Title:
Ein Jahrhundert Württembergischer Verfassung
Creator:
Adam, Albert Eugen
Shelfmark:
1J 55
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1568624571367/124/
   
  
~ 16 - 
der König die vom Geheimen Rat ausgesprochene Ansicht zu der 
ihrigen machten. Zudem konnten sie sich darauf stützen, daß die Ge- 
setzmäßigkeit ihres Vorgehens nachträglich vom KRriminalsenat des 
Gerichtshofes für den Neckarkreis bejaht wurde; auch das Obertribunai 
sprach sich im gleichen Sinn aus. Die Mitglieder des von der Dritten 
Landesverſammlung gewählten, von der Regierung nicht anerkannten 
Ausſchuſſes wurden nämlich „wegen Verabredung des Ungehorſams“" 
in Untersuchung gezogen und dabei vom Gericht das Vorgehen der 
Staatsgewalt für gesetzlich erklärt, die Beschuldigten übrigens außer 
Verfolgung gesetzt, weil es an dem zu einer strafbaren Verabredung 
erforderlichen Vorsatz gefehlt habe. Jedenfalls war das Vorgehen 
der württentbergiſchen Regierung noch lange nicht das ſchlimms}te, wenn 
man damit die damaligen Verfaſſungsbrüche in RKurhesſen, Sachsen, 
Hannover u. a. deutschen Staaten vergleicht; nicht zu reden von dem, 
was spätere Zeiten geſehen haben. 
7. Reaktion. 
1851-1864. 
Im Mirz 1851 wurden Wahlen zur 2. Kammer nach dem 
alten Wahlverfahren von 1819 ausgeſchrieben, alſo die öffentliche, in- 
direkte und Ulassenwahl mit allen ihren Beſchränkungen wiederherge- 
ſtellt, selbſt die Bezahler von Steuer allein aus Berufs- und Kapital- 
einkommen als Wähler wieder ausgeſchloſſen. Aber nicht nur das; 
auch in der alten Zuſammenſetzung von 1819 wurde der Landtag auf 
6. Mai 1851 berufen, alſo in zwei Kammern und in beiden Kammern 
mit allen Bevorrechteten der Geburt und des Standes. Doch Univer- 
ſitätskanzler Wächter trat in den Landtag nicht ein; er wollte nicht 
als Privilegierter in der Kammer sitzen und legte lieber das Kanzler- 
amt nieder. Von den übrigen Mitgliedern der 2. Kammer traten 41, 
darunter 4 Prälaten, nur ein unter Verwahrung gegen die Wieder- 
herstellung aufgehobener Standesvorrechte; die 18 demokratischen Ab- 
geordneten, darunter Moriz Mohl, Rudolf Probst und Adolf Schoder, 
erklärten ausdrücklich das Gesetz vom |. Juli 1849 als noch rechts- 
gültig und traten nur ein, weil tatsächlich dies der einzige Weg ſei, 
die Rechte des Volkes zu vertreten. 
Die demokratiſche Partei stieg durch Nachwahlen von 18 auf 
20 Mitglieder. Von den erstgenannten 41 Verwahrern gehörten nur 
35 der Römer- oder Mittelpartei an, auch Altliberale, früher Konſsti- 
tutionelle genannt. Als miniſsterielle Partei konnten nur die 15 übrigen 
Bezirksabgeordneten und die meisten der 23 ſog. Privilegierten, Ritter- 
ſchaft, Geistlichkeit und Universitätskanzler, bezeichnet werden. Linden 
hatte alſo keine feſte Mehrheit. Da aber die Mittelpartei nicht grund- 
  
  
        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.