Full text: Neubauten und Concurrenzen in Österreich und Ungarn : Organ für d. Hochbaufach u. seine Interessenten, II. Band (1896)

  
   
Nr. 40 
Neubauten und Concurrenzen 
  
  
in Oesterreich und Ungarn: Seite 75. 
  
werkes, wie es das vorliegende ist. Ein genaues Studium 
desselben wird. manchem Architekten und ebenso dem 
grossen Baugewerbetreibenden zeigen, wie viel wir noch 
nachzuholen haben, um auf diesem Gebiete des inneren 
Ausbaues auch im gewöhnlichen Wohn-, Zins- und Land- 
hausbau auf die Höhe der genannten Culturnationen 
zu kommen. 
Zu diesem Studium eignet sich wohl kein Werk so 
gut, wie das vorliegende. 
Die Schmuckformen der Monumentalbauten aus allen 
Stylepochen seit der griechischen Antike von Gustar 
Ebe. Theil IV: Die gothische Epoche. Theil V: 
Die Früh- und Hochrenaissance. Leipzig 1896. 
Baumgärtner’s Buchhandlung. 
Mit der Bezeichnung „Lehrbuch der Decorations- 
systeme für das Aeussere und Innere“ hat der Verfasser 
den Standpunkt gekennzeichnet, von welchem er sein 
Werk beurtheilt wissen will. Er hat einerseits damit den 
heranwachsenden Architekten als den Zuhörer bezeichnet, 
an den er sich wendet, und anderseits das Gebiet künst- 
lerischer Thätigkeit eng begrenzt, mit welchem er sich 
befassen will. Die Trennung der constructiven Bauformen 
  
  
  
Nördliches Portale der Ulrichskirche zu Augsburg. 
grosse Fülle gediegener Illustrationen, welchen 
Photographischen Reproductionsmethoden eine unschätz- 
bare Beweglichkeit und Lebendigkeit. ertheilen, lässt den 
Theil V besonders werthvoll erscheinen. Mit grossem Recht 
wurde hier der Ausschmückung von Decken und Wänden 
ein breiterer Raum gegönnt. Dem Oesterreicher fällt dabei 
nur die verhältnissmässig geringe Beachtung auf, welche 
den hölzernen Decken und Wandverkleidungen zu Theil 
wurde, die in den Burgen und Schlössern unserer Alpen- 
länder zu so glänzender Ausbildung gelangten und übri- 
gens auch im Norden Deutschlands vortrefflich vertreten 
sind. Eine eingehendere Behandlung dieser vornehmen und 
für den schaffenden Architekten so wichtigen Art 
Innendecoration hätte auch den Band IV: 
heute die 
der 
„Gothik“ zu 
  
Haupteingang vom Schlosse Azay-le-Rideau. 
  
  
  
  
  
von den Schmuckformen wird allerdings immer gewaltsam 
erscheinen und konnte daher auch hier nicht strenge 
aufrecht erhalten werden. Volle Berechtigung erhält ein 
solcher Vorgang überhaupt nur gegenüber dem reinen 
Ornament, dem malerischen. plastischen und kunstgewerb- 
lichen Schmuck der Bauwerke. S 
. Am leichtesten wurde dem Verfasser die Verfolgung 
seiner Principien bei jenen Stylrichtungen, welche ein über- 
liefertes Constructionssystem weitergebildet und ihre be- 
sondere Eigenart in der formalen Ausbildung erreichten. 
nn Darum konnte auch der vorliegende Theıl V: „Die 
Früh- und Hochrenaissance“ wesentlich besser gelingen 
als der Theil IV: „Die gothische Epoche.“ Schon die 
  
  
einer Bereicherung seines Illustrationsmateriales verhelfen 
können. Durch weitgehende Benützung verbreiteter Publi- 
cationen wurde der Werth desselben geschmälert, während 
der V. Theil: „Renaissance“ gerade durch ‚die geschickte 
Ausnützung der photographischen Hilfsmittel an Werth 
gewann. Doch ist trotzdem auch in der‘ Behandlung der 
gothischen Epoche des Anregenden und Werthvollen 
genug geleistet, um. die Lectüre für heranwachsende 
Baukünstler lehrreich und für praktische Architekten för- 
dernd zu gestalten. Der Text ist reich an” historischen 
Nachweisungen und Daten und gibt Zeugniss von dem 
umfassenden Wissen und der gründlichen Literaturkennt- 
niss des Verfassers. 
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