Full text: Neue allgemeine Bauordnung für das Königreich Württemberg [Hauptband] (Bd. 1)

  
  
  
76 Art. 4. [5.] Feststellung von Ortsbauplanen, Baulinien tc. 
ständen ein Bedürfniß angezeigt erscheint. Daneben weist er bei der ven. 
zugsweise lokalen Bedeutung der Ortsbauplane die erforderlichen Vorkehrun- 
gen auch für die Zukunft zunächſt den Gemeindebehörden (Gemeinderäthen 
in Verbindung mit den Bürgerausſchüſſen) zu, macht aber denſelben mit 
Rückſicht auf die technische Seite der Sache hier ebenso, wie in Art. 4, die 
Zuziehung eines höheren Bautechnikers zur Pflicht. Sodann wird mit Rück- 
ſicht auf die erhebliche Bedeutung, welche die Ortsbauplane für die Rechte 
und JIntereſſen der Staatsbürger überhaupt haben, und bei dem weiteren 
Umſtand, daß hier manchmal die Intereſſen der Gemeindecorporationen und 
der Einzelnen in Colliſion kommen, auch der Regierung vorbehalten, nicht 
nur auf Grund des Gesetzes allgemeine Vollzugsvorſchriften zu erlaſſen und 
die Gemeindebehörden im Verſäumnißfalle zu der rechtzeitigen Erfüllung der 
ihnen obliegenden Verpflichtungen anzuhalten, sondern auch kraft des ihr 
eingeräumten Genehmigungsrechts die Bauplan-Entwürfe einer durchgreifen- 
den Prüfung zu unterwerfen und nöthigenfalls deren Berichtigung überall - 
da einzuleiten, wo es ſich ſowohl um Einhaltung allgemeiner Vorschriften 
oder Verhinderung von wirklichen Schädlichkeiten, als um ſachgemäße Lösung 
der Aufgabe eines Bauplans überhaupt handelt. 1 
Im Uebrigen unterscheidet der Entwurf bei der Bezeichnung der Vore 
nusſezungen, welche in der Regel für die Errichtung von Ortsbauplann 
maßgebend ſein ſollen, zunächst zwiſchen allgemein en Bauplanen, beziehungs- 
weiſe Baulinien und Viſiren, und Baulinien und Visiren für einzelne Ge. 
bäude, und sodann bei den allgemeinen Planen wieder zwiſchen Ortser.. 
weiterungs- und Correktions-Planen. 
Hiebei kommt in Betracht, daß auch da, wo vermöge der besonderen 
Gestaltung der Verhältnisse in einem Ort die Aufstellung eines allgemeinen 
ÎOrtsbauplans kein Bedürfniß sein mag, doch die in dieser Beziehung maß- 
gebenden Rückſichten in den im letten Absatz des Artikels bezeichneten Fällen 
wenigstens für einzelne Gebäude stets die Beſtimmung einer Baulinie nöthig 
machen. 
Was aber die allgemeinen Bauplane betrifft, so erfordern offenbar 
die Correktionsplane. eine besondere Behandlung. Die Schwierigkeiten, 
welche hier in den Weg treten, leuchten bei einem auch nur flüchtigen Blick 
auf die regelloſe Stellung der Gebäude und die engen Straßen in allen 
Orten ein. Mit einem flüchtigen Wegziehen der Baulinien über die Häuſer 
iſt hier nichts gerichtet, vielmehr fordert die Entwerfung eines ſolchen Plans 
die gründlichsſte Prüfung der hier in Betracht kommenden Verhältniſsſe. Die 
Annahme wird begründet sein, daß in der Regel nur in Folge eines grö- 
ßeren Brandes regelmäßige Straßenanlagen in alten Ortstheilen erzielt were. 
den können; im Uebrigen wird, wenn man nicht Gefahr laufen will, sogar 
die vorhandenen Unregelmäßigkeiten in alten Straßen durch das Zurückſehen 
einzelner Gebäude zum Schaden der betreffenden Besitzer noch zu vermehren, 
die Durchführung einer Verbesſerung meiſt nur da möglich sein, wo nur 
Ein oder wenige Gebäude die Unregelmäßigkeit bilden, oder die Unregel- 
mäßigkeiten von der Art ſind, daß sie ohne beſondere Schwierigkeiten uw 
Opfer von Seite der Gebäudebesiter ſich entfernen laſſen. Aus diesen Grün- 
den legt der Entwurf bei den Ortscorrektionsplanen, abweichend von der 1 
Bestimmung der General-Verordnung vom 13. April 1808, A. II., neben 
 
	        

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