Volltext: Neubauten und Concurrenzen in Österreich und Ungarn : Organ für d. Hochbaufach u. seine Interessenten, II. Band (1896)

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Nr. 8; 
Neubauten und Concurrenzen in Oesterreich und Ungarn. 
  
Seite 59. 
  
  
  
  
  
  
Thätigkeit möglichst leicht. zu machen, auch wirklich 
einer gedeihlichen Lösung zugeführt ist, kann wohl nur 
Jener entscheiden, der Gelegenheit hat, junge Techniker 
mit italienischer Vorbildung zu beobachten. 
Hervorgehoben muss aber werden, dass durch die 
geschilderte Einrichtung die Berufswahl für den Jüngling 
auf etwa das 20. Lebensjahr hinausgeschoben wird: ein 
ausserordentlicher Vorzug gegenüber unseren leidigen 
zweifachen Mittelschulen, in welche der im Alter von 
etwa 10 Jahren stehende Knabe eintritt und damit auch 
über seine eventuelle künftige Hochschulbildung mehr 
Entscheidung treffen muss. 
  
der minder eine 
Dadurch, dass die italienische Technik einen Theil 
der Universität bildet, dass der Student während zweier. 
Jahre eine Universitätsfacultät besuchen muss und auch 
weiterhin gemeinsam mit. den eigentlichen Universitäts- 
hörern auf derselben Schulbank sitzend, Vorlesungen 
hört, ergibt sich haturgemäss, dass derselbe als gleich- 
werthiger, ebenbürtiger Commilitone betrachtet wird. 
Und das mag mit ein wichtiger Grund sein, weshalb 
der Techniker in Italien. eine hochangesehene Stellung 
einnimmt und ihm die ersten Stellungen im Staate offen 
stehen 
Beraneck. 
WETTBEWERBS-NACHRICHTEN. 
AÄusgeschriebene Wettbewerbe. 
Preisausschreibung zur Erlangung von Plänen sammt Kosten- 
voranschlägen für den Bau einer. anlässlich des bevorstehenden 
50jährigen Regierungs-Jubiläums Seiner Majestät des‘ Kaisers Franz 
Josef I. zu errichtenden niederösterreichischen Landes-Siechenanstalt 
in Mauer-Oehling bei Amstetten (Niederösterreich). 
Auf Grund des Landtagsbeschlusses vom 11. Februar 1896 
ltet. der niederösterreichische Landesausschuss eine allgemeine 
> Concurrenz zur Erlangung von Plänen sammt Kostenvor- 
für den Bau einer anlässlich des 50jährigen Regierungs- 
Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I, in Mauer- 
21 Amstetten zu errichtenden niederösterreichischen Landes- 
lt mit der speciellen Widmung für Geistessieche, wobei 
reise, und zwar ein erster Preis von 5000 Kronen, ein 
is von 3000 Kronen und ein. dritter Preis von 
ıen zur Vertheilung gelangen. 
°rber um diese Preise haben ihre nach den diesbezüglich 
jedingungen auszufertigenden und mit einem Motto: zu 
Arbeiten nebst einem den Namen. und Wohnort des 
1altenden versiegelten Couvert, welches. durch das- 
> ke ch zu machen ist, bis längstens 15. October 1896, 
beim niederösterreichischen Landesaus- 
n, I, Herrengasse 43, zu überreichen. 
Die Be ler Preisausschreibung, das im Einvernehmen 
mit den Preisri )auprogramm und der Situations- 
plan sind an Wochentagen, Vormittags zwischen 9 und 1 Uhr, beim 
terreichischen Landes-Bauamte in Wien, I: Herrengasse 13, 
h, werden aber auch von diesem Amte über Begehren porto- 
endet, 
  
