Berichte aus verschiedenen Städten.
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bereitung der Masse selbst ist Geheimniß der Erfinder, wir müssen
ins daher begnügen, zu konstatiren, daß diese Ebenholzimitation
gegen alle Temperatureinflüsse unempfindlich ist, sich weder wirft
noch verzieht und auch nicht brennbar ist — Vorzüge, welche diefe
Erfindung gegen andere gleicher oder eigentlich ähnlicher Art
»sraus hat.
Diese Masse läßt sich in Formen strecken und erzeugt die
zenannte Firma denn auch heute schon eine stattliche Anzahl der
vberschiedenartigsten Muster, die als Füllungen, Aufsätze, Tragsteine
und Dekorationsartikel jeder Art verwendet werden können und
von den Tischlermeistern, die schwarze Möbel machen, anch bald
gern verwendet werden. In der soeben eröffneten Möbelaussiellung
haben Grawatsch & Sohn nebst einer Kollektion derartiger kleinerer
Dekorationsobjekte auch das Viertheil eines aus dem genannten
Materiale hergestellten Plafonds ausgestellt, bei welchem ins—
»esondere die Reinheit und Schärfe der figuralen und ornamen—
alen Schnitzerei sich in vortheilhaftester Weise bemerkbar macht.
Die Aufmerksamkeit der Fachkreise sei hiermit auf diese neue Er—
indnung, die sich rasch einbürgern wird, gelenkt. W. R.
Blitzableiter mit Selbstprüfer. (D. R.P. Kl. 37
Nr. 36 172) — Fr. Dienenthal in Siegen, Westfalen. Das
Leitungsseil wird aus einem mit Draht umsponnenen hohlen Rohr
zebildet, welches mit den in der Auffangspitze befindlichen, mit
eicht schmelzbarem Metall verschlossenen Oeffnungen und mit dem
mit nicht gefrierbarer Flüfssigkeit gefüllten Standgefäß kommunizirt.
Sobald ein Blitzschlag den Blitzableiter getroffen hat, schmilzt der
Metallverschluß in den oben bezeichneten Oeffnungen, durch das
Eintreten der Luft erfolgt das Ausfließen der Flüssigkeit und wird
so das Zeichen gegeben, daß der Blitzableiter getroffen wurde.
Durchlochte Fensterscheiben. Die Gebrüder Appert
nn Paris, denen wir wohl nächst Friedrich Siemens in Dresden
die belangreichsten Verbesserungen in der Glasfabrikation ver—
danken, erhielten ein Patent auf ein sehr sinnreiches System der
Lüftung von Wohnräumen. Sie stellen nämlich Glasscheiben mit
sehr vielen und sehr feinen Löchern her, welche wie Poren wirken
und die Klappen, Glasjalousien, Ventilatoren ꝛc. trefflich ersetzen
sollen. Diese Scheiben dienen zugleich als licht- und luftdurch—
lassende Scheidewände. Sind die Oeffnungen sehr klein, so ist
keine Spur von Luftzug in dem betreffenden Raume zu verspüren,
und doch wird derselbe trefflich gelüftet. Auch kann man den
Luftzutritt dadurch ganz absperren, daß man zwei solche Scheiben
nuf einander anordnet und sie so weit verschiebt, daß die Oeff—
nungen der einen den Oeffnungen der anderen nicht mehr gegen—
iber liegen. Die durchlöcherten Scheiben lassen sich aber auch als
Siebe verwenden, wenn man mit Flüssigkeiten zu thun hat, die
mit Metall nicht in Berührung kommen sollen oder Metalle an⸗
greifen. Endlich kann man, wenn die Löcher ornamental geordnet
iind, solche Scheiben zu Dekorationszwecken, z. B. zu Kirchen—
fenstern, zu Emaillearbeiten u. dergl. verwenden. (Sprechsaal.)
veniger vorhanden, man verließ sich gern auf die leitende Behörde,
bei welcher irgendwie berechtigte Klagen Gehör fanden, jetzt aber,
vo die doch immer noch bestehende Bauorduung Auslegungen
erfährt, zu welcher nur besonders veranlagte Natuͤren sich aufzu⸗
chwingen vermögen, rechnet man mit Zuversicht und wünscht
dringend die Beseitigung jeder Unbestimmtheit, wodurch wieder so
Vieles in das „Ermessen“ gestellt wird.
