Full text: Jahres-Bericht des Königlichen Polytechnikums zu Stuttgart für das Studienjahr 1885-86 (1885)

-— DES — 
Preisbewerbung. 
Nach den „organischen Bestimmungen“ des Polytechnikums und dem revidierten , Preisstatut“ 
vom 11. Juli 1876 werden an Studierende sämtlicher. Fachschulen für völlig genügende Lösung von 
zum Zwecke der Preisbewerbung gestellten Aufgaben Preise vergeben und Belobungen zuerkannt. 
Das Ergebnis der Preisbewerbung des Jahres 1885 war folgendes: 
I. Die Architekturfachschule 
hatte folgende Preisaufgabe gestellt: 
„Es soll in Stuttgart für die barmherzigen Schwestern ein Neubau in Verbindung mit einem Spital und 
einer kleinen katholischen Kirche errichtet werden und sind folgende Räume vorzusehen. 
A. Für die barmherzigen Schwestern: 
im Erdgeschoss: ein Empfangszimmer der Oberin mit Vorzimmer, ein kleines Sprechzimmer für die 
Schwestern, ein Speisesaal (Refectorium) fiir 30 Schwestern, ein Kapitelsaal; 
im Obergeschoss: die Schlafsäle für 30 Schwestern, ein Schlafzimmer für die Oberin, ein Krankenzimmer 
für 6 Schwestern. 
B. Spitalräume für 60 männliche und 60 weibliche Kranke, welche räumlich zu trennen, aber für den 
Dienst in geeignete Verbindung unter sich und mit dem Haus der Schwestern zu bringen sind. 
Die Krankenzimmer sind teils für 1—6 Krankenbetten, teils für Aufnahme einer grösseren Zahl 
von Betten anzuordnen. Geeigneten Orts sind die Nebenräume unterzubringen, kleine Theeküchen mit 
transportablen Badewannen, Baderäume, Zimmer für die Wärterin und die nôtigen Aborte. 
Im Erdgeschoss sind direkt neben der Einfahrt Aufnahmezimmer fiir ankommende Kranke 
anzuordnen, 
Ferner sind an passender Stelle ein Operationszimmer, ein Zimmer für den Arzt und ein Raum 
für die Apotheke unterzubringen. 
Die Küchen-, Wasch- und Bügelräume sind im Souterrain anzuordnen, ebenso die Heizungs- und 
Ventilations- Vorrichtungen. 
. Die Kirche hat im ganzen ca. 200 Sitzplàtze aufzunehmen und ist so zu legen, dass der Zugang für 
die Kirchenbesucher aus der Stadt von dem Spitalgang unabhängig, aber in nächster Nähe der den 
Schwestern zugewiesenen Räume liegt. 
Eine kleine Sakristei ist in Verbindung mit der Kirche zu bringen. 
Für die Kranken sind Emporengallerien zu reservieren, welche von den bezüglichen Spitalräumen 
aus bequem zu erreichen sein müssen. 
Die Spitalräume und ebenso die der Schwestern sind von der öffentlichen Strasse etwas abzulegen und 
gegen dieselbe mit geeignetem Abschluss zu versehen. 
Rückwärts von der ganzen Gebäudeanlage ist ein Garten zur Erholung für die Schwestern und Recon- 
valescenten anzulegen, ferner fiir den Dienst geeignete Hofe, die durch Zufahrten von der Strasse aus zu erreichen sind. 
Im Hintergrund des Gartens ist ein kleines Leichenhaus und ferner ein Eiskeller anzulegen. 
Es ist bei der ganzen Anlage vor Allem auf eine gute, übersichtliche Gruppierung der verschiedenen Bau- 
teile zu achten und soll das Ganze bei einfachen Mitteln sich durch schöne Verhältnisse und ein charakteristisches 
Ensemble auszeichnen. 
Der zur Verfügung stehende, annähernd horizontale Bauplatz hat eine Länge von 110 Meter bei einer Tiefe 
von 90 Meter und grenzt derselbe nur mit einer Langseite an die Strasse. 
Verlangt werden: Die Grundrisse mit Gartenanlage in dem Massstab 1: 200; eine Gesamtansicht und 
ein Schnitt in demselben Massstab; die Fagade der Kirche im Massstab 1: 75 und ein perspektivisches Gesamtbild 
nebst Begleitschrift.“ 
 
	        

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