Volltext: Ein Jahrhundert Württembergischer Verfassung

  
erſpart werden. Als i. J. 1840 von Frankreich der Krieg drohte, 
zeigte es ſich, daß in Württemberg das deutsche Nationalgefühl nicht 
gepflegt war, daß einmütige Gesinnung und Begeisterung fehlten. Sie 
würden wohl treulich für das Vaterland kämpfen, schrieb Uhland in 
diesen Tagen, „aber ein Rüstzeug ist ihnen verſagt, der Stolz des 
freien Bürgers ".') Gepflegt wurde dagegen von der Regierung das 
wirtschaftliche und leibliche Wohlergehen. Die Verwaltung war human, 
der Staatshaushalt geordnet, die Steuern wurden wiederholt ermäßigt; 
wer ruhig vor fich hinlebte, wurde nicht angefochten. „Die träge 
Schollennatur des ſchwäbiſchen Bauern" war darum zufrieden, stumpf 
gegenüber allen höheren Fragen und ohne Teilnahme für den Streit 
um Grundsätze der hohen Politik.?) Die Oppofſition verkannte die 
veränderte Cage. Sie hielt am Prinzipienstreit fest, bestand zäh auf 
Erfüllung aller Zusagen der Verfaſſung und focht im Landtag gegen 
den Bundestag wie gegen Windmühlen, statt sich wie die Regierung 
der wirtschaftlichen Wohlfahrt zu widmen, die dem beschränkten Ge- 
ſichtskreis des Volkes verſtändlich war, jede Gemeinde und jeden ein- 
zelnen unmittelbar berührte. Nun konnte die Regierung hinweisen, 
daß sie es war, die den wirtschaftlichen Fortſchritt verteidigt und ge- 
fördert, daß die Opposition es war, die zu allen wichtigen, volksfreund- 
lichen Gesetzen, selbſt zu den Ablssungsgesetzen, Nein gesagt hatte. 
So verlor die Opposition allmählich allen Rückhalt, ja alle Teilnahme 
im Volk. Von Feſteſſen und Ehrengaben für sie war ſchon am Schluß 
des Landtages von [836 nicht mehr die Rede gewesen. 
4. Im alten Fahrwaſlſſer. 
1839-1848. 
Die Häupter der Opposition, Schott, Römer, Pfizer, Uhland, 
traten mit dem Ende des Landtages i. J. 1838 vom Schauplatz ab. 
Sie hatten wohl Samen ausgeſstreut, aber aufgegangen war er nicht. 
In Betracht aller Vergeblichkeit ihres Bestrebens, die grundgesetzlichen 
Rechte der Württemberger zu verwirklichen, verzichteten sie in einer 
Ansprache an die Wähler auf eine Wiederwahl. Der geringe Ein- 
druck dieſer Ansprache offenbarte erſt recht die Ceilnahmloſigkeit des 
Volkes. Der Verzicht auf eine Neuwahl — von bekannteren Mit- 
gliedern der Oppoſition kehrten nur Cammerer, Deffner, Dörtenbach, 
Duvernoy wieder ~ war verſtändlich, aber doch ein Fehler. Schon 
das Vorhandensein einer Gegenpartei iſt an sich dadurch von Nuten, 
daß manches unterbleibt, was man ihrer Lupe nicht aussetzen will; 
1) Reinöhl: Uhland als Politiker 1911, 169. 
*) Süskind a. a. O.
	        
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