Berlin. Aus vorliegenden Erfahrungen über das Rosten
on Trägerwellblech hat nah Mittheilungen hiesiger Blätter das
Berliner Polizeipräsidium Veranlassung genommen, anzuordneu,
daß, wenn unverzinkte Trägerwellbleche in Baukonstruktionen ver—
vendet werden, dieselben zu der „rechnungsmäßigen“ Stärke einen
Zuschlag von 1 mm erhalten sollen.
Buchholtz bei Harburg Der berühmte große Stein in
Wolterdingen bei Soltau, welcher kürzlich für Bauͤzwecke in kleine
Stücke gespalten ist und welcher bisher als der größte Steinkoloß
in der Lüneburger Haide bekannt war, ist wohl noch nicht der
letzte der angeschwemmten großen erratischen Blöcke, welche die
Lüneburger Haide zu verzeichnen hat, da erst jetzt wieder ein ähn—
icher Block, unmittelbar unter der Erdoberfläche liegend, ca. 300 m
yom Bahnhof Buchholz entfernt, freigelegt worden ist, welcher dem
Volterdingener Stein ebenbürtig an die Seite gestellt werden kann.
Dder Nachtwächter des Bahnhofs stieß beim Graben seines neu
ingelegten Gartens auf einen großen Stein, wollte denselben
ntfernen und fand nun zu seiner Freude einen mächtigen Block
von kubischer Form und einem Festinhalt von 23 cbm. Die
Masse ist rother Granit und scheint sehr fest zu sein; jedoch zeigen
ogenannte Nähte, daß der Stein leicht zu spalten ist. Dem
eisenden Publikum, welches in Buchholz Aufenthalt hat, wird der
Stein als Sehenswürdigkeit empfohlen, und mancher Fahrgast
ürzt durch den Weg zu dem interessanten Würfel seinen sonst
vohl langweiligen Aufenthalt. Der Stein, welcher einem größeren
Denkmal als Sockel u. s. w. zur Zierde gereichen würde, ist von
einem Förster angekauft, und will derselbe den Block spalten lassen,
resp. ganz wieder verkaufen.
MParis. Der babylonische Thurmbau.*) Die Ausführung
des zur Verherrlichung der Pariser Weltausstellung von 1889
hestimmten, 300 m hohen eisernen Thurmes ist nunmehr endgiltig
ingenommen, nachdem die vom französischen Handelssninister
ingesetzte, aus Bautechnikern, Hüttenleuten und Gelehrten bestehende
sommission die eingereichten Pläne — 8 an der Zahl — ein—
ehenden Prüfuangen unterworfen hat. Die Kommissionsmitglieder
prachen sich einstimmig für das von Ingenieur Eiffel entworfene
Projekt aus. Nach demselben soll der Unterbau mit einem Riesen—
vogen von 80 m Oeffnung und 50m Höhe als Eingang für das
ruf dem Marsfelde zu errichtende Ausstellungsgebäude dienen.
