Full text: Jahresbericht der Königlichen Technischen Hochschule in Stuttgart für das Studienjahr 1900/1901 (1900)

  
  
  
  
gegliedert in den Verhältnissen, obgleich die Materialien, als nicht besonders dekorativ gewählt, überall die 
Sprache sprechen, wie z. B. die hölzernen Saalthüren und Paneele und darüber die Stuckkartouchen der 
nd, das Portal der Schmalwand wie der Prachtkamin, und ist gerade hierin der schwächste Punkt der Lösung 
gleiche 
   
Lang 
zu suchen. 
Die Rotunde A ist mit einer frei erfundenen, reizenden Architektur ausgestattet, welches mit ihren weissen 
Flächen und grünen Linien einen überaus festlichen, heiteren Eindruck macht. Das Laubenartige des Raumes wirkt 
zwar etwas wie Augenblicksdekoration, ist aber trotzdem in der Gesamthaltung durchaus gelungen. Das Beste am 
ganzen Entwurf ist unstreitig in origineller Erfindung, wie sehr hübscher Darstellung dieser Raum. 
  
   
Die Fussböden sind durchaus materialgemäss behandelt und zeichnen sich durch passende Motive aus, 
insbesondere ist der Fussboden des Kuppelsaales dem Raum gut angepasst. Das Motiv des Festsaales dürfte im 
Massstab vielleicht zu gross geraten sein. 
Die Perspektive des Festsaals wirkt etwas fad und dünn in der Farbe, auch sind die zu hoch ange- 
brachten Beleuchtungskörper, obwohl hübsch erfunden, mit zu wenig Glühlampen versehen. 
Im ganzen genommen ist die Arbeit nicht ohne Talent gemacht, entspricht im wesentlichen dem Programm 
und wäre einer Belobung wert, 
Gemäss den Anträgen des Referenten wurden zuerkannt: 
der Preis der Arbeit 1; ihr Verfasser ist Martin Mayer, Regierungsbauführer von 
Stuttgart, von Herbst 1896 bis Ostern 1900 ordentlicher Studierender der Archi- 
tektur; 
ein IL Preis der Arbeit 2; ihr Verfasser ist Albert Unseld von Ulm, seit Herbst 
1897 ordentlicher Studierender der Architektur; 
eine öffentliche Belobung der Arbeit 3; ihr Verfasser ist Adolf Tieche von 
Bern, im Winterhalbjahr 1897/98 Hospitant und von Ostern 1898 bis Herbst 1900 
ausserordentlicher Studierender der Architektur an der Technischen Hochschule hier. 
Il. An der Abteilung für Bauingenieurwesen 
war folgende Aufgabe gestellt: 
Für den in der Skizze (s. Anschlagtafel) im Längenprofil dargestellten "Thalübergang, ist ein Viadukt zu 
entwerfen, weleher für eine normalspurige eingeleisige Hauptbahn zu dienen hat. 
Trüger und Mittelpfeiler sollen aus Eisen (Flusseisen) konstruiert sein, soweit jedoch die letzteren in das 
Hochwasser treffen, sind dieselben auf steinernen Sockel zu stellen, für die unter das Terrain fallenden Teile der 
letzteren kann Beton verwendet werden. Auch die ins Trockene treffenden Pfeiler sind auf niedrige Steinsockel zu 
stellen, die Endpfeiler sind aus Mauerwerk mit Betonhintermauerung herzustellen. 
Der feste Untergrund, auf welchem die Pfeiler ohne weitere Vorsichtsmassregeln aufgesetzt werden können, 
ist im Längenprofil durch eine punktierte Linie angegeben. 
Die Weite der einzelnen Trägeröffnungen soll so gewählt werden, dass der Gesamtmaterialbedarf für 
Pfeiler und Träger zusammen möglichst gering wird, die Weite braucht nicht überall dieselbe zu sein, nur bezüglich 
der das Niederwasserprofil überspannenden Öffnung wird vorgeschrieben, dass die Spannweite nicht weniger 
als 25,0 m betragen soll. 
Als Brückensystem ist eine einfache Jochbrücke (trestle-work) nach der auf der Beilage gezeichneten 
Skizze anzunehmen, die Brücke hat sich zu erstrecken von Kil. 3 + 985 bis Kil. 4 + 460, die Steigung der 
Bahn betrügt 1 : 100. 
Die Trüger der Brücke sollen aus einfachen (nieht continuierlichen) Balkenkonstruktionen bestehen, deren 
statisehe Berechnung naeh dem Belastungsschema der Skizze zu geschehen hat, wobei 2 Lokomotiven hintereinander 
mit darauf folgenden Wagen anzunehmen sind. Für die Grüsse des Winddrucks und der Beanspruchung des Eisen- 
und Steinmaterials sind passende Annahmen zu machen. 
  
 
	        

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