Full text: Jahres-Bericht der Königl. Polytechnischen Schule zu Stuttgart für das Studienjahr 1867/68 (1867)

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fuge bezieht, von besonderem Werthe. — Denkt man nun diese Maximalpressung für die verschiedenen Druckcurven 
ermittelt und vergleicht sie mit einander, so wird man finden, dass für eine Curve jene Pressung kleiner ist als für 
jede andere; daher eben diese Curve als die günstigste, und die zugehürige Maximalpressung als die kleinst- 
mögliche bezeichnet werden kann, Sie kann genau bestimmt werden, ist aber immer nur als untere Grenze für die 
wirkliche Maximalpressung zu betrachten. 
Construetion der günstigsten Curve. — Die Lage derselben kann offenbar keine ardere sein, als so, dass 
die Pressungen an den Bruchpunkten des Gewülbes, z. B. B, B', B^ Fig. 24, einander gleich sind; denn in welcher 
Weise man auch von der so bestimmten Curve abweichen wollte, immer würde die neue Curve einem jener Punkte 
näher kommen und folglich eine gróssere Pressung daselbst stattfinden. 
Nach dieser Bedingung lüsst sich die Curve leicht  construiren, Angenühert wenigstens ist jene erfüllt, 
wenn zwischen den Curvenabstünden a, a', a^ Fig. 24 und den Normalcomponenten N, N', N^ der betreffenden 
Fugendrücke, wofür angenühert (im Scheitel sogar genau) diese Fugendriicke selbst genommen’ werden kinnen, die 
Beziehung stattfindet: 
N N N" 
a ay? 
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woraus sich durch Probiren die Curve finden lässt. Man hat zu diesem Zwecke, ganz wie bei Bestimmung der 
mathematischen Stürke, zuerst eine Curve zu suchen, welche die eine Gewülbgrenze an zwei Punkten des Halbge- 
wülbes trifft nnd dazwischen sich der andern nühert, eine Curve, welche für den in Fig. 24 angenommenen Fall die 
Lage Fig. 25 hátte. * Man erkennt so die Lage der Punkte B und kann aus der Grosse des Abstandes a’ Fig. 25 
beurtheilen, um wieviel die Curve zu verschieben ist, um jene Bedingung zu erfüllen. 
Voraussetzung hinlänglich starker Widerlager. — Selbstverständlich ist die wie vorstehend, ohne Rück- 
sicht auf die Widerlager bestimmte Curve nur dann möglich, wenn die letzteren stark genug sind, um ‚den jener 
Curve entsprechenden Gewölbeschub aufzunehmen. Wäre dieses nicht der Fall, so würde der dritte Bruchpunkt, 
B^ Fig. 24, nicht im Gewólbe, sondern im Widerlager liegen, und zwar gewöhnlich an. der unteren äusseren Kante 
des letzteren. Die günstigste Curve würde dann nach demselben Prinzipe, jedoch mit Hinzunahme des Widerlagers 
zu bestimmen sein. Die bisher gemachte Voraussetzung hinlànglich starker Widerlager soll jedoch auch im Folgen- 
den beibehalten werden. 
Zweckmässigkeit der Gewölbformen. — Ein Gewölbe wird seinem Zwecke mit um. so. geringerem 
Materialaufwande entsprechen, je mehr die günstigste Curve der Gewölbform nahe kommt, je kleiner, folglich der zu 
beiden Seiten der Gewölbemitte liegende Theil seiner Dicke ist, welcher durch jene Curve eingenommen wird. Es 
kommt hiebei hauptsüchlich auf die Form der Gewülblinie und auf die Belastungsweise an, und man wird bei Ge- 
wólben, deren Dicke vom Scheitel bis zum Kämpfer sich nur wenig ändert, annehmen können, dass jener mittlere 
Theil der Dicke ungefähr gleich ist der mathematischen. Gewölbstärke für dieselbe Gewölbform und Belastungsweise. 
. In zweiter Linie kommt es dabei aber auch auf die gesammte Gewölbdicke an, denn je grösser diese ist, um 
so mehr verschwindet jener von der Druckcurve eingenommene Theil derselben. Einige Ingenieure nehmen, freilich 
ziemlich willkürlich an, dass letzterer nicht über '/, der ganzen Gewülbdicke betragen soll, weil sonst in der Nähe 
der Bruchfugen die Angriffspunkte in die äusseren Drittel fallen, somit ein Theil des Materials an der entgegen- 
gesetzten Gewölbgrenze gar nicht gepresst wird, also überflüssig ist. 
* Dieser Fall ist der gewöhnliche, der Fig. 16 u. 19 $. 3 entsprechende. Die Lage der Curve könnte natürlich auch eine andere 
sein, z. B. wie in Fig. 17 u. 18.
	        

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