Full text: Jahres-Bericht der Kgl. Polytechnischen Schule zu Stuttgart für das Studienjahr 1872-1873 (1872)

  
194. 
»Den Fuss aufs Feste, das Aug! auf's Beste« 
erreicht zwar mit der Grundrissform des lateinischen T bei einem zur Hauptstrasse parallelen 
Hauptbau und einem hinten zurückspringenden Mittelbau eine günstigere Verwendung der Grund- 
fläche, ist aber in dieser Hinsicht von Mängeln nicht frei. Die Nebengebäude erhalten eine der 
richtigen Beziehung zum Mittelbau entbehrende Lage in der hintern Ecke rechts. Der Gedanke, 
die Steigung der Seitenstrasse zu einer Verminderung der Stufen der weit nach hinten verlegten 
Haupttreppe zu benützen, hat für die Anfahrt die missliche Folge, dass sie sich dieser steilen 
Strasse bedienen muss. Die Anordnung der innern Räume ist nicht ungeschickt, der Charakter 
der Architektur der Bestimmung des Gebäudes angemessen, die Perspektive befriedigend behan- 
delt. Die Begleitsehrift weist die Gliederung der Räume gut und umsichtig nach. 
In Betracht der letzteren Vorzüge konnte diese Arbeit einer öffentlichen Belobung für 
würdig erachtet werden. 
Der Name des Verfassers ist: Cornelius Gurlitt von Gotha, bis Herbst 1879 Studiren- 
der der Architekturfachschule. 
Das dritte Projekt mit dem Motto: 
»Si vis paeem para bellum« 
  
gibt dem Hauptgebüude nicht die ganze Länge des verfügbaren Platzes an der Hauptstrasse und 
gewinnt dadurch in glücklicher Weise an dessen Nebenseite die ganze Tiefe für den Garten. 
Das Hintergebäude liegt rückwärts in der Mittelaxe des Hauptbaues, die Zirkulation der Wagen 
kann ohne Belästigung um den Garten herum stattfinden. Der Grundriss des Hauptgebäudes 
zeigt die Form eines Rechtecks mit innerem Lichthofe. Im Erdgeschoss sind links vom Haupt- 
eingang und der grossen Treppe die Kanzleien mit besonderem Eingang von der Seitenstrasse 
her angebracht, rechts die Zimmer des Generals gegen den Garten, der durch einen Porticus in 
anmuthiger Weise mit dem Gartensaal in Beziehung gesetzt ist. 
Im ersten Stock ist durch die Placirung des grossen Saales an der Seite über den Kanz- 
leien das Mittel gegeben, die ganze vordere Enfilade, sowie die gegen den Garten gekehrten 
Zimmer als ein zusammenhängendes, bei Festen angemessen verwendbares Ganzes herzustellen. 
  
Die Eintheilung des zweiten Stockes ist gleichfalls eine zweckmässige, wenn gleich die dazu 
ve "m : ve . . a . 
führende Treppe als zu beschrünkt erscheinen muss und die an der Rückseite des Saals gelege- 
nen an das Orchester stossenden Räume noch einfacher combinirt werden konnten. 
Sowohl Vorder- und Seitenfaçade, als auch der Durchschnitt sind von sehr guten Pro- 
portionen, würdig und ernst in den Einzelform 
stimmt und mit feinem Gefühl dargestellt. Die Perspektive ist sehr gut gezeichnet, richtig 
schattirt und anmuthig kolorirt. Die Begleitschrift ist wohl ge 
en und schon im Detail behandelt, auch sehr be- 
ordnet und erschöpfend. 
Die Arbeit zeugt von einem ausgesprochenen künst 
wôhnlichen Talente der Darstellung. Sie wurde nacl 
theiler als eines Preises vollkommen würdig erachtet, 
lerischen Sinne und einem unge- 
1 der übereinstimmenden Ansicht der Beur- 
  
  
 
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.