfront zeigt links und rechts vom Portale je drei gekuppelte Fenster 5 
im Parterre und I. Stock, welche — in Ergänzung der in den Decken projectirten Oberlichten — noch hohes Seitenlicht in reichlichem 
Masse für die Ausstellungsriume spenden. Die Seitenfaçaden des Haupttractes erhalten eine architektonische Ausbildung, entsprechend dem 
Portalbaue an der Hauptfront des Gebiüudes und werden durch Terrassen im Parterre und im Obergeschosse ausgezeichnet. Der Mittelpunkt 
im Inneren des Haupttractes, von welchem sich dem Beschauer ein prüchtiger Ausblick auf die nach dem I. Stocke führende Freitreppe 
bieten wird, ist markirt durch den michtigen kuppelartigen Aufbau, welcher sowohl durch seine architektonische Durchbildung, als auch 
durch seine Dimensionen dem Industrie-Pavillon einen entsprechenden monumentalen Charakter verleihen dürfte. In der Aussengestaltung 
des Gebäudes wird das hauptsächlich zur Verwendung gelangende Baumaterial durch die Behandlung des Holzstyles zum Ausdruck gebracht. 
Die äusseren Wandflächen imitiren zwischen Holzriegeln ausgeführte und mit Mörtelputz versehene Massiv-Wandungen und erhalten gemalten 
decorativen Schmuck in Sgraffito-Manier. 
  
