Volltext: Jahreshefte des Vereins für Vaterländische Naturkunde in Württemberg : zugl. Jahrbuch d. Staatlichen Museums für Naturkunde in Stuttgart (Bd. 78, 1922)

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erblichen Abänderungen infolge meist unbekannter Ursachen beruhen soll, 
die als Mutationen bezeichnet wurden, Solche sprunghafte Änderungen 
waren schon oft beobachtet worden („sports“ der Gärtner, „single 
variations“ Darwın's), und besonders DE Vrıss hatte ihr Auftreten 
unter zahlreichen von ihm gezogenen Nachkommen der Nachtkerzenart 
Oenothera Lamarckiana eingehend studiert. Wenn er nun auch insofern 
Pech gehabt hat, als das von ihm gezüchtete Material sich nachträglich 
ebenfalls als Aufspaltungsprodukte ehemaliger Bastardbildung erkannt 
wurde, so erwies sich doch der seiner Theorie zugrunde liegende Ge- 
danke als gesund und lieferte, ausgebaut durch die namentlich während 
der letzten Jahre durch die Morcan’sche Schule in Amerika ausgeführten 
Untersuchungen, eine befriedigende Erklärung für die Veränderung der 
Organismen. Als maßgebend für das Auftreten der charakteristischen 
Eigenschaften einer Art sieht man demnach gewisse letzte (relative) 
Einheiten des Keimplasmas, sog. Erbeinheiten oder Gene an, die ähnlich 
wie die letzten Einheiten der Chemie, die Atome, durch verschiedenartige 
Kombination eine große Mannigfaltigkeit der Formen liefern. Diese Gene, 
die man als chemische Stoffe, und zwar als eine Art Enzyme aufzufassen 
hat und deren Sitz die bekannten Zellkernbestandteile, die Chromosomen 
sind, sind — wie man das ja neuerlich auch von den Atomen weiß — 
nicht konstant, sie unterliegen der Veränderung und können wie jene 
zertrümmert werden. Wird nun ein Gen durch irgend einen Einfluß so 
verändert, daß eine neue Einheit entsteht, so hat dies eine Mutation zur 
Folge. Diese Änderung der (Gene kann qualitativer oder quantitativer 
Natur sein, und wie es beispielsweise gelungen ist, beim Koloradokäfer 
YJurch künstliche Beeinflussung seines Keimplasmas erbliche Variationen 
(Mutanten) hervorzurufen, so ließ sich anderseits nachweisen, daß ge- 
wisse auffällige Mutationen wie Riesenwuchs u. dgl. mit einer deutlichen 
Vergrößerung oder Verkleinerung, oder auch mit Vermehrung oder Ver- 
minderung der Gene verbunden waren. Redner legte eine Reihe von 
bemerkenswerten Blattmutanten, geschlitzte Blätter von Buchen, Erlen, 
Eichen, Linden usw. vor, die aus den Normalformen offenbar durch 
Änderung nur weniger Gene hervorgegangen sind. 
Nach Schluß des mit großem Beifall aufgenommenen Vortrags, der 
eine Arbeitsrichtung kennen lehrte, die in’ Zukunft eine große Rolle 
spielen dürfte, begab man sich in den Botanischen Garten, wo Redner 
noch nähere Erläuterungen zu seinem Vortrag gab und auch sonst noch 
vielerlei Interessantes vorzeigte. Nach einem lohnenden Besuch der 
Schloßkuppel vereinigten sich die Teilnehmer auf der Terrasse der Speise- 
meisterei, wo beim Vespertrunk der Vereinsvorstand O.Reg.Rat Entreß 
namens der Gäste den Dank für das Dargebotene zum Ausdruck brachte. 
E. 
Sitzung am 14. September 1921. 
Landesgeologe Dr. Bräuhäuser sprach über die einstigen Kohlen- 
funde im Triasgebiet Württembergs und ihren Abbau in 
früherer Zeit.
	        
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