Volltext: Deutsche Konkurrenzen (1896, Bd. 6, H. 61/64, 67/72)

  
  
Cirkulation als mangelhaft bezeichnet werden. Die Beleuchtung ist nicht überall genügend 
und das Geschäftshaus wenig geeignet für den Bedarf. 
„hie gut teutsch“. Der Grundriss entbehrt nicht einer gewissen Grossartigkeit, zeigt 
aber trotzdem viele Mängel, von denen besonders hervorzuheben ist der konstruktiv sehr 
bedenkliche Aufbau des Turmes. Das Geschäftshaus ist wenig geeignet für den Gebrauch, 
„1895 im Kreis“. Auch bei diesem Projekte zeigen sich viele Mängel in der Grunä&riss- 
Haupt-Disposition, Das Vestibül ist dunkel und die künstlerische Ausgestaltung unzureichend. 
„„Gefällt’s, erstellt’s“. Auch dieser Grundriss hat viele Schwächen, von denen die 
Dunkelheit der Korridore und die wenig stattliche Hauptdisposition der Festräume besonders 
hervorzuheben sind. Die Aussenerscheinung zeigt den Rathauscharakter in befriedigender Weise, 
„Erst wäge, dann wage!“ Bei übrigens klarem Grundrisse muss die Disposition 
der Säle als nicht gelungen bezeichnet werden. Die äussere Gestaltung befriedigt in 
künstlerischer Beziehung. Y 
„Aus Vaterlandsliebe“. Der Grundriss muss als ein mangelhafter bezeichnet werden. 
Die Durchbildung des Aeusseren entbehrt nicht einer gewissen Stattlichkeit. 
„Bürgersinn“. Das Projekt enthält grosse Fehler in der Grundrissbildung bei 
malerischer Anordnung der Aussenarchitektur, 
„„Beatus ille“. Bei ziemlich klarem Grundrisse fehlt der äusseren Architektur die 
genügende künstlerische Weise. 
„Roter Kreis“. Bei etwas unklarem Grundriss und unbefriedigender Hauptdisposition 
zeigt das Projekt eine hübsche Gruppierung der Aussenformen, 
„In letzter Stunde“. Der Grundriss ist ziemlich klar disponiert, die Kommunikation 
jedoch nicht überall gewährt, auch sind die Arbeitsräume zum Teil zu tief, Das Geschäfts- 
haus ist praktisch unbrauchbar. 
„Auf deutscher Erde ein deutsches Haus“. 
modernen Anschauungen bezüglich der Gestaltung eines Rathauses. 
aber im höchsten Grade fein gefühlt und poetisch. 
„„Providentiae memor“. Der Grundriss ist in der Hauptdisposition zerrissen und ent- 
behrt daher der Uebersichtlichkeit. Die Durchbildung der Aussenarchitektur kann als malerisch 
bezeichnet werden, 
Von den verbliebenen 11 Projekten wurden nach abermaliger, zum Schlusse ver- 
gleichender Prüfung weitere 5 Projekte ausgeschieden und zwar auf Grund der nachstehend 
angegebenen Beurteilung: 
„Schlüssel im Kreis“. Das Projekt zeigt bei frisch und keck hingeworfenem Grundrisse 
viel Schönes, leider hält aber seine äussere künstleriche Durchbildung mit dieser Qualität 
nicht gleichen Schritt. Als ein besonderer Fehler muss es bezeichnet werden, dass eine grosse 
Anzahl von Räumen wegen allzugrosser Tiefe dem praktischen Bedürfnisse nicht entspricht. 
„Central Thurm“. Die Grundrissdisposition muss als eine mangelhafte und unschöne 
bezeichnet werden. Das Projekt ist aber in seiner Aussenerscheinung in künstlerischer Be- 
ziehung als reif und befriedigend anzuerkennen, 
„„Majorum artem prosequor‘“. Dieses Projekt zeigt eine originelle und gute Situation. 
Durch Anordnung von vier nicht genügend breiten Höfen wird die Belichtung der daran 
belegenen unteren Arbeitsräume eine ungenügende. Auch muss die Disposition der Sitzungs- 
säle als nicht empfehlenswert bezeichnet werden, Das eingeschobene Zwischengeschoss ver- 
stösst gegen den Wortlaut des Programms. Auch ist den Programm - Bedingungen insofern 
nicht ganz entsprochen, als 400 qm verlangte Fläche fehlen. 
Die Gesamt-Anlage entspricht nicht den 
Die Architektur ist 
„Frisch“. Der Grundriss zeigt viele Mängel, Darunter ist hervorzuheben: die geringe 
Breite des Haupteinganges, sowie die Unzugänglichkeit der Nebensäle zum Festsaal. "Trotz- 
dem die Aussenerscheinung künstlerisch nicht eines gewissen Reizes entbehrt, muss das 
Verhältnis der beiden Gebäude zu einander als fehlerhaft bezeichnet werden, 
„Forum urbis“. Der Grundriss erinnert bei sehr schöner Hauptdisposition zu sehr 
an ein bekanntes Vorbild, dem das Aeussere direkt nachgebildet ist. Das Geschäftshaus ist 
  
