Volltext: Jahres-Bericht der Königlichen Technischen Hochschule in Stuttgart für das Studienjahr 1899/1900 (1899)

 

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Sodann ist im Gebäude an passender Stelle ein gut beleuchtetes Operationszimmer mit Vorzimmer
 für die Kranken resp. zu Operierenden, nebst bequemem Aufzug, Zimmer für den
Arzt und kleiner Raum für die Instrumente anzuordnen, und ausserdem sind die nötigen
Wohnräume für das Dienstpersonal vorzusehen.

Der übrig bleibende Platz ist für Hof und Garten mit angenehmen Sitzplätzen für die Genesenden
zu verwenden, während im Hintergrunde des Anwesens mit separatem Ausgang nach Aussen
| ein kleines Leichenhaus mit Warte- und Sezierzimmer anzuordnen ist.

Man verlangt nun zu deutlicher Darstellung des Entwurfs:
| a) einen Lageplan im Massstab von 1 : 400;
b) die sämtlichen Grundrisse
c) mindestens 2 Aufrisse | in1:100;
d) mindestens 2 Durchschnitte
e) eine genauere Angabe der Dekoration des übrigens einfach zu haltenden Betsaales ;
f) eine hübsche Vogelperspektive des Ganzen ;
g) eine beschreibende Begleitschrift.

| Die Aufgabe hat 4 Bearbeitungen gefunden, über die nachstehende Gutachten abgegeben
| wurden:

 

 

1. Arbeit mit dem Kennwort: Soli Deo Gloria (2 Entwürfe).

I. Entwurf. Die Gesamtanlage ist den Programmbestimmungen gemäss, verbindet das Pavillonsystem
 mit dem Korridorsystem in geschickter Weise, indem die Hauptabteilung fiir Münner und die für
Weiber in getrennte Pavillons gelegt wurden, die mit dem Hauptgebäude durch je eine Wandelhalle
verbunden sind.
Das Leichenhaus ist sehr richtig an das Nordende des Gebüudes gelegt, so dass es den Blicken
der Kranken entzogen ist. Die Anlage des Hauptbaues nach den Himmelsrichtungen ist richtig.
Vestibul und Haupttreppe liegen gut. Der Aufzug liegt an der unrichtigen Stelle, derselbe
miisste von dem Zimmer des Arztes, einschneidend in das Untersuchungszimmer zugünglich sein, damit
er bis zur oberen Etage (Schwerkranke) funktioniert.
Die Bad- und Closetanlage in den Pavillons liegt sehr ungünstig, da nieht vom Krankensaal
 direkt zugünglich, der Weg dorthin führt über den öffentlichen Korridor, und sind die Closets nur
0,50 m breit, was absolut unzulüssig ist. Die Apotheke liegt gut bei fast übergrosser Tiefe. Die Beleuchtung
 des Mittelkorridors würe günstiger geworden, wenn die eine Treppenhauswand in allen Etagen
durchbrochen worden würe. Die Nebentreppen sind, so wie gezeichnet, in ihrer Stufenzahl nieht ausreichend.
Der Betsaal ist von den Kranken- und Tagesrüumen gut isoliert angelegt.
Die Anlage der Krankenrüume nach den Himmelsrichtungen ist gut. Die Anlage der Tagesräume
 im Pavillon ist günstig, im Mittelbau durch Vorlegen einer Terrasse in guter Weise gelöst. Die
Räume für ansteckende Krankheiten sind gut gelegt.
Die Heizungs- und ebenso die Ventilationsanlage sind an richtiger Stelle untergebracht.
Die Küche und zugehörigen Nebenräume sind ausreichend und gut angeordnet,
Die Architektur bewegt sich in den Formen der Renaissance und ist in ihrer Gesamtwirkung
gut, der Charakter des ganzen Hauses ist gewahrt und die freie Silhouettierung bei einer derartigen Anlage
 in bergiger Gegend sehr wohl angezeigt.

 

IL Entwurf. (Variante. Die Gesamtanlage ist bei der Variante nur insofern geündert,
als ausser einer Kapelle noch eine Isolierbaracke angelegt ist, im übrigen einwandfrei.
Das Vestibul dürfte ziemlich ungenügend für ein Krankenhaus sein, der Operationssaal ist zu
klein und der Zugang unzulässig.
Die Closets mit 0,80 m Breite sind durchaus ungenügend. In den Pavillonanbauten ist der

 

 

 

 
	        
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