Full text: Jahres-Bericht des Königlichen Polytechnikums zu Stuttgart für das Studienjahr 1880-1881 (1880)

  
  
IV. Ingenieurkonstruktionen. 
1) Quer unter einem frequenten Bahnhofe soll ein, mit Stfchbogen zu überwólbender Durchgang nach den 
Zwischenperrons hergestellt werden, im Lichte 6 m weit, 2,20 m am Kämpfer hoch. Der Bahnhof liege 1,50 m in 
Auffüllung über horizontalem Terrain; der Baugrund sei tragfühiger Keupermergel. 
Verlangt wird der Querschnitt und ein Stück Lüngenschnitt des Durchgangs im Massstabe 1: 50, nebst An- 
gabe des Lehrgerüstes und mit eingeschriebenen Massen. 
2) Ein am Niederwasser (N. W.) 4 m dicker steinerner Brückenpfeiler soll in Flussbetthóhe d. i. 1,50 m 
unter N. W., auf Beton gegründet werden. Verlangt wird der Querschnitt dieser Gründung und des unteren Pfeilertheils 
im Massstab 1: 100, sowie die Bestimmung der geringsten Betondieke. Dabei ist vorauszusetzen, dass der Baugrund 
aus durchlassendem, aber tragfühigem Kies bestehe, dass die Fangedimme auf der Betonschichte aufstehen und dass 
der höchste während der Gründung zu erwartende Wasserstand 2 m über N. W. liege. 
3) Für eine hölzerne Jochbrücke mit Oeffnungen von 9 m Stützweite, mit beschotterter, 4,50 m breiter 
Fahrbahn und zwei erhöhten, je 1,25 m breiten Trottoirs ist der Querschnitt eines Tragbalkens zu berechnen, und 
der Querschnitt der Brücke nebst Ansicht eines Mitteljochs, sowie der Querschnitt und Horizontalschnitt des letzteren 
aufzuzeichnen, im Massstabe 1:50. Der Hochwasserstand liege 4 m über, das Flussbett 1 m unter NOW. 
4) In welcher Weise kann man eiserne Bogenfachwerke ohne Scheiteleharnier berechnen ? 
5) Für eine eiserne Parallelfachwerksbrücke von 40 m Stützweite mit einem Eisenbahngeleis oben ist das 
System anzugeben, die Querschnittsanordnung in *hoo zu skizziren, und der Querschnitt der oberen Gurtungen in der 
Briickenmitte, sowie ein Knoten am Ende dieser Gurtungen zu berechnen und in '[: aufzuzeichnen. 
6) Was sind beim Bau langer Tunnels die Vortheile eines Richtstollens, welche Querschnittsdimensionen 
sind demselben zu geben, und welche Gründe sprechen für Anlage desselben als Sohlstollen, resp. Firststollen ? 
V. Strassen-, Eisenbahn- und Wasserbau, 
1) Die Parallelgeleise I und III sind durch eine Weichenstrasse mittelst Einlegung einer Weiche in A und 
einer Durchschneidung des Geleises II in B mit einander zu verbinden. — Die Weichenkonstruktion ist durch fol- 
gende Maasse bedingt: Länge der geraden Weichenzunge = 4,2 m, Abstand an der Weichenwurzel c — 0,120. Das 
Ausweichgeleise soll Radien von 200 m, die Kreuzungsspitze einen Winkel tug y — 0,11 erhalten. Sümmtliche 
Maasse der Weichenstrasse sind hienach zu berechnen, und ist die Situation der Schienenstriinge in oo, ferner der 
Grundriss einer der stumpfen Durchkreuzungen C mit Angabe der Schwellenunterstützung in 'Ae aufzutragen. — Als 
Material der Kreuzung sind gewühnliche Schienen anzunehmen. 
2) Zu entwerfen auf der dem Kandidaten übergebenen Hóhenkurvenkarte der Bahnhof einer einspurigen 
Bahn, enthaltend 2 Hauptgeleise für die nach den verschiedenen Richtungen fahrenden Züge, ein Ueberholungsgeleise 
und ein Güterschuppengeleise. — An Gebäuden sollen situirt werden ein Aufnahmsgebäude und ein Güterschuppen ; 
die Weichen sollen so angeordnet werden, dass in jedem Hauptgeleise nur je eine spitz angefahrene Weiche sich be- 
findet. Vorplätze, Wegübergänge, Wegkorrektionen müssen wenigstens in die Situation eingezeichnet sein, Querprofile 
können wegbleiben. : 
3) Das Querprofil der in Aufgabe 2 entworfenen Zufahrtsstrasse zum Bahnhof, welche einen erhóhten 
Fussweg erhalten soll, ist im Maassstab von !/o aufzuzeichnen , die Art der Befestigung der Strasse anzugeben, und 
sind die Maasse einzuschreiben. 
4) Zu bestimmen die Dimensionen eines Bewässerungskanals mit regelmässig ausgeführten Erdw änden, 
welcher bei einem Gefälle von 0,25 %%o — 12 Kubikmeter Wasser pro Sekunde führt. Die Büschungen sind 1'/amalig, und 
die Sohlenbreite = dor 5fachen Wassertiefe anzunehmen. Zur Berechnung sind die genauen Formeln von Kutter zu benützen. 
5) Eine auf einer Seite im freien Strom stehende, auf der andern an das Ufer sich anlehnende Schleuse 
von 7.5 m Weite, welche für ein Gefäll von 3,0 m und einen Tiefgang der Schiffe von 1,0 m dient, soll steinerne 
Seitenwände und Boden erhalten, und wegen weichen Untergrundes auf Pfahlrost fundirt werden. Zu zeichnen der 
Querschnitt der Schleusenkammer in */so mit eingeschriebenen Massen. 
 
	        

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