  
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Preisrichteramt haben übernommen die Herren Abge- 
neten des niederösterreichischen Landtages: k. k, Oberbaurath 
iser und Architekt Ferdinand Dehm, die vom Oester- 
Ingenieur- und Architektenvereine delegirten Herren: 
th. Professor Aranz Ritter v. Gruber und k, k, Oberbau- 
Berger, Baudirector der Stadt Wien; die von der Ge- 
der bildenden Künstler Wiens delegirten Herren: 
o Hofer und k. k. Baurath Zyranz Roth, dann die 
i hen Landesausschusse ernannten Herren: 
dirig. Primararzt der niederösterreichischen 
Landes-Irrenanstalt in Kierling-Gugging, und PFedor Gerenyi, admini- 
strativer Inspector der niederösterreichischen Landes-Wohlthätigkeits- 
alten, Die eingelangten Pläne werden nach erfolgter Beur- 
ing } s Preisgericht im niederösterreichischen Landhause 
zemeinen Besichtigung ausgestellt. — Der vom hohen 
u errichtende Anstalt bewilligte Credit per 450.000 fl. 
n' Aussicht 'genommenen Erweiterung eine Er- 
0 fl. ‚erfahren, wovon 114.000 fi. für die innere 
500 fl. für Grunderwerbung und Herstellung eines 
entfallen, so ‚dass netto 463.500 fi. verbleiben. — 
je Berechnung der Preise des Kostenvoranschlages 
ie Arbeiten und Lieferungen der Gemeinde 
stellt sich auf 14 fl. pro Mille 10co Bauplatz. 
für die Bauausführung die Bestimmungen der 
derösterreich massgebend. Die . Anstalt soll 
dem erforderlichen. ärztlichen Beamten-, Pflege- 
     
     
   
   
  
   
  
     
und Dier ( > beherbergen, jedoch die Erweiterung auf einen 
Belag mit zusaı 
Es wird die 
en 1000 Betten jederzeit möglich erscheinen lassen. 
Anstalt an Gebäuden zu umfassen haben: ein Admini- 
strationsgebäude mit den Kanzleien und Wohnungen der Anstalts- 
ärzte und Beamten, dann mit Magazinen für die Vorräthe an Kleidern, 
W äsche u. dgl., sechs Pfleglingspavillons, wovon drei für Männer, 
( für Frauen, ein Pflegerhaus, gleichzeitig Gesellschaftshaus, mit 
m Festsaale für gesellige Vereinigungen der Pfleglinge und An- 
Staltsbediensteten, die Küche sammt Nebenräumen, die Wäscherei, 
das Kessel- und eventuell ein Maschinenhaus das Werkstättenhaus, 
d s Wirthschaftshaus (Meierhof), ein Infectionshaus (Lazareth für In- 
fectionskranke) und das Leichenhaus, zusammen sonach 14% Objecte. 
Dem Charakter der zu errichtenden Anstalt inmitten einer ländlichen 
Umgebung entsprechend, ist bei der ganzen Anlage der Styl einfacher 
Landhäuser festzuhalten. Die für Pfleglinge. bestimmten Gebäude sind 
zweigeschossig herzustellen und nur so weit zu unterkellern, als dies 
zur Unterbringung der Nnachverzeichneten Nebenräume erforderlich 
ist, feuersicher einzudecken, mit Steintreppen und englischen Closets 
mit Wasserspülung zu versehen. Den Grundcomplex der projectirten 
Anstalt bildet ein fast vollkommen ‚ebenes Ackerland mit anstossen- 
    
   
   
