Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1968, Jg. 1, H. 1-4)

2.3 Verwendete Begriffe und Genauigkeit der Darstellung 
Die Begriffsbildung des Verfassers erschwert nicht nur das 
Lesen, sondem auch das Verständnis des Textes. Das be- 
trifft insbesondere die unscharfe Trennung oder Gleichset - 
zung von "method" und "model" an mehreren ausschlag- 
gebenden Stellen, oder die Verwendung der Begriffe 
"organisation", "system" und "mechanism'" als Synonyme. 
Die begriffliche Verwirrung führt möglicherweise zur un- 
differenzierten Vermischung von Modell und Wirklichkeit, 
die dem Leser auffällt, an dieser Arbeit besonders deutlich 
am Beispiel Verkehrssystem. 
Nicht nur die Begriffsverwendung, sondern auch die sprach- 
liche Genauigkeit der Darstellung erschwert das Verständ- 
nis erheblich, was ein englischkundiger Leser schnell be- 
merken wird. Die häufigen Vereinfachungen werden damit 
so undurchsichtig, daß der Leser stets vor vollendeten Tat- 
sachen steht. 
en kann, denn er betrachtet nur diskrete Zustände (Addi- 
tion) und nicht weitere Operationen, ist das Ganze nicht 
bestimmbar, was er aber voraussetzt. Das Wachstumsmodell 
baut er auf Netzen auf und betrachtet das Problem anhand 
der Permutationen von Punktegraden in diesem Netz. Das 
führt dazu, daß er schließlich den Verbindungsgrad der 
Teile (connectivity) anstelle des Wachstums selbst betrach- 
tet.Das heißt, er baut nicht problemädaquate Methoden 
auf, sondern betrachtet sein Problem methodenadäquat. 
Die Betrachtung der diskreten Zustände, die sich aus dem 
Verzicht auf die Feststellung der Motivationen ergibt, 
bringt es mit sich, daß das Modell des "Stadtmechanismus" 
(vollständige Liste der Gesamtnutzungsanstrengungen, ab- 
geleitet aus den vollständigen Listen der Konfigurationszu- 
stände und der Verhaltenszustände) nur Zustandsvarianten 
enthält, aber keine Zustandsfolgen (operative Verknüpfung 
von Zuständen) regelt. 
Der Wert seines Modells, der als Ordnungsprozeß dekla- 
riert wird, kann dadurch relativiert werden, daß das Feh- 
len einer Zustandsfolge bedingt, daß kein Realisations- 
prozeß eingeleitet werden kann, weil ein Istzustand mit 
keinem weiteren Zustand verknüpft ist. 
2.4 Anmerkungen zum Aufbau 
Der Text reiht einzelne, oft interessante Konzepte anein- 
ander, deren Beziehungen so wenig kontrolliert werden, daß 
nicht nur der Textaufbau, sondern auch die dargestellten 
"methods for architects/planners" schwer nachzuvollziehen 
sind. Diese Konzepte sind zumeist schon in früheren Jahren 
ausgearbeitet und zum Teil veröffentlicht. In der Zusammen- 
fassung verlieren sie ihre vorher sinnvollen Randbedingun- 
gen und werden dadurch, daß sie im Hinblick auf eine 
"allgemeingültige" Methode verwendet werden, anzweifel- 
bar. Zum Beispiel wird bei der Begrenzung der Grundflä- 
chenvervielfachung aufgrund der notwendigen Tagesbelich- 
tung die Einschränkung fallengelassen, daß auch nicht na- 
türlich belichtete Nutzungsflächen zulässig sind (vergl. 
B+W 2/68). Dadurch wird es Friedman erst möglich, die 
Vervielfachung auf zwei "levels" zu beschränken und dann 
zu behaupten, daß der Abstand von Aktivitäten ohne Ver- 
tikalkomponente bestimmbar ist. Dieses wiederum führt 
dazu, daß nur ebene Netze als Modelle erscheinen, worauf 
seine gesamte Arbeit basiert. 
Solche Vorgehensweisen lassen sich wiederholt feststellen, 
sodaß die Logik des Gesamtaufbaus nicht erkennbar ist. 
Außerdem könnten Teile ohne Verständnisverlust fortfal- 
len, z.B. die Abbildungen von räumlichen Netzen, die 
im weiteren nicht betrachtet werden, auf ebene Netze, 
oder die Betrachtung der "Pannen" zur Rechtfertigung be- 
stimmter Netzarten, die später bei der Anwendung der 
Netze als Stadtmodelle nicht diskutiert werden. Es werden 
Prinzipien aufgestellt, die nicht durchgehalten werden, so 
zum Beispiel werden den Axiomen bestimmte Aufgaben zu- 
gewiesen: das erste Axiom definiert das Thema, die beiden 
anderen definieren die zulässigen Operationen. Diese Rol- 
lenzuweisung tritt in keinem der tatsächlich aufgestellten 
Axiomsysteme auf, vielmehr werden sie sogar teilweise zu 
Sollbestimmungen . 
Zusammenfassend kann man sagen, daß es überraschend ist, 
wenn ein solcher "Apparat" nachträglich aufgebaut wird, 
um ein früheres Konzept, die "spatial town", zu rechtfer- 
tigen. 
2.6 Bezugnahme auf andere Arbeiten 
Die Tatsache, daß Friedman keinen Bezug zu Arbeiten und 
Untersuchungen nimmt, die anderweitig auf diesem Gebiet 
geleistet worden sind, ist erstaunlich. Immerhin gibt es 
eine Reihe von Arbeiten, die sich mit ähnlichen Problemen 
oder Teilen von ihnen beschäftigen, z.B. Alexander, 
Cowan, Chadwick, R.L. Meier, Studer, Stone u.a. 
Liste von Publikationen Yona Friedmans, die diese Arbeit 
betreffen: 
(1) La th&orie des syst&mes compr&hensibles et son appli- 
cation a |”urbanisme (in: Architecture d’Aujourd’hui 
No 115/1964) 
(2) Kriterien der Stadtplanung (in Werk Chronik Nr. 2/66) 
(3) Infrastructure joint (in: architectural design 11/1966) 
(4) A research program for a scientific method of plan- 
ning (in: architectural design 8/1967) 
(5) Die Wohndichte: ein falsches Problem? (in Bauen + 
Wohnen 2/1968) 
Liste von Publikationen, die ähnliche Probleme bzw. 
Teile davon betreffen: 
(6) C. Alexander, The Pattern of Streets (1. Version in: 
Journal of the American Institute of Planners 9/1966; 
2. Version in: architectural design 11/1967) 
(7) C. Alexander, The City as a Mechanism for Sustaining 
Human Contact (in: Ewald ed., Environment for Man, 
Indiana University Press 1967; und Proceedings of the 
Bartlett School of Architecture ..) 
(8) G. F. Chadwick, A System View of Planning (in: 
Journal of the Town Planning Institute 5/1966) 
(9) P. Cowan, Methoden des städtischen Modellbaues, 
Mannheim 1967 
2.5 Problemadäquate Betrachtung (10) P. H. Levin, Decision Making in Urban Design (in: 
Die Art, in der Friedman Probleme angeht, läßt sich am Building Research Current Papers, Design Series 
Beispiel der Wachstumsformen zeigen. Er definiert Wachs- 49/1966) 
tum als nur additiven Vorgang und betrachtet z.B. Nutzungs (11)R. L. Meier, A Communications Theory of