Full text: Jahres-Bericht des Königlichen Polytechnikums zu Stuttgart für das Studienjahr 1880-1881 (1880)

  
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Aus dem Fond der K. Kultministerialabtheilung für Gelehrten- und Realschulen zu Heran- 
bildung von Reallehrern erhielten im Wintersemester 10, im Sommersemester 4 Studirende 
Beiträge im Belauf von 100—225 4 pro Semester. 
Unterrichtsgeldbefreiung haben genossen: 
im Wintersemester 50 Studirende mit einer Gesammtschuldigkeit von 2703 À, 
» Sommersemester 43 » o Y » » 2053 À. 
Preisbewerbung. 
Nach den »organischen Bestimmungen« des Polytechnikums und dem revidirten Preisstatut 
vom 11. Juli 1876 werden an Studirende sämmtlicher Fachschulen für völlig genügende Lösung von 
zum Zwecke der Preisbewerbung gestellten Aufgaben Preise vergeben und Belobungen zuerkannt. 
Das Ergebniss der Preisbewerbung des Jahres. 1880 war folgendes : 
|. Die Architekturfachschule 
hatte folgende Preisaufgabe gestellt : 
»Für eine grüssere Stadt ist ein Schützenhaus zu entwerfen. Dasselbe soll enthalten : 
cine 200—240 []m grosse festliche Eintrittshalle; anschliessend daran eine Schiesshalle, cirea 40—44 m 
lang, 8 m breit, mit 10—11 Schiessstünden beziehungsweise Scheiben; eine Restauration mit den nôthigen Wirth- 
schaftsgelassen, Garderobe etc., je ein Zimmer für die Schützenmeister, Schriftführer und Zeiger, ausserdem einen 
Raum zum Aufbewahren von Büchsen, einen solchen zu Reparaturen und eine Wohnung für den Wirth, bestehend 
aus 3—4 Zimmern mit Zubehör. 
Das Gebäude ist in einfacher auf construktiven Principien basirender Stein- und Holzarchitektur gedacht 
und die Baustelle gegen die Scheibe hin 5 % steigend angenommen. 
Man verlangt die Grundrisse , Aufrisse und Durchschnitte im Massstab 1:100, davon einen Schnitt und 
eine Façade im Massstab 1 : 50, eine Perspektive und eine kurze Begleitschrift." 
Es giengen 10 Bearbeitungen ein, welche, nach der Zeit der Ablieferung geordnet, folgender- 
massen beurtheilt worden sind: 
I. Arbeit mit dem Zeichen einer Scheibe mit 2 gekreuzten Stüben*. 
„Das Projekt zeigt eine rechteckige lüngliche Eintrittshalle und quer dazu die Schiesshalle, in den Ecken zu 
beiden Seiten ziemlich geschickt die Nebenrüume, etwas entlegen dagegen unter der Eintrittshalle die Restauration. 
Die Architektur der Fagade ist zu ernst, mehr im Charakter eines Festungsbaus oder Gefängnisses, gehalten, 
auch lässt die Darstellung zu wünschen übrig.« 
II. Arbeit mit dem Motto: „Das Neue nur hat Werth, nieht das Geschaffene*. 
,Durch ein müchtiges, von 9 Thürmen flankirtes Portal und ein grosses Vestibule erreicht man die Ein- 
trittshalle, dann in derselben Richtung die Restauration. 
Die Schiesshalle ist parallel zur Eintrittshalle angeordnet, doch so, dass dazwischen ein offener Hof erscheint, 
Die Gesammtanlage hat etwas weitläufiges. Die Verbindungen sind nicht ganz bequem. Die spitzen Dächer 
der Thürme stimmen nicht recht zu den flachen der übrigen Gebäudetheile , sonst aber ist der Charakter der Archi- 
tektur wohlgetroffen, dio Darstellung fleissig und geschickt.« 
  
 
	        

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