Full text: Jahres-Bericht des Königlichen Polytechnikums zu Stuttgart für das Studienjahr 1887-88 (1887)

  
  
  
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mit Versuchen, wären sehr am Platz gewesen. Doch kann daraus kein gewichtiger Vorwurf gemacht werden, da die 
nötigen praktischen Grundlagen zu- einem solchen Vorgehen schwer zu erreichen sind. 
Was endlich die Bestimmung einzelner mechanischer Abmessungen der Anlage anbelangt, so dürfte aus 
ihnen zu folgern sein, dass dem Verfasser praktische Erfahrung auf dem Gebiet des Maschinenbaues fehlt; auch 
einiger Verstösse gegen die praktische Elektrotechnik macht er sich schuldig. 
Es folgt aus dem Gesagten, dass die gesamte Bearbeitung manches zu wünschen übrig lässt und nicht als 
eine vóllig genügende Lósung der Aufgabe betrachtet werden kann. Es konnte deshalb auch für die Arbeit „Non 
scholae, vitae!“ kein Preis beantragt werden. In Anbetracht des aus der Arbeit hervorleuchtenden und stellenweise 
recht erfolgreichen Bestrebens nach selbständigem wissenschaftlichem Eindringen in technische Aufgaben unter ge- 
wissenhafter und sehr fleissiger Benützung der einschlägigen Litteratur wird beantragt, dem Bearbeiter eine öffent- 
liche Belobung zuzuerkennen.“ Dietrich. 
Eine solche wurde denn auch der Arbeit zuerkannt. Ihr Verfasser ist Otto H. Schmoller 
von Derendingen O.A. Tübingen, seit Herbst 1884 ordentlicher Studierender des Polytechnikums und 
zuerst an der mathematisch-naturwissenschaftlichen, seit Herbst 1885 an der Maschinen-Ingenieur- 
Fachschule eingeschrieben. 
IV. An der chemisch-technischen Fachschule 
lautete die Aufgabe: 
„Die Volhardsche Methode der Manganbestimmung ist namentlich für die Bestimmung des Mangans im 
Eisen von grossem Wert, sie setzt aber eine sehr sorgsame Zersetzung der Verbindungen des Kohlenstoffs voraus, 
wodurch die Methode etwas umständlich wird, auch ist das schliessliche Titrieren des Mangans nicht immer leicht 
auszuführen. 
Gegenstand der Preisaufgabe soll nun sein, zu versuchen, ob nicht mit Hilfe eines passenden Oxydations- 
mittels und passender Zusammensetzung der Lösung sich das Mangan in bestimmter Verbindung ausscheiden lässt, 
welche das Titrieren des Mangans in anderer Weise ermöglicht, als dies nach Volhard geschieht.“ 
Es ist eine Arbeit unter dem Motto: „Wohlthätig ist des Feuers Macht“ übergeben 
worden, welche folgende Beurteilung fand: 
„Es wäre zu erwarten gewesen, dass als Einleitung die bis jetzt bekannten hierher gehörenden Untersuch- 
ungsmethoden aufgezählt und beurteilt worden wären. 
Ferner kann es nicht genügen, eine neue Methode zu erfinden , ohne irgend welche Belege durch Versuche 
beizubringen, dass die Methode auch zuverlässige Resultate giebt. Von Beleganalysen ist aber in der Arbeit keine 
Rede. Fast möchte es scheinen, dass der Autor seine Methode gar nicht praktisch ausgeführt hat, er wäre sonst auf 
Schwierigkeiten gestossen, auf welche er hätte aufmerksam machen müssen, wie z. B. schon beim Eintragen von 
Kaliumperchlorat in die heisse geschmolzene Masse, wobei der rasch sich entwickelnde Sauerstoff Verluste herbei- 
führen kann. 
Ferner entwickelt sich beim Uebergiessen der Schmelze mit Salzsiure sehr rasch Chlor, was hätte Veran- 
lassung geben müssen, den Apparat anders einzurichten, um Chlorverlust zu vermeiden. Endlich muss auch viel 
Wasser mit übergetrieben werden, wenn aus der verhültnismüssig grossen Menge von Flüssigkeit alles Chlor über- 
getrieben werden muss; es ist daher die Bunsen'sche Retorte in diesem Fall als Vorlage unzweckmiüssig. 
Der Verfasser spricht dann davon, dass das Mangan in der Schmelze schliesslich als mangansaures Salz 
enthalten sei, bei der später angestellten Berechnung legt er seiner Rechnung Manganhyperoxyd zu Grunde; es ist 
dies ein elementarer Fehler, der schwer ins Gewicht fällt. 
Unter solchen Umständen kann für die Arbeit weder Preis noch Belobung beantragt werden.“ 
Marx. 
Dementsprechend wurde weder Preis noch Belobung zuerkannt. 
 
	        

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