Volltext: Festschrift zur Feier der Einweihung des Flügelanbaues sowie des fünfzigjährigen Jubiläums der K. Technischen Hochschule zu Stuttgart am XX. bis XXv. October MDCCCLXXIX (1879)

nun 22) in eine Fachschule einzureihen und Fachschulcollegien zu bilden, welche sich durch Hilfslehrer 
noch verstärken konnten und die Vorberathung aller die Fachschule zunächst betreffenden Gegenstände 
übernahm, wodurch die Berathungen des Ausschusses. und des Lehrerconvents gründlicher und zugleich 
einfacher wurden. Dann aber war namentlich das mathematische Studium in gleiche Linie mii dem 
technischen gestellt, die mathematische Abtheilung konnte nun ganz als Vorschule gelten, hóhere mathe- 
matische Fácher, insbesondere specielle Zweige, konnten in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fach- 
schule untergebracht werden ohne Ueberbürdung der mathematischen Abtheilung oder Beeinträchtigung 
des technischen Studiums. Da ferner von jetzt an jede Fachschule ihren Vorstand selbst wählte (früher 
geschah dies durch den Lehrerconvent) und die Vorstände der Fachschulen als solche Mitglieder des vor- 
berathenden Lehrerausschusses waren, so hatte es jede Fachschule in der Hand, für ihre eigenen In- 
teressen einzustehen. 
In der gleichen Verfügung des Ministeriums wurde festgesetzt, dass als ordentlicher Studirender 
einer Fachschule nur aufgenommen werde, wer das technische Maturitätsexamen bestanden habe; auch 
wurde bald darauf das Bestehen dieses Examens Bedingung der Zulassung zur Staatsdienstprüfung, wo- 
gegen in dieser die dort vorgekommenen Fächer nicht mehr Gegenstand der Prüfung waren. Endlich 
wurden Diplomprüfungen in den verschiedenen Fachschulen eingeführt, um den Studirenden Gelegenheit 
zu geben, sich nach Vollendung ihrer Studien über die von ihnen erworbenen Kenntnisse auszuweisen. 
Bis jetzt werden diese Prüfungen hauptsächlich von Nicht-Württembergern gemacht, welche zu den 
Staatsprüfungen nicht zugelassen sind, und in der Maschinenbauschule, weil in. diesem Fach bis jetzt 
eine Staatsprüfung nicht besteht. Ein Gedanke, der von Anfang an bei Einrichtung dieser Prüfungen 
ausgesprochen wurde, bis jetzt aber sich nicht verwirklicht hat, ist, durch dieselben die Staatsprüfungen 
selbst zu ersetzen. 
Der letzte Schritt, der nöthig war, um das Polytechnikum zur technischen Hochschule zu erheben, 
die Abtrennung der mathematischen Abtheilung, wurde in den nächsten Jahren durch die Ausdehnung 
der vormaligen realistischen Abtheilung des Gymnasiums auf 10 Classen (Herbst 1871) und die der 
Stuttgarter Realschule auf 9 (Herbst 1873) beträchtlich erleichtert. Das Realgymnasium lieferte den 
Beweis, dass es in seinen zehn Classen die volle Vorbereitung für die technische Abtheilung mit Ausnahme 
der Mechanik geben könne, und da die Heraufnahme der Mechanik in die technische Abtheilung ganz 
im Sinne des Lehrerconvents war, so stand dem Uebergang der Realgymnasisten nach bestandener Abgangs- 
prüfung in die technische Abtheilung nichts mehr im Wege, wie durch Ministerialverfügung vom 19. 
Juni 1873 festgestellt wurde. Wenn aber das Realgymnasium jenen Beweis abgelegt hatte, so war es 
natürlich anzunehmen, dass auch die Oberrealschulen des Landes, wenn ihnen noch zwei Classen zuügesetzt 
werden, die Vorbereitung für das Polytechnikum ganz werden übernehmen können. 
Am 22. Juni 1874 wurde unter dem Vorsitz seiner Excellenz des Herrn Ministers für Kirchen- 
und Schulwesen die Art und Weise der Abtrennung der mathematischen Abtheilung berathen und dabei 
insbesondere festgesetzt, dass im Herbst 1875 die Classe X der Oberrealschule eröffnet werden, die Classe 
I der mathematischen Abtheilung wegfallen solle; im Herbst 1876 solle dann aueh Classe II der letztern 
in Wegfall kommen. Am 4. Juni 1875 wurde endlich eine Conferenz von Delegirten der bei der ersten 
Staatsprüfung im Baufach betheiligten Ministerien mit solehen des Polytechnikums abgehalten und darin 
die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Abtrennung der mathematischen Abtheilung vom Poly- 
technikum stehende Abünderung jener Prüfung festgestellt. Es wurde an die Stelle des technischen 
Maturitütsexamens die Abgangsprüfung vom Realgymnasium oder einer zehnclassigen Realanstalt als 
Bedingung der Zulassung zu der Prüfung gesetzt. Die Architekten erklàrten sich mit dem Maasse 
mathematischer und naturwissenschaftlicher Kenntnisse zufrieden, welehes in jenen Abgangsprüfungen 
 
	        

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