Full text: Ein Jahrhundert Württembergischer Verfassung

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freund aus Schwaben“ !), der die Partei der „Bürgerfreunde“ gegen 
die Regierung und gegen die Liberalen, das von ihr ſogenannte Herren- 
tum vertrat.?) Gleichwohl war es der Uönig selbst, der den Zuſammen- 
ſtoß beilegte, den Liſts damals noch „unreifer, leidenſchaftlicher und 
turbulenter Kopf“ ?) mit dem Akademiſchen Senat eben um diese Zeit 
hatte.)) Als aber Liſt im Jahr 1819 auch noch die Stelle des Ge- 
ſchäftsführers des deutschen Handels- und Gewerbevereins übernahm, 
für diesen schrieb und reiſte, ohne die, einem Beamten damals wie 
heute nötige Erlaubnis zur Annahme dieſes Nebenamts eingeholt zu 
haben, da forderte ihn die Regierung zur Verantwortung hierüber 
auf. Statt dem nachzukommen und eine vorausſfichtliche leichte Rüge 
für sein Versehen auf fich zu nehmen, antwortete List kurz mit seinem 
Entlaſſungsgeſuch und warf damit das ihm übertragene Amt und 
feſte Einkommen seinem königlichen Gönner vor die Füße; Mai 1819. 
Darauf widmete sich Ciſt ganz der Agitation für den Handelsverein 
und der ungern gesehenen politischen Schriftstellerei.?) Mit seiner neuen 
Eingabe und deren Angriffen gegen Verwaltung und Beamtenſchaft 
brachte er das Maß des Unmuts zum Überlaufen. Der Juſtizminister 
Frh. v. Maucler, ein ſcharfsinniger Jurist und praktiſch nüchterner 
Realpolitiker von unbezweifelter Rechtlichkeit ), aber eifersüchtig auf 
das Vertrauen, das er beim König genoß, mochte voraussehen, daß 
mit den von Ciſt vertretenen Ideen Wangenheims zur Umorgelung 
der erſt vor wenig Jahren neu geordneten Verwaltung auch Wangen- 
heit! ſelbſt wieder an die Spitze der Regierung geführt werden solle.") 
chon das würde Mauclers scharfes Vorgehen gegen List erklären. 
Aber es kam hinzu die Rücksicht, die Württemberg auf die Groß- 
mächte nehmen mußte. Diesen waren ja die süddeutschen Verfaſſungen 
und Landtage ein Dorn im Auge als Brutſtätten des Umſturzes, und 
zu ihrer Unterdrückung war Metternich bereit, jede Gelegenheit zu 
benützen. Aufmerksam wurden in Wien alle Schritte der Stuttgarter 
Kammern verfolgt °); nie fehlten die Gesandten der Großmächte auf 
der Galerie der 2. Kammer, und fleißig ward von ihnen berichtet. 
König Willhelm aber und seine Räte hielten fest an der Verfassung. 
Eben erſt noch hatten sie mit der Emberufung des Landtags im De- 
zember 1820 einem vom Troppauer Fürſtenkongreß erhaltenen Winke 
  
ige Z. Göser : S. 54, 76. Nach Leser a. a. O. soll er sogar dieſes Blatt 
lang geleitet haben. 
Ber KB Ye: fle 2:ftw- der Parteibildung in der Kammer vergl. Albrecht List : 
Ver u:!!! k Ä Fe Het 1913, 122 ff. und insbesondere den Volksfreund 
ESGE EN ES s 
5 . ;. t ; 
; 9 ye:sk Lrzerr Sf u:! 12: links stehenden Frdr. Seybold in deſſen Olla 
Potrida 1834 S. 295. 
') Frdr. L. Gmelins handſchriftliche Erinnerungen. 
®) W. Reinöhl: Uhland als Politiker 1911, S. 56/57. 
 
	        

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