Full text: Jahres-Bericht des Königlichen Polytechnikums zu Stuttgart für das Studienjahr 1883-1884 (1883)

Preisbewerbune. 
Nach den ,organischen Bestimmungen“ des Polytechnikums und dem revidirten , Preisstatut* 
vom 11. Juli 1876 werden an Studirende simmtlicher Fachschulen für völlig genügende Lösung von 
zum Zwecke der Preisbewerbung gestellten Aufgaben Preise vergeben und Belobungen zuerkannt. 
Das Ergebniss der Preisbewerbung des Jahres 1883 war folgendes: 
l. Die Architekturfachschule 
hatte folgende Preisaufmabe gestellt: 
Ein gastfreier Kunstfreund beabsichtigt, in seinem am Bodenseeufer gelegenen Landgut sich anzubauen. 
Für sich und seine Familie ist verlangt: ein Wohngebäude, dessen Erdgeschoss, für die gesellschaftlichen Zwecke 
eingerichtet, enthalten soll: bedeckte Anfahrt, Vestibule, Bedientenzimmer, Garderobe, einige Empfangräume, Speise- 
saal mit Anrichtezimmer, Billard-, Rauchzimmer, Bibliothek, Lesezimmer, einen grösseren Saal für Bälle, ein 
Pflanzenhaus für tropische Gewächse und ein Liebhabertheater für etwa 150 eingeladene Zuschauer, mit dem Zugehör 
von Ankleidekabineten der Mitwirkenden etc.; im ersten Stock die Wohnräume, etwa acht für den Herrn, die Frau 
und Töchter; in einem zweiten beschränkten Stock ist für die Gesellschafterin der Frau, die Gouvernante der Töchter 
und die Zimmermädchen Wohngelass einzutheilen. Die Küche mit ihrem Zugehör und Gelass der Dienstleute kann 
in ein Souterrain verlegt werden. Ausserdem sind, durch bedeckte Gänge mit dem Hauptgebäude verbunden, vier 
gesonderte Fremdenpavillons, zwei gróssere mit je 5 Zimmern, und zwei kleinere mit je 8 Zimmern und Diener- 
schaftsgelass, einzurichten. Das Terrain fällt etwas gegen den See ab und ist ein kleiner Hafen für die Gondeln an 
dem Ufer anzulegen. Die Stallungen, Remise und Zugehör, das Magazin für die Theaterbedürfnisse und Gärtner- 
wohnung sind schon unweit in vorhandenen Nebengebäuden untergebracht. 
Verlangt ist: 1 Situationsplan im Massstab 1:200; die nöthigen Grundrisse des Hauptgebäudes, sowie die 
Grundrisse je eines der Fremden-Gebäudchen in 1:100; 2 Aufrisse und 1 Durchschnitt in 1:50. 
Die Gründe, die den Bewerber bei der Wahl seiner Anordnung geleitet haben, sind in einer Begleitschrift 
darzulegen,“ 
Es sind 9 Bearbeitungen eingegangen, welche in nachstehender Reihenfolge beurtheilt wurden, 
wie folgt; . 
1. Entwurf mit dem Motto: „Hansa.“ 
„Dieser Entwurf ist von symmetrischer Gesammtanlage, das Terrain durch einen seitlichen Canal vom 
übrigen Festland getrennt, das Hauptgebäude angemessen vom See abgerückt; die beiden kleinen Pavillons stehen 
in der Vorderflucht des Hauptgebäudes, die zwei grösseren rückwärts von demselben je in gleicher Entfernung. 
In den Grundrissen des Hauptgebäudes sind die Gesellschaftsräume nach der Seeseite gelegt und nimmt 
der Ballsaal mit einem halbrunden Ausbau die Mitte der Facade ein. 
Die bedeckte Anfahrt liegt an der Rückseite, das Pflanzenhaus ist dem seitwärts angebrachten Speisesaal 
vorgelegt. Anderseits entspricht diesem letzteren das Theater. Da dieses sowohl wie Ballsaal und Speisesaal durch 
zwei Stockwerke gehen, wurden im oberen Stock die Wohngelasse in vier einzelne Gruppen getrennt, auch leiden 
die Empfangzimmer im ersten Stock an Dunkelheit. 
Die Pavillons, mehr für Familien als einzelne Gäste bestimmt, haben nicht genügenden Zusammenhang 
der Zimmer. 
Das Aeussere gliedert sich nicht unvortheilhaft, doch konnte der halbrunde Vorbau des Tanzsaales günstigere 
Fensterformen erhalten, auch wirkt der hohe Aufbau lästig und gibt eine Uebermasse Raum für die Dienerschaft im 
Attikstock. Der Durchschnitt zeigt die fehlerhafte Ableitung des Dachwassers nach dem Innern und verdeutlicht 
den ellyptischen Einbau in den Saal, der denselben ohne Noth verengt. 
Die Begleitschrift gibt nur die Aufzählung und Aneinanderreihung der Räume, die sich beim Anblick des 
Entwurfs von selbst darlegen.“ 
 
	        

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