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liches zum Schutze der Vögel geleistet. Sie hat selbst zahllose Vorträge
in allen Teilen Deutschlands gehalten. Vor allem sind durch den „Bund
für Vogelschutz“ eine große Zahl von Schutzgebieten geschaffen worden.
So z. B, auf Hiddensee, Mellum, Trischen, den Werderinseln, der Ham-
burger Hallig; in Württemberg u. a. auf der Neckarinsel bei Lauffen a. N.
und das große Banngebiet am Federsee, das den Namen „Schutzgebiet
Staudacher“ nach seinem verdienstvollen Erforscher und Beschützer,
Obertörster WALTER STAUDACHER, führt. Der „Bund“ hat im Laufe der
Jahre durch Veranstaltung einer Unmenge von Führungen, Lehrgängen,
Vorführungen von Steh- und Laufbildern, durch Abgabe von Fütterungs-
einrichtungen und Vogelfutter im Winter, durch Herstellung von vielen
Tausenden von künstlichen Nisthöhlen nach dem System des Freiherrn
von BeErLEPscH nicht nur die Liebe zur Vogelwelt geweckt und vertielt,
sondern auch die Kenntnis unserer einheimischen Vögel verbreitet und
so zu deren wissenschaftlicher Erfassung beigetragen. Tausende und
aber Tausende von Flugblättern, Kalendern, Jahresberichten, Presse-
notizen gingen vom „Bund für Vogelschutz“ hinaus, Gemeinsam mit
dem „Bunde“ führte der bekannte Afrikaforscher C. G. SchiLLinGcs vom
Jahre 1910 an einen Kampf gegen das Tragen von Federn wildlebender
Vögel. Der Bund gab zwei Flugschriften heraus, die in vielen tausend
Stücken verbreitet wurden: „Die Tragödie des Paradiesvogels und Edel-
reihers” und „Die Arche Noah“, in denen das Gewissen der Frauen ge-
schärft wurde, die barbarische Sitte des Tragens von Federn edler Vögel
endlich aufzugeben. Eingaben wurden gemacht in Fragen des Vogel-
schutzes an die Württembergische Staatsregierung, das Italienische
Ackerbauministerium, den Deutschen Reichstag anläßlich der Beratung
eines neuen Vogelschutzgesetzes — kurz, es wurde eine in ihrer Art ein-
malige Tätigkeit von dieser selbstlosen Frau bis ins höchste Greisen-
alter entfaltet, die reiche Früchte zeitigte und aufs stärkste dazu bei-
trug, den Vogelschutz und damit gleichzeitig den Naturschutz in seiner
Gesamtheit volkstümlich zu machen,
Nach dem Tode von Lina Häunıe setzte ihr Werk ihr Sohn und Mit-
arbeiter Hermann Häunıe fort, dem wir auch eine große Reihe prächtiger
Lichtbilder und Filme aus der Vogelwelt, wahre Natururkunden, ver-
danken.
Zu den tüchtigsten Faunisten Württembergs der nicht weit zurück-
liegenden Vergangenheit ist Professor Dr. HEınrıca ZwieseLe (1867 bis
1925) zu zählen, dessen tätigem Eifer wir eine größere Anzahl unbedingt
zuverlässiger Arbeiten verdanken, Sein Hauptberuf als Wanderlehrer
bei der Zentralstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart führte ihn
viel im Lande‘ herum und da versäumte er nicht, bei Vogelkundigen,
Präparatoren und Vogelliebhabern Umfrage zu halten. Sehr schätzens-
werte Beiträge hat ZwieseLe auf Grund eigener fleißiger Beobachtungen
insbesondere über die Vögel Oberschwabens und der Alb geliefert. Seine
Balgsammlung ist nach seinem Tode in den Besitz der Naturaliensamm-
lung übergegangen. ZwızseLe, der auch auf malakologischem Gebiet
sammelnd und schriftstellerisch tätig war, wurde durch zu frühen Tod