Full text: Festschrift zur Feier der Einweihung des Flügelanbaues sowie des fünfzigjährigen Jubiläums der K. Technischen Hochschule zu Stuttgart am XX. bis XXv. October MDCCCLXXIX (1879)

  
  
— 8 — 
genannte Schulrath, bestehend aus dem Rector der Realschule, Weckherlin; dem Lehrer der Kunstschule, 
Thouret; den Lehrern Heigelin, Degen und Haug, (dieser an der Realanstalt, aber zugleich für 
Mechanik und Maschinenlehre an der neuen Anstalt verwendet); den Hofräthen Seyffer und André von 
der Centralstelle des landwirthschaftlichen Vereins; endlich dem geheimen Hofrath Rapp und Kaufmann 
Jobst von der Centralstelle des Handels- und Gewerbevereins. Aufgabe dieses Schulraths war, den 
Königl. Studienrath in den technischen Beziehungen der Schule zu berathen. 
Nachdem noch der Stundenplan festgestellt war (Schwäbischer Merkur vom 18. Oktober 1829), 
nach welchem ein Theil des neuen Unterrichts (nämlich Plan- und Maschinenzeichnen der Professoren 
Heigelin, Haug und Degen) in die siebente Classe der Realschule verlegt wurde, konnte der Unterricht 
am 26. October begonnen werden. 
Von den 34 Schülern, die den neuen Unterricht besuchten, leben heute noch in Stuttgart: 
Bibliothekar a. D. W. Góritz, Professor Keller an der Oberrealschule, Regierungsrath Kieser, Ober- 
baurath v. Leins, Assessor beim Ministerium des Innern a. D. Linek, Maler Pilgram, Fabrikant A. 
Stotz; auswärts: Kaufmann Dachtler in Coblenz, Oekonom Hirlin in Slawenzitz, Dr. Mebold, Ober- 
amtsarzt in Heidenheim, Maler €. Müller in Frankfurt, Gutspichter Seeger auf Seehaus bei Leonberg, 
und v. Starkloff in Gmünd. Es musste sich bald zeigen, dass ein Jahr für hóhere technische Ausbildung 
nicht genügen konnte, wenn auch ein Theil des Unterrichts auf die siebente Classe der Realanstalt 
zuriickgeschoben wurde. Ueber die Hilfte der Schüler, die im Herbst 1829 eingetreten waren, blieben 
noch ein Jahr in der Anstalt, der dritte Theil noch länger. Schon im Jahr 1832 trat darum eine neue 
Organisation ein. Die siebente Classe der Realschule wurde von dieser abgetrennt, die achte Classe zu 
zwei Jahrescursen erweitert und die neue aus drei Jahrescursen bestehende Anstalt als „Gewerbeschule“ 
selbstständig gestellt. Durch Anstellung weiterer Lehrer wurde die Zahl der Hauptlehrer auf 6 gebracht: 
für reine Mathematik (Kieser), für Mechanik und Maschinenbau (Haug), für Physik und Chemie 
(Degen), fiir beschreibende Geometrie und Baukunde (Heigelin), für Architeetur (Thouret), und für 
Plastik und Ornamentik (Weitbrecht). Der erste Curs wurde von allen Schülern in allen Fächern 
besucht, im zweiten und dritten Curs konnten die Schüler je nach ihrem künftigen Beruf die Fächer 
wählen. In einer Aufnahmeprüfung für den ersten Curs wurde Kenntniss der deutschen Sprache, der 
niederen Arithmetik und ebenen Geometrie verlangt. Der Eintritt erfolgte im Alter von 14 bis 15 Jahren. 
Der zum Vorstand der Anstalt ernannte Professor Heigelin starb schon im folgenden Jahr, sein 
Nachfolger wurde Oberbaurath Fischer, der bis zum Jahr 1852 in dieser Stellung blieb. Die Zahl der 
Schüler war über \200 gestiegen, wovon beinahe ein Drittel Architecten war. Schon nach kurzer Zeit 
begannen wieder Verhandlungen über Erweiterung der Anstalt: es handelte sich hauptsächlich um Ver- 
mehrung des Unterriehts für angehende Architecten, Ingenieure und Werkmeister, und dann um einen 
umfassenderen Unterricht für künftige Kaufleute. Der gesammte Unterriehtsplan wurde im Schuljahr 
1835/36 revidirt und die Nothwendigkeit erkannt, eine bedeutende Erweiterung der Anstalt mittelst 
Anhängung eines hóheren vierten Curses und Einführung neuer Unterrichtszweige eintreten zu lassen, 
auch dem entsprechend einige neue Lehrer anzustellen. 
Die zu dieser Ausdehnung erforderlichen Mittel wurden schon in dem Finanzgesetze von 1856 
bei der Ständeversammlung zur Verabschiedung gebracht und nur der Mangel an Raum in dem Sehul- 
gebàude trug die Schuld weiterer Verzógerung der Ausführung. Es wurde zunächst der Kunstverein aus 
dem Gebäude entfernt, der der Kunstschule zugewiesene Raum beschränkt und.dadurch möglich gemacht, 
dass der erweiterte Unterricht schon im Winterhalbjahr 1838/39 aufgenommen werden konnte. Im Laufe 
des Jahres 1839 wurde dann ein Stockwerk auf das Hintergebäude aufgesetzt, welches einen Hörsaal 
erhielt und ausserdem die physikalische Sammlung, die Modellsammlung, die Mineralien-, Produkten- und 
  
  
  
 
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.