Full text: Jahres-Bericht des Königlichen Polytechnikums zu Stuttgart für das Studienjahr 1880-1881 (1880)

  
  
  
  
  
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Die Vorschrift der Kgl. Verordnung vom 13. April 1881, wonach die Candidaten für die 
erste Staatsprüfung im Hochbau- und im Ingenieurfache künftig, 1882 erstmals, eine gegen 
bisher vermehrte Anzahl von Zeichnungen mit ihrer Meldung zur Prüfung vorzulegen haben, wurde 
auch auf die Diplomprüfung in den beiden genannten Fächern ausgedehnt. 
Das Preisstatut wurde dahin abgeändert, dass die Preisaufgaben der Fachschulen für 
Ingenieurwesen, für Maschinenbau und für Mathematik und N. aturwissenschaften künftig je am Sehlusse 
des Wintersemesters (seither am 30. Juni), diejenigen der chemisch-technischen Fachschule am 
30. Juni (seither am Schluss des Wintersemesters), zu publiciren und dass die Bearbeitungen der 
an der letztgenannten Fachschule gestellten Aufgaben in Zukunft erst am 3. Januar des zweitfolgenden 
(seither des nüchstfolgenden) Jahres abzuliefern sind. 
Der Entwurf einer Kgl. Verordnung über die Einführung einer Staatsprüfung im 
Maschinenfache ist aufgestellt worden und den betheiligten Königlichen Ministerien zugegangen. 
Ueber den Betrieb und die Benützung der mechanischen Werkstütte ist ein Statut 
erlassen, zugleich jedoch die Auflósung der genannten Werkstitte mit Schluss des Studienjahres 1880/81 
verfügt worden. 
In Folge der Ernennung des Professors Dr. Weyrauch zum Hauptlehrer konnte die Stunden- 
zahl für das Fach der »analytischen Theorie der Ingenieurkonstruktionen« ver mehrt und eine 
neue Vorlesung »Einleitung in die mathematische Theorie der Elasticitüt« eingeführt werden. Als 
weitere im Schuljahre 1880/81 eingeführte neue Vorlesungen sind zu nennen eine solche über 
»Grassmann’sche Ausdehnungslehre«, eine Specialvorlesnng »über das Fernrohr«, ein Vortrag über 
»Ballistik«, eine Vorlesung über »Hygieine«, endlich Vorträge über »englische Literatur« in engli- 
scher Sprache. 
Die Kunstgewerbeschule hat eine neue Organisation erhalten, vermöge welcher sie von 
der speciellen Verbindung mit der Architekturfachsehule abgelöst und innerhalb des Gesammtorganismus 
des Polytechnikums gleichsam als besondere Fachschule des letzteren constituirt wurde, jedoch mit 
der Modifikation, dass sie einen ständigen Vorstand erhielt, der über die Angelegenheiten der Kunst- 
gewerbeschule mit sämmtlichen Lehrern derselben zu berathen, die Anträge dieses Collegiums aber 
auf ihren weiteren Weg durch die Organe des Polytechnikums zu leiten hat. Nach wie vor ist es 
nicht ausgeschlossen, dass auch Zöglinge der Kunstschule an den architektonischen und ornamen- 
talen Fächern des Unterrichts an der Kunstgewerbeschule sich betheiligen können, sowie andererseits, 
dass Kunstgewerbeschüler für einzelne specifisch künstlerische Fücher, insbesondere das Zeichnen 
nach dem lebenden Modell, die Kunstschule besuchen dürfen. Um jedoch die Kunstgewerbeschule 
auch mit den gewerblichen Fortbildungsschulen in nähere Verbindung zu bringen, wurde nicht nur 
die hauptsächlich für die Heranbildung und die Fortbildung der gewerblichen Zeichenlehrer bestimmte 
sogenannte Centralschule mit der Kunstgewerbeschule vereinigt, sondern auch der Vorstand der 
letzteren zum Mitglied der Kgl. Commission für die gewerblichen Fortbildungsschulen bestellt. 
Der Kunstgewerbeschule, welche seither mit demjenigen Theil ihres Unterrichts, welcher nicht am 
Polytechnikum gegeben wird, auf ein Miethlokal angewiesen war, sind jetzt entsprechende Räumlich- 
keiten in einem Staatsgebäude, dem alten Realgymnasium, zur Verfügung gestellt und es sind 
dieselben am Schlusse des Sommersemesters bezogen worden. 
Seit Juli 1880 sind an der Kunstgewerbeschule Diplomprüfungen eingeführt und ist ein 
bezügliches Prüfungsstatut — zunächst in provisorischer Weise — erlassen worden. 
  
 
	        

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