Full text: Deutsche Konkurrenzen (1910/11, Bd. 25, H. 289/300)

  
  
  
  
  
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Das städtische Hallenschwimmbad in Darmstadt. 
Architekt: Stadtbaurat August Buxbaum-Darmstadt. 
Der im Jahre 1905 zur Erlangung von Entwürfen für ein Hallenschwimmbad ausgeschriebene Wettbe- 
werb*) der Stadt Darmstadt hatte trotz reger Beteiligung nicht den Erfolg, daß einer der preisgekrönten und 
angekauften Entwürfe zur unveränderten Ausführung bestimmt werden konnte. , S . 
Die Stadt entschloß sich daher, dem Stadtbauamt den Auftrag zur Anfertigung der Ausführungspläne 
zu erteilen. 
Die Bauarbeiten begannen im Frühjahr 1907, die Eröffnung der Anstalt fand im Juli 1909 statt. 
Die freie Lage des Gebäudes bot Gelegenheit zu ungez wungener, bequemer Raumgestaltung und aus- 
reichender Beleuchtung und Belüftung aller Räume. 
Die Hauptseite mit dem Haupteingang liegt an der Mühlstraße, weil hier ein großer freier Platz die 
beste Entfaltung der Baumassen gewährleistet und so die Zugänglichkeit von allen Seiten am bequemsten zu 
ermöglichen war. Außerdem war für diese Stellung der Umstand maßgebend, dass das Gelände von Osten 
nach Westen um mehr als 2 m fällt. 
An der Mühlstraße wurde — ebenso wie an den beiden Langseiten — ein Vorgarten angelegt, an dessen 
beiden Schmalseiten eine Wartehalle und eine Bedürfnisanstalt liegen. 
Die Badeanstalt enthält: 1 Schwimmhalle für Männer, eine solche für Frauen, 1 römisch-russisches Bad, 
53 Wannenbäder, 13 Brausezellen, 1 Abteilung für Heil- und Sonnenbäder, sowie ein Hundebad. 
Die Anstalt kann beträchtlich erweitert werden, sodaß auf der Frauenseite 105, auf der Männerseite 
145 Wannenbäder hinzukommen. Sn 
Die Baugruppen, die sich auch im Äußeren klar ausdrücken, bestehen aus dem Vordergebäude mit den 
Brause- und Wannenbädern auf der Ostseite, der Schwimmhalle für Männer auf der Nordseite, der Schwimm- 
halle für Frauen auf der Südseite, den Dampf- und Luftbädern in der Mitte zwischen den beiden letzteren, dem 
Kessel- und Maschinenhaus in der Südwestecke und dem Wohnhaus an der Nordwestecke., 
Das Hauptgebäude bedeckt eine Fläche von 3215 qm, das Kesselhaus eine solche von 404 qm und das 
Wohnhat!s eine solche von 120 qm. 
Über dem Haupteingang erhebt sich, diesen kräftig betonend, ein Turm, der die erforderlichen, dem 
ganzen Leitungsspstem vorgelagerten Kaltwasserbehälter enthält, 
Die äußere Architektur ist in einfacher Weise mit Naturputz unter sparsamer Verwendung von weißem 
Flonheimer Sandstein durchgeführt. Das Portal hat eine reichere Betonung durch bildnerischen Schmuck nach 
Modellen des Bildhauers Heinr. Jobst erfahren. Die Dachflächen sind beschiefert, die Turmkrone mit Kupfer bekleidet. 
Das Schwimmbecken „der Schwimmhalle für Männer hat eine breite von 11 m, eine Länge von 28 m 
und eine Wasserfläche von 300 qm. Es enthält 526 cbm Wasser, ist an der flachen Stelle 0,80, an der tiefsten 
Stelle 3 m tief. 
Die Wände sind ohne Verbindung mit den Pfeilern in Klinkern mit reinem Zementmörtel gemauert. Der 
Boden besteht aus einer 50 cm starken Betonschicht, die auf Materabsätzen und aufgefülltem und eingeschlemmtem 
Rheinsand ruht. Wände und Boden erhielten hierauf einen wasserdichten Zementputz, über dem nach vorge- 
nommener eingehender Probe auf Dichtigkeit, soweit das Wasser reicht, eine Bekleidung mit hellblauen, 
glasierten Mettlacher Platten angesetzt wurde. : 
Das 13,40 m weitgespannte korbbogenförmige Tonnengewölbe, das die ganze Halle überdeckt, ist 7 cm 
stark in Eisenbeton ausgeführt und an die eisernen Dachbinder beweglich angehängt. Das Gewölbe hat einen 
rauhen Kiesbewurf und einen Kalkfarbenanstrich erhalten. Den Kämpfer des Gewölbes bezeichnet ein 1,50 m 
mit Putzschablonen hergestellter, ornamentaler Fries. Die Pfeiler und Wände sind im Übrigen rauh geputzt 
und mit Kasain-Lasurfarbe behandelt, 
Die Zellen der Wannenbadeabteilung haben Badewannen aus Beton erhalten, die” mit weißen bezw. 
blauen Platten bekleidet Wurden. 
Alle Vorräume sind Wohnlich ausgestattet und haben eine ausreichende Beleuchtung und Belüftung erhalten, 
Die Baukosten betragen, einschließlich innerer Einrichtung, nach dem Voranschlag 900000 Mk. Davon 
entfallen auf das Hauptgebäude 831500 Mk., das Kesselhaus 40000 Mk., das Wohnhaus 28500 Mk. Das Mobiliar 
kostet 17500 Mk. 
Die technische Einrichtung mit Kesselanlage nach Plänen der Firma Friedrich Mieddelmann & Sohn zu 
Barmen erforderte den Betrag von 200000 Mk. 
  
  
BSR Am Bau beteiligte Firmen: NENNE NEN 
Die Maurerarbeiten und die Ausführung der Brunnen in dem Schwimm-Bassin aus rotem Sandstein, 
Schwimmbassins waren den Firmen Ganß & Mahr die belgischen Granitplatten zu den Brüstungen der 
in Darmstadt übertragen. Gallerie und den Fensterbrüstungen, die Marmorplatten 
Die Dampfkessel- Anlage lieferte die Göhrig in weißem Blano Clair zu den Liegebänken in den 
& Leuchssche Kesselfabrik, A.-G., Darmstadt. Schwitzbädern; ließ bearbeiten die Rohblöcke der 
Mit der Herstetlung des im Büro befindlichen Pfeiler Parterre vor dem Kassenraum, nach dem Ver- 
feuer - und diebessicheren Mauerschranks zur Unter- setzen, leistete Beihilfe bei den Basaltlava-Arbeiten 
bringung von Bau - Urkunden und -Büchern war die (Versetzen) und lieferte verschiedene weiße Sandsteine. 
Kassenschrankfabrik Jos. Deutsch in Darmstadt Mit Arbeiten ihres Faches war ferner die Firma 
betraut, e August Lang, Bau-, Möbel- und Parkettschreinerei 
Die Firma Peter Karn, Stein- und Bildhauerei in in Darmstadt, an der Errichtung des Hallenschwimm- 
Darmstadt, lieferte die Werksteine für die beiden Bades hervorragend beteiligt. 
*) Vergl. Deutsche Konkurrenzen Heft 225 
  
 
	        

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