mangelhaft disponiert. Der Entwurf verstösst insofern gegen das Programm, als etwa 
1000 qm Arbeitsräume im Dachgeschoss untergebracht sind. 
Die verbleibenden 6 Projekte erschienen demnach als die besten der eingelieferten 
Dieselben wurden beurteilt wie folgt: 
Das Projekt zeigt bei sehr schönem klaren Grundrisse, bei welchem nur die 
Anordnung der Sitzungssäle an den Fronten des Gebäudes und deren Belichtung als un- 
zweckmäfsig bezeichnet werden muss, eine sehr glückliche Disposition der einzelnen Aemter 
und der erforderlichen Kommunikation, Die Aussenerscheinung steht in ihrer künstlerischen 
Durchbildung leider nicht auf gleicher Höhe, 
„Kleeblatt mit Stiel“. Der Grundriss kann trotz einiger Mängel als gut bezeichnet werden, 
Als ein Fehler ist die Form und Lage der Sitzungssäle hervorzuheben. Die künstlerische Durch- 
führung des Aeusseren steht auf besonders hoher Stufe, nur erscheint der Turm übergewaltig, 
„Herz- Flamme‘. Die Anerkennung dieses Projektes findet ihren Grund in der 
künstlerischen Qualität der Aussendurchbildung, während der Grundriss wegen Form und 
Lage der Säle zu mancherlei Bedenken Anlass giebt. 
„Das Rathaus ohne Oberlicht‘‘. Zeigt schon die Aussenerscheinung des Projekts auf 
den ersten Blick die hohe Künstlerschaft des Verfassers, so wird das Urteil durch eingehen- 
des Studium der sehr eigenartigen und originellen, zur Ausführung jedoch nicht zu em- 
pfehlenden Grundrissdisposition noch bestärkt. 
„Piano‘‘. Das Projekt zeigt in klarer und natürlicher, man möchte sagen typen- 
förmiger Weise die zweckmäfsigste Gestalt und Disposition der Räume und muss in dieser 
Beziehung als meisterhaft bezeichnet werden. Leider bleibt die Aussengestaltung weit hinter 
der Grundrisslösung zurück, Die Stattlichkeit des Haupteinganges wird infolge der Durch- 
führung durch den Turm beeinträchtigt. Dasselbe gilt übrigens von den meisten Projekten, 
welche eine gleiche Lösung des Einganges aufweisen. | 
„Vereint‘“. Von ähnlicher Lage der Hauptsäle, wie Projekt „Pfano*‘, geht auch dieses 
Projekt aus und zeigt dabei eine sehr klare Grundrissdisposition. Die Kassenlokalitäten und 
Korridore entbehren indess teilweise einer guten Beleuchtung. Das Aeussere steht in künst- 
lerischer Beziehung auf sehr hoher Stufe, doch führt die Grösse des Gebäudes zu ästhetischen 
Bedenken und beeinflusst die Situierung derselben in höchst unvorteilhafter Weise. 
Nach wiederholten längeren Verhandlungen und nochmaliger Durchberatung der letzt- 
genannten Projekte wurde von den ausserhalb der städtischen Kollegien stehenden Fach- 
leuten folgende Reihenfolge für die Prämiierung vorgeschlagen: ‚Piano‘, „Das Rathaus 
ohne Oberlicht‘, ‚Vereint‘“, „Labor‘‘, „Herz-Flamme‘‘, „„Kleeblatt mit Stiel“, 
Dieser Vorschlag wurde durch die definitive Abstimmung in folgender Weise modifiziert, 
Es wurde zuerkannt: 
Der erste Preis mit 8 gegen 3 Stimmen dem Projekte ‚, Piano“. 
Der zweite Preis mit 6 gegen 5 Stimmen dem Projekte „Labor“. 
Die beiden dritten Preise mit Stimmeneinheit den Projekten „Das Rathaus 
ohne Oberlicht“ und ‚,Vereint‘“. Ebenso 
Die beiden vierten Preise den Projekten „„Herz-Flamme‘‘ und ‚,Kleeblatt mit Stiel“, 
Die Eröffnung der Briefumschläge ergab für die prämiierten Projekte folgende Verfasser: 
Für den Entwurf 
Entwürfe. 
‚Labor‘. 
1. mit dem Kennworte ‚„„Piano‘‘ Herrn Professor H. Stier in Hannover; 
2. mit dem Kennworte ‚,Labor‘‘ Herrn Architekten Kösser in Leipzig; 
3. mit dem Kennworte „Das Rathaus: ohne Oberlicht‘‘ Herrn Architekten 
Seeling in Berlin; 
4. mit dem Kennworte ‚, Vereint‘‘ Herrn Architekten Otto Schmidt in Chemnitz; 
5. mit dem Kennworte ‚,Herz-Flamme‘‘ Herrn Architekten Ludw, Klingenberg 
in Bremen-Oldenburg; 
6. mit dem Kennzeichen ‚, XZeeblatt mit Stiel‘‘ Herrn Geh, Baurat Zggert in Berlin. 
Vorgelesen Hannover, den 31. Mai 1896 in der Sitzung des Preisgerichts, zu welcher 
dieselben Herren erschienen waren, wie am 30. Mai 1896. 
 
	        

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