Bon deutjcher Runjt.
Qinfere deutide Kunft ift lange hinter der Srfülung ihrer
hHöchften Aufgabe zurückgeblieben, weil fie den nationalen
Boden verlaffen Hat und griechifchen, italienijhen und franzdfiiden
Borbildern nachgegangen ift. Sie ift immer nur da
ganz echt und groß, wo fich deuticher Geift in deutjcher Form
ausfpricht, Wohl muß die Kunft, will fie fich anders zu ihrer
pollen Höhe erheben, das Nationale feiner Snge und BefHränttheit
entfleiden und zum Algemein-Menjchlicdhen ausweiten.
Aber das Heißt nicht, daß fie e8 aufheben oder zum
untpejfentfid)en QRtoment BerunterjeSen milfje, jonbern im Gegernteil,
daß fie es au feiner vollen Größe, zu feinem legten Wert
emporfteigern muß.
Ber meint, ba8 QWenjd)beitlidoe fônne nur auf Koften
des Nationalen entwickelt werden, der denft jo verkehrt, wie
derjenige, der dem Jndividbuum den Mat erteilt, es folle fid)
damit zu einem wertvollen Glied des Gangen machen, daß
e$ auf feine Individualität verzichtet; das hiehe von ibm Den
Berzicht auf das Befte verlangen, was ihm gehört. Die für
die Allgemeinheit wertvolliien Keiftungen eines UMenjden
find immer die individuellften, Diejenigen, die ibm fein anderer
nachahmen fann, weil nur in feinem Individuum Die Anlage
zu folhen Leiftungen gelegen ift; Goethe hat die Menjdpeit
am meiften gefördert mit dem, was er allein geben fonnte.
Kräftige Ausbildung der Individualität ift deshalb die Srundlage
Der Höchften Sittlichkeit, die Borausfeßung der größten
Qeiftungstäbigteit im Dienfte der QRenjdbeit. Der UMenjd
fann alles Belte, mas er qu tun vermag, nur aus Der Bereinigung
aller in feinem Individuum angelegten Kräfte herborbringen.
Æäre es da nicht unfittlich, wenn er jeine InDipibualitát
unterbrüden topllte? Gbenjo ift es mit den Nationen,