= 99
Halse geschafft und die Kloake vermauert hatte, stank es nicht mehr, aber
mein Braunbier hat seitdem seinen spezifischen „schönen“ Geschma> verloren
und ist nicht besser und nicht schlechter als das anderer hiesiger
Brauereien, die gutes Material verbrauchen.
Erinnerung und Geruchssinn. Besonders bei der Jugend kann
man häufig die Wahrnehmung machen, daß Erinnerungen ganz bestimmt
und unzertrennlich mit Gerüchen verbunden sind. J< kannte einen kleinen
Knaben, der stets begierig die Luft einsog und zwar wie einen Wohlgeruch,
wenn dieselbe mit dem Kohlenrauch der Lokomotiven erfüllt war. Befragt
darüber, gab er zur Antwort: o das ist gut, das „riecht“ nach Reise. Dieser
Begriff war also für ihn, der sehr gern reiste, eng verbunden mit vem Rauchgeruch,
wie er sich dessen von früheren Reisen erinnerte. =-So
lange ich denken kann, ist mir der Geruch des Weihrauches äußerst
unangenehm und peinlich; warum? wußte ich mir selbst nie zu erklären.
Da trat kürzlich, durch eine ähnliche Veranlassung, plötzlich die Erinnerung
vor meine Seele, daß ich, noch ein sehr kleines Kind, einst an das Sterbelager
einer Verwandten geführt wurde; im Zimmer der Toten herrschte ein
starker Weihrauchgeruch und ich entsinne mich noch deutlich, daß mich ein
großer Schauer beim Anbli> des Todes erfaßte. Unbewußt hat sich die
Erinnerung an dieses Bild mit dem Geruch des Weihrauchs verknüpft, der
mir bis auf die Stunde unangenehm, peinigend und Hei enp biich:
„3.“ DIM.
Kaltwasserbehandlung. So wunderbare Erfolge man unter Umständen
mit kaltem asser erzielen kann, so bedenklich, ja gefährlich kann
dasselbe in andern Fällen sein. So schreibt in der auch im Monatsblatt
1890 S. 259 genannten Zeitung aus Gotha (1844 Nr. 168) ein Einsender
gelegentlich einer Beantwortung der Frage, was 'gegen Nachtschweiße gethan
werden könne, folgendes :
„Da3 beste Hausmittel gegen Nachtschweiße ist Salbeithee. Vor
dem Waschen. mit kaltem Wasser (von anderer Seite geraten) muß man
aber warnen. Einem Manne, welcher an diesem Uebel litt, wurde von
einem eifrigen Berehrer der Kaltwasserkuren der Rat erteilt, sich mit kaltem
Wasser zu waschen. Er that es und bekam : am dritten Tage starkes
Ohrenbrausen, das aufhörte, wie er mit dem Wasser ausgesetßt hatte. Jener
Wasserfreund bestand aber darauf, daß mit dem Wasser beharrlich fortgefahren
werden sollte; es geschah und der Leidende verloy das Gehör und
hat es noch nicht wieder erhalten. |
S. K*
Es ist dies eine alte Geschichte, de darf man immer wieder darauf
hinweisen, 57 immer wieder mit der Anwendung kalten Wassers grobe
Fehler gemacht werden.
4 Gemütsbewegungen als Krankheitsursache. Bei anscheinend körper:
lich sehr gesunden Menschen, welche gegen Witterungzeinflüsse und alle
möglichen Strapazen ganz abgehärtet und unempfindlich waren, habe ich oft
die Wahrnehmung gemacht, daß ein Verdruß, jäher Aerger oder nur ein
seliader Schrecken derart auf sie einwirkte, daß sie heftig und manchmal
jogar längere Zeit krank wurden. J< war Augenzeuge, daß eine Dame,
sonst kräftig und gesund, ganz plößlich in vollkommenes Stummsein versetzt
Wurde, und es dauerte drei Tage, bis sie die Sprache wieder fand; der
Grund davon war ein unbedacht gesprochenes. Wort eines ihrer Kinder,