Title:
Jahres-Bericht der Königl. Polytechnischen Schule zu Stuttgart für das Studienjahr 1875-1876
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https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1554117854977_J1875/28/
  
  
  
  
  
OR, — 
Preisbewerbung. 
Nach den »organischen Bestimmungen« für die polytechnische Schule und dem revidirten 
Preisstatut vom 6. September 1868 werden jährlich an Studirende der Fachschulen für Architektur, 
für Ingenieurwesen, für Maschinenbau. für chemische Technik und für Mathematik und Natur- 
wissenschaften für völlig genügende Lösung der zum Zwecke der Preisbewerbung gestellten 
Aufgaben, und an Schüler der mathematischen Abtheilung für hervorragende Leistungen bei 
der technischen Maturitütsprüfung Preise vergeben. 
Das Ergebniss der Preisbewerbung des Jahres 1875 war folgendes: 
L Die Architekturfachsohule 
hatte folgende Aufgabe gestellt: 
»Für eine kleine Residenz ist ein Theater zu entwerfen, das im Zuschauerraum 900 Sitz- 
plütze fassen und ausser dem Parterre noch zwei Bogenrünge und darüber ein Amphitheater 
enthalten soll. Dasselbe kommt an den Hauptplatz der Stadt zu stehen und ist ringsum frei 
gelegen; der Zugang des Publikums ist vom Platze aus. Zu ebener Erde ist ein gerüumiges 
Vestibule mit den Kassen anzuordnen und ist die bedeckte Zu- und Abfahrt der Wagen so 
anzulegen, dass die Fussgünger dadurch nieht behindert werden. 
Die auf der Scene Beschäftigten erhalten besondere Eingánge. Vom Vestibule aus 
sollen die beiden Ränge durch bequeme Treppen zugänglich gemacht sein, das Amphitheater 
soll besondere Treppen erhalten, die jedoch eine Communikation mit den übrigen Zuschauer- 
plätzen nicht ausschliessen. Zur Erholung in den Zwischenakten ist in dem Niveau des ersten 
Rangs ein sog. Foyer mit Buffet anzubringen; kann vor demselben ein Altan oder Loggia liegen, 
würde diess zur Annehmlichkeit sehr beitragen. Auf jedem Stockwerk ist auf eine Garderobe 
für Schirme, Stöcke, Mäntel etc. Bedacht zu nehmen und sind Water-closets in schicklicher 
Weise anzubringen. Der Raum des Erdgeschosses, soweit er nicht durch die Unterkonstruktion 
der Bühne in Anspruch genommen wird, soll zu Magazinen der Coulissen, Versetzstücke, Stel- 
lagen etc. eingetheilt werden, sowie zu einer Schreinerwerkstätte. 
Die Umgebung der Bühne ist so anzuordnen, dass die bei den Vorstellungen Mitwir- 
kenden von ihren Ankleidezimmern aus möglichst direkt zu derselben gelangen können, es sind 
etwa 5 Ankleidezimmer für Männer, 4 für Frauen nöthig, ein grösserer Raum für den männlichen 
und ein solcher für den weiblichen Chor, sowie ein geräumiges Statistenzimmer erforderlich. 
Für das Orchester ist in der Nähe des Prosceniums ein Probesaal und daranstossend ein Zimmer 
zum Verschluss der Instrumente einzurichten. 
Das Magazin für die Vorhänge (Hintergrund-Soffiten) ist so anzulegen, dass dieselben 
  
 
        

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