Full text: Deutsche Konkurrenzen (1900, Bd. 11, H. 121/132)

  
  
  
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Den ı. Preis erhielten die Architekten Vollmer, Professor an der Königl. 
Technischen Hochschule, und X. Yassoy, beide in Berlin, für den Entwurf mit dem 
Kennworte „Zinschiffeg*“ ; 
den 2. Preis die Architekten Wilhelm Hennings und Fritz Hennings in 
Charlottenburg für den Entwurf mit dem Kennworte „Bonn“; 
den 3. Preis der Königl. Baurat Stier, Professor an der Technischen Hoch- 
schule in Hannover, für den Entwurf mit dem Zeichen ‚Kreuz zın Doppelkreis“, 
3ei der Prüfung der eingegangenen Entwürfe waren folgende Gesichtspunkte 
und Ueberlegungen im allgemeinen mafsgebend: 
Das Programm bot ausser der neuerdings vielfach gestellten Aufgabe, eine 
evangelische Kirche zweckmäfsig und eigenartig zu gestalten, noch die besondere 
Schwierigkeit, ein Grundstück ökonomisch und künstlerisch auszunutzen, das nur 
38 m Breite hat und in schiefem Winkel gegen die Bauflucht der Reuterstrasse 
anläuft. 
Aus den eingegangenen mannigfachen Lösungen war also auch die bestimmte 
Ansicht zu gewinnen, ob eine freie Stellung der Kirche parallel zur Strassenfront 
oder parallel zu den Seitenfronten die befriedigendere sei, oder ob eine volle Be- 
bauung der Grundstücksbreite in der Strassenbauflucht den Vorzug verdiene. 
„Gartenkirchlein““. 
Der Verfasser schliesst mit der Bauanlage das Grundstück an der Strasse in 
  
seiner ganzen Breite ab und sucht dabei in reich gebrochener Umrisslinie der Grund- 
rissgestaltung der schrägen Bauflucht zu folgen. 
Der Innenraum zeigt eine gute Saalform und ist durch günstig verteilte und 
zugfrei gestaltete Eingänge sehr geschickt zugänglich gemacht, ein Vorzug, der auch 
bei der Anordnung der Emporentreppen hervorzuheben ist. Die Gleichwertigkeit der 
beiden in der Längsachse angeordneten Emporen würde von glücklicher Wirkung sein. 
Dagegen befindet sich die Orgelempore, die seitlich gut beleuchtet ist, in zu hoher 
Lage über dem Altar, um den Besuchern den Ausblick auf letzteren zu gestatten. 
Die in rheinisch-romanischem Stil durchgeführte Architektur zeichnet sich bei 
schlichter Formengebung im Inneren und Aeusseren durch schöne Verhältnisse aus 
und bringt den evangelischen Kirchencharakter gut zur Erscheinung. Das der Grund- 
rissbildung nach der Strasse zu gegebene starke Relief zerklüftet indessen die Bau- 
masse, deren stimmungsvolle Gruppierung im übrigen hohe Anerkennung verdient 
und in anderer Umgebung von bester Wirkung sein müsste. 
„Bonn“. 
Die Längsachse des Baues ist mit den seitlichen Grenzen des Grundstücks 
parallel gelegt, so dass bei der schiefwinkeligen Form. des letzteren die Schauseite 
mit der Baufluchtlinie einen spitzen Winkel bildet. Gegen diese Lage ist bei der 
Gestaltung des Bauplatzes und seiner Umgebung nichts einzuwenden; doch würde es 
vorteilhafter sein, wenn die Fronte noch einige Meter weiter von der Baulinie ab- 
gerückt würde. 
Der Grundriss zeigt eine geschlossene Saalform mit guten Verhältnissen und 
zweckmäfsiger Anordnung der Plätze. Kanzel und Altar sind von jedem Sitz zu sehen, 
nur einige wenige Plätze auf der Orgelempore ausgenommen. Die Anordnung des 
Mittelganges, der der Kanzel gegenüber liegt, dürfte zu ändern sein, da es für den 
Redner unangenehm ist, dem leeren Gang gegenüber zu sprechen. Die Eingänge 
sind in genügender Zahl und Grösse vorhanden. En 
Das Aeussere zeigt gute Verhältnisse bei einfachen und würdigen Formen. 
Bei massiver Ausführung der Gewölbe dürfte eine Verstärkung der Widerlager er- 
forderlich sein. 
‚Domino‘. 
Die Lage des Gebäudes ist mit der Längsachse parallel den Seitenbegrenzungen 
Projektiert worden. ‚Der Verfasser hat dabei die Fronten nicht nur angemessen weit 
VON der Baulinie nach hinten abgerückt, sondern ist durch die Gruppierung und 
Ausbildung der vorderen Schauseite der Form des Grundstücks gerecht geworden. 
ı* 
 
	        

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