VI. Baubeschreibungen in zeitlicher Anordnung
Iruck des Raumes ein bedeutender ist. An der reichen Stukkatur lassen sich
ınschwer zwei verschiedene Hände verfolgen, die ornamentalen Teile sind
hart und zeigen nicht den Hotten Rokokostil des Alfdorfer oder Aalener
Raumes, oder der wenig späteren Dominikanerkirche, dagegen sind die
fivürlichen Teile, besonders das Mittelrelief, äusserst flott und reizvoll gefertigt.
Die Urheber haben wir wohl unter den Degginger Meistern zu suchen,
die zu dieser Zeit weitreichende Beschäftigung fanden. Die Südwand des
Schiffes schmückt heute das Gedächtnismal der im Weltkriege Gefallenen,
ain Werk des Gmünder Bildhauers }.W. Fehrle, aus farbig glasierter Favence,
las sich im Tone der alten Stukkatur glücklich anschmiegt.
Die Bestuhlung ist mit Ausnahme des Chors aus der Zeit des Kellerschen
Umbaues, auch das in Rokokoform prächtig geschnittene Chorgestühl
st noch erhalten.
Nähere Bauakten, die über Einzelheiten urkundliche Auskunft veben.
‚ehlen.
3. Die Mitwirkung beim Bau der Abteikirche Neresheim
1757-77
Die leitende Mitwirkung Joh. Mich, Kellers beim Bau des glänzendsten
Werkes Balthasar Neumanns, der Abteikirche Neresheim, darf als sicher
angenommen werden, wenn auch Fuchs in seinem Werke „Die Abteikirche
Neresheim“ seinen Namen nicht unter den Bauakten des Turn- und Tazxisschen
Archivs zu Regensburg gefunden hat. Dagegen führt bereits die
Festschrift zur Einweihung der Kirche 1792 als leitenden „Baillier* „J. Keller
aus Schw. Gmünd“ auf und auch Fuchs stellt in seiner eingehenden Bauantersuchung
nicht in Zweifel, dass der Verfasser der Schrift, welcher die
ıeitenden Männer alle persönlich noch kannte, auf Grund feststehender
Tatsachen Kellers bauleitende Mitwirkung erwähnt.
Der grosse Würzburger Meister des Barocks Balth. Neumann war 1745
zum Bau der Klosterkirche berufen; eingehende Detailpläne *) und sorgfältige
Modelle zur Kuppelkonstruktion gingen voraus, ehe 1748 mit den eigentıichen
Bauarbeiten begonnen wurde Aber noch ehe der Bau wesentlich
über die Sockelmauern yediehen war, starb 1753 der Meister und das Werk
geriet ins Stocken, zumal durch den Tod des Abtes ein Wechsel in der Bauherrschaft
eintrat. Darüber war man sich klar, dass der glänzende Plan Neumanns
durchgeführt werden soll, aber über die Nachfolge in der Bauleitung
entspann sich ein langwieriger Streit; bedeutende Meister bewarben sich,
das Kloster holte Gutachten **) von deutschen und französischen Sachverständigen
über die Ausführung der Kuppel ein, bis endlich unter dem inzwischen
zur Regierung gelangten Abt Benedikt Maria 1757 ein Vertrag mit dem ötting-*)
Ausgestellt 1921 in der Balthasar Neumann-Ausstellung im Schlosse zu Würzburg.
'*) Vgl. Fuchs, Die Abteikirche zu Neresheim.