Der Thurm, welcher die Form einer schlanken Pyramide mit
geschweiften Ecken erhält, setzt sich aus vier Pfeilern zusammen,
velche die Ecken des Thurmes bilden und deren äußere Winkel
in der Grundfläche einen Raum von 100 meim Geviert einschließen,
im sich am höchsten Theile auf wenige Meter zuzuspitzen. Der
Thurm ist bis zur Spitze durchsichtig; sein Gesammtgewicht ist
iuf 6000 t, dasjenige des nöthigen Eisenmaterials anf 5000 t
5 Mill. kg) veranschlagt. Der Thurm setzt sich aus mehreren
Abtheilungen zusammen, deren jede mit Plattform und Galerie
jersehen ist. Die Besucher werden mittelst eines Aufzugs bis zur
Zpitze des Thurmes befördert, welche in 15 Minuten erreicht
verden soll. Die erste Plattform liegt 70 m über dem Erdboden
uind soll mit Restaurationsräumen ausgestattet werden. Man hofft,
zaß die Aussicht von der Spitze des Thurmes ein Panorama von
30 km Ausdehnung umfassen wird. Das von der Spitze und
inderen Theilen des Thurmes ausstrahlende elektrische Licht wird
en Ausstellungsplatz und die angrenzenden Stadttheile auf einen
Amkreis von über 1000 m beleuchten. Nach der Ausstellung wird
zer Thurm zu meteorologischen und astronomischen Beobachtungen,
esonders über die Erdrotation, dienen. — Man glaubt, die Mon—
irung des gigantischen Werkes im Zeitraum von 1 Jahr bewältigen
u können. Die Gesammtkosten sird auf 3 bis 4 Mill. Franken
»eranschlagt. — Wie die Zeitschrift „Stahl und Eisen“ weiter
nittheilt, ist vom technischen Standpunkt für die Erbauung des
Thurmes namentlich die Größe des Winddrucks interessant, welche
der Berechnung dessfelben zu Grunde gelegt worden ist. Eiffel ist
dabei von zwei Gesichtspunkten ausgegangen: Einmal hat er
ingenommen, daß der Thurm einen durchweg gleichmäßigen
jorizontalen Winddruck von 300 kg pro qm getroffener Ober—
laͤche auszuhalten habe, und das andere Mal, daß der Winddruck
ich regelmäßig ändere und von 200 kg von der Grundfläche bis
iuf 400 Kg bis zur Spitze zunehme. Es sind dies wohl Grenzen,
welche über die in unseren Gegenden beobachteten Maximal-Wind⸗
Berichte aus verschiedenen Städten.
Berlin. Zur neuen Bauordnung. Bekanntlich hat
zie Stadtverordneten-Versammlung in ihrer jüngsten Sitzung den
Antrag des Stadtverordneten Wohlgemuth und Genossen, welcher
dahin geht, daß der vom Ministerium an den Magistrat zurück—
gelangte Entwurf der neuen Baupolizeiordnung für Berlin erst
sur Kenntnißnahme und Aeußerung der Stadtverordneten-Ver—
ammlung zu unterbreiten sei, ehe der Magistrat seine Zustimmung
ertheilt, einstimmig angenommen. Dieser Einhelligkeit gegenüber
interliegt es keinem Zweifel, daß der Magistrat die betreffende
Vorlage der Stadtverordneten-Versammlung machen wird, wodurch,
vie die Baugewerk-Zeitung meint, der Erlaß der neuen Bau—
rdnung wieder um einige Monate hinausgeschoben werden dürfte.
Daran wäre ja, wie das genannte Fachblatt bemerkt, nun nicht
biel verloren, wenn die jetzige Bauordnung nur noch so weit be—
tände, daß sich irgend ein Mensch danach richten könnte. Aber
das ist nicht der Fall. Das Publikum weiß, daß die gedruckte
Banordnung in Wirklichkeit nicht mehr existirt, sondern nur die
an jedem Tage verschiedene Interpretation derselben. Tiefe Ver—
timmung ist darüber im bauenden Publikum vorhanden, und so
ehr man die s. Z. bekannt gewordenen umwälzenden Bestimmungen
des nenen Entwurfs fürchtete, sehnt man sich doch andererseits nach
zeordneten Verhältuissen und feststehenden Bestimmungen. Man
erwartet nämlich, daß die Paragraphen der neuen Bauordnung
in klaren, nicht zu deutelnden Worten abgefaßt sein werden, so daß
eder Mensch mit dem gesunden Verstande dieselben verstehen muß.
Man hofft auch, daß alle Kautschukparagraphen in derselben ver⸗
nieden und möglichst wenig dem Ermessen der leitenden Organe
anheim gegeben sein werde. Früher war der Wunsch nach solchen
nicht deuktungsfähigen Bestimmungen im Berliner Publikum viel
x) In Nr. 1und 2 dieses Jahrganges haben wir über dieses interessante
Bauwerk eingehends berichtet. Die Red.