  
Kunstpavillon. Architekten Aor & Giergl in Budapest. Der Pavillon ist im Renaissance-Styl von den Architekten der Maschinenfabriks- 
Actiengesellschaft Danubius ,Aoró d; Gierg/« in Budapest entworfen und umfasst eine. Gesammt-Grundfüche von 650:2 z?. Seiner Grundriss- 
disposition nach besteht dieser: in einem geräumigen Vestibul mit beiderseitigen Zubauten für Portierloge und Garderobe, einer grossen, mittleren 
quadratischen Halle mit Kuppelgewólbe, zwei langen Seitenflügeln und einem nach rückwürts liegenden Saal-Anbau. Die mittlere Halle, von 
13:20 7 im Quadrat und einer Hóhe von 8:20 » bis zum Beginn des Kuppelgewólbes, ist zur Aufnahme von Sculpturen bestimmt. In den 
! beiden Seitentracten sollen die Werke der Malerkunst ausgestellt werden und in dem rückwártigen Saale Zeichnungen und Pline. Sámmtliche 
Räumlichkeiten werden durch Oberlicht ausgiebig beleuchtet. Das Skelet des ganzen Aufbaues wird von obgenannter Fabrik in Eisen hergestellt. 
Der architektonische Aus- und Aufbau wird in Mauerwerk ausgeführt werden. Ueber den Mittelbau ragt eine gewaltige, schón gegliederte und 
reich ornamentirte quadratische Kuppel mit abgestumpften Ecken. An den Ecken ist die Kuppel von hohen, schlanken Postamenten mit Flaggen- 
stangen flankirt; bekrónt ist diese von einer zierlich entworfenen Laterne. Die Gesammthóhe des Mittelbaues vom Terrain bis zur Laternspitze 
beträgt 30 s. Dieser Pavillon soll zu gleichem Zwecke nach der Ausstellung nach Agram transportirt und dort definitiv aufgestellt werden. 
Tafel 67: Pavillon für Forst- und Jagdwesen. Architekt Baurath BoZ¢. Der Pavillon für Forst- und Jagdwesen zerfällt, der 
Grundrissdisposition nach, in vier Theile und den Anbau für die Hauptstiege. Den hervorragendsten Theil bildet der Thurmbau, welcher 
eine Breite und Lünge von je 8:7 hat und im, Parterre das Entrée, respective Vestibule, als Haupteingang enthält. In der Richtung der 
Haupteingangsaxe setzt sich die untere Thurmhalle in einem Anbau fort, welcher mit den drei Seiten eines regulüren Sechseckes abschliesst. 
Dieser Abschluss bildet in der Innemarchitektur ein volles regulüres Sechseck, welches sich um circa 377 über die Dicher der anderen An- 
bauten erhebt. Dieser sechseckige Pavillon erhält seine Beleuchtung durch Oberlicht und erhóht hiedurch den perspectivischen Einblick, 
der sich vom Haupteingang aus bietet. Der Thurm selbst ist durch zwei kleine Anbauten flankirt, von denen der linksseitige eine kleine 
Stiege enthült, durch welche die einzelnen Etagen bis zur Galleriehóhe zu besteigen sind, wihrend der rechtsseitige, sowohl im Parterre, als 
auch im ersten Stock, je ein Zimmer. enthält, welches, je nach Bedarf, als Kanzlei für das Ausstellungscomité dienen kann. Der Thurm ent- 
hält ausser dem Parterregeschoss noch drei Etagen, welche durch hohes Seitenlicht beleuchtet werden und zu Ausstellungszwecken dienen. 
Die dritte Etage ist durch eine vorspringende Gallerie, welche den Thurm umgibt, deren freie Säulen das Dach des Thurmes mit tragen 
helfen, charakterisirt, und sowohl vom oberen Geschoss, als auch von dem Stiegenthurm aus zugänglich ist. Der Thurmhelm wird durch den 
Aufbau einer durchbrochenen Laterne, welche vom dritten Thurmgeschoss aus durch eine Wendelstiege zu besteigen ist, abgeschlossen. Zur 
Charakterisirung des Haupteinganges wurde dem Thurm eine offene Loggia vorgelegt, deren mittleres Feld sich bis in den ersten Stock 
aufbaut und dort, zur Belebung der Façade, einen offenen, jedoch von oben gedeckten Balkon bildet. Das Dach des Thurmes ist ferner durch 
Dachfenster und ein Uhrgehäuse belebt. Sowohl die Thurmhalle im Parterre, als auch die Halle mit dem Abschluss des sechseckigen Pavillons 
und eventuell auch die erste Etage des Thurmes dienen zur Aufnahme der Ausstellung für das Jagdwesen. Rechts und links lehnen sich an 
den’ Thurm kleinere Anbauten, welche in der Hóhe des Parterregeschosses bleiben und theils durch Seiten-, theils durch Oberlicht beleuchtet 
werden. In der Verlängerung der Längsaxe des Gebäudes schliesst sich an den rechtseitigen Anbau ein einstöckiger Pavillon an, welcher im 
Innern auf Stockhöhe eine ringsherum gehende Gallerie, auf Holzsäulen ruhend, enthält. Diese Gallerie hat eine lichte Breite von 250% 
und steht mit dem ersten Stock des Thurmes in Verbindung. Die Decke dieses Pavillons ruht auf den Säulen der Gallerie des ersten Stockes, 
ist tiber der Gallerie horizontal und geht von dort, in schiefer Fläche ansteigend, bis zu dem horizontalen Glasoberlicht, durch welches dieser 
Pavillon ein volles und schönes Licht erhält. Zur Beleuchtung des Raumes unter der Gallerie ist hohes Seitenlicht angebracht: Durch die 
Anbringung der Oberlichte und der hohen Seitenlichte sind alle Wandflächen für Ausstellungszwecke nutzbar gemacht. Die beiden Anbauten 
des Thurmes, sowie der stockhohe Pavillon haben den Zweck, die Ausstellungsgegenstände für das Forstwesen aufzunehmen. Die beiden 
Ersteren haben je eine Lànge von 10 50, respective 6m und eine Breite von 777, wührend der stockhohe Pavillon 11m lang und 157 
tief ist. Anschliessend an den stockhohen Pavillon, von demselben aus zugänglich und in der Lüngsaxe des Gebäudes gelegen, ist ein bequemes 
und freies Stiegenhaus angebaut. Es liegt hier die Hauptstiege, durch welche die Gallerien zu erreichen sind. An diesem Stiegenhaus ist ein 
zweiter Eingang projectirt, welcher ebenfalls durch einen kleinen Vorbau ausgezeichnet ist. Die Podeste und sonstigen Grundflächen, welche 
sich. bei der Stiegenanlage ergeben, können ebenfalls durch Ausstellungsgegenstände belegt und praktisch verwerthet werden. In der Haupt- 
ansicht ist ein Erker an den stockhohen Pavillon zur Belebung der Fagade vorgebaut. Die bebaute Flüche der ganzen Anlage misst 536:50 m?. 
   
  
 
	        

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