Volltext: Ein Jahrhundert Württembergischer Verfassung

  
  
ſchienen aber nur die Präsidenten Weishaar und Wächter; die Ab- 
geordneten beschränkten sich, wie es scheint von Anfang an, auf den 
unbequemen Mantel. Erſt i. J. 1848 wurde auch dieser abgelegt. 
Von dem heiklen Gebiet der auswärtigen Angelegenheiten hielt 
ſich auch der Zweite Landtag fern. Bei Beratung des Staatshaus- 
haltsplanes für 1823/26 begnügte sich der Finanzausſchuß darauf 
hinzuweiſen, daß der König hier die Ausgabe kräftiger gemindert habe, 
als von den Ständen bei der vorigen Beratung als möglich angedeutet 
worden. Da gleichwohl Uhland einen weiteren allgemeinen Abstrich 
von 36 000 fl. jährlich beantragte, wurde dies in geheimer Sitzung 
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erklärt hatte, die Möglichkeit hänge von künftigen Ereignissen. ab ; die 
Zartheit der Verhältnisse erlaube nicht, nähere Erläuterungen zu geben, 
aber nicht im Intereſſe der Krone liege die Bewilligung der unge. 
kürzten Summe, sondern in dem des Volkes. 
Inzwischen war nämlich der Druck der Großniächte auf die 
Uleinstaaten immer stärker geworden, und so hatte sogar Maucler, der 
Hauptkämpe für Württembergs Selbſtändigkeit, schon im Oktober 1822, 
wo die europäiſchen Mächte die Uleinſstaaten vom Kongreß in Verona 
ausſchloſſen, dem König geraten, jetzt, da der Widerstand gegen die 
Karlsbader Beſchlüfſe rühmlich geleiſtet worden sei, aus Vorsicht nach. 
zugeben und wenigstens die Preſſe mehr zu beaufsichtigen, ehe man 
dazu gezwungen werde.?) Denn Stuttgart war das Hauptquartier 
der Presse, die ſich verdeckte Angriffe auf die Karlsbader Beſchlüſſe 
und die Mächte der heiligen Allianz bisher ungestraft erlauben durfte; | 
hier erschienen Seybolds Neckarzeitung, Murhards Allgemeine politische 
Annalen und Lieſchings Deutſcher Beobachter. „Die Fruchtbarkeit der 
revolutionären Preſſe“ in Württemberg war erſchreckend, und es ſchien 
außer Zweifel, daß der Stuttgarter Hof ,tätig auf die demagogiſchen 
Publiziſten wirkte“. Doch UKönig Wilhelm, der nicht der Phantaſt 
war, als den ihn Treitſchke ſchildert, sondern „ein durchans modern 
und praktisch. denkender, einsichtiger, einem mäßigen Liberalismus 
mit Überzeugung zugetaner Mann“ ?) beharrte anf der gemäßigt 
liberalen Bahn. Er lehnte es ab, sich zu kuſchen vor einem Menſchen, 
„den ich so gründlich verachte, wie Metternich“ ‘); und er war weit 
entfernt, ſelbſt an der Verfaſſung zu rütteln, oder die Hilfe der Groß- 
Z4sſther Nah“ §'§§h G. CRC. zt 
Schwager durch den General Frh. Ferd. Varnbüler, den festen, geordneten 
1) Vergl. Unsere Gegenwart und Zukunft 1847, 328. 
) Schneider in den Württ. Vierteljahrsheften 1916, 547. 
) Guſt. Rümelin in den 
! Ê Württ. Dierteljahrsheften 1905, 66. ~ Ähnlich urteilt 
V v v t Stig. Vgtotgriſ. 1866.11 | 
s) Goldſchmit : Geſchichte fzs Sd ét Verfaſſungsurkunde 1918, S. 57 u. a. 
 
	        

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