  
dem ebenen Nadelwald von circa 100 Joch, — Es sind anzufertigen : 
ein Lageplan im Massstabe 1 : 250° der natürlichen Grösse, die 
Grundrisse, Hauptschnitte und Facaden aller Gebäude im Massstabe 
1: 100, ein Erläuterungsbericht, die im Folgendem angegebenen 
Detailzeichnungen und die Kostenüberschläge, Der Lageplan hat 
nicht nur die Stellung der einzelnen Gebäude, sondern auch die 
Gartenanlagen, Communicationen und den Zug der Canäle und 
Wasserleitungshauptröhren zu. enthalten. In den Grundrissen sind die 
Heizungs-, Ventilalions-, Wasserversorgungs-, Hauscanalisationsanlagen 
und eventuell die Leitungen der elektrischen Beleuchtung, in jenen 
der Küche und des Wäscherei-, Kessel- und Maschinenhauses die 
maschinellen Anlagen einzutragen. An Details sind beizubringen : 
Die Typen der Heizungs- und Ventilationsanlagen, der Wasserver- 
sorgungsobjecte, der Kläranlage, dann der Fenster für die Tag- und 
Schlafräume in den Krankenpavillons und für die Einzelzimmer, Die 
Detail- oder Constructionspläne müssen in einem der möglichsten 
Deutlichkeit entsprechenden grösseren Masstabe angefertigt werden. 
Der Landesausschuss erwirbt mit‘ der Auszahlung der festgesetzten 
Preise das Eigenthum der preisgekrönten Arbeiten in ihrem ganzen 
Umfange und behält sich das Recht der eventuellen Erwerbung aller 
jener Preisarbeiten vor, welche, obwohl mit keinem Preise ausge- 
zeichnet, dennoch vom Preisgerichte als zur Gänze oder theilweise, 
für Zwecke des projectirten Baues verwendbar, empfohlen werden. 
Rücksichtlich des für solche nicht preisgekrönte Arbeiten zu ent- 
richtenden Betrages wird‘ mit dem Verfasser ein besonderes Ueber- 
einkommen gepflogen werden. Sämmtliche Preisbewerber behalten 
das geistige Eigenthumsrecht für ihre Preisarbeiten. Sollte es sich 
als wünschenswerth erweisen, zum Zwecke der Bauausführung einen 
eigenthümlichen oder neuen Gedanken einer aus irgendwelchem 
Grunde von der Preisbewerbung ausgeschlossenen, beziehungsweise 
einer nicht prämiirten und auch nicht käuflich erworbenen Preisarbeit 
zu entnehmen, so wird sich der Landesausschuss mit dem betreffenden 
Preisbewerber diesbezüglich vorher. ins Einvernehmen setzen. Die 
Leitung der Ausführung kann kein Preisbewerber beanspruchen, nach- 
dem diese, den bestehenden Vorschriften gemäss, dem niederöster- 
reichischen Landes-Bauamte zusteht. 
Die Bedingungen dieses Wettbewerbes sind 
für den concurrirenden Architekten. derart un- 
günstige, dass wir von der Theilnahme an. dem- 
Selben auf das Entschiedenste abrathen müssen. 
Die Herstellung der verlangten Pläne und Beschreibungen 
und die nothwendigerweise vorhergehenden Studien ver- 
langen eine so. lang dauernde und kostspielige Arbeit, 
dass sie selbst in dem im besten Falle zu erwartenden 
ersten Preise per 2500 Gulden keine genügende Bezah- 
Jung fände. Was für einen Schaden erleidet dann erst die 
naturgemäss grössere Zahl der aus irgend einem Grunde 
nicht prämüirten Bewerber! Wenn eine kleine Gemeinde 
einen Wettbewerb ausschreibt, bei dem die Anforderun- 
gen an den Architekten mit den ihm in Aussicht gestell- 
ten Vortheilen in argem Widerspruche stehen, so mag 
man in Mangel an Geld und Verständniss manche Entschul- 
digungsgründe finden.. Was soll man aber dazu sagen, 
wenn der niederösterreichische Landesausschuss im Ein- 
vernehmen mit seinem Preisgerichte einen Wettbewerb 
ausschreibt, dessen Bedingungen sich wie ‚der Ausdruck 
von Geringschätzung gegen den Stand der Architekten 
lesen. Wahrlich im Deutschen Reiche wäre eine solche 
Ausschreibung heute eine Unmöglichkeit. Welcher Archi- 
tekt soll seine eigene Arbeit so gering schätzen, dass er 
sich den Bedingungen einer solchen Ausschreibung un- 
terwirft, ın der es zum Schlusse noch ausdrücklich heisst: 
„die Leitung der Ausführung kann kein Preisbewerber 
  
beanspruchen, nachdem diese dem Landes-Bauamte zu- 
steht.“ Wir bedauern, dass sich ein Preisgericht, in dem 
doch einige Architekten sitzen, gefunden hat, welches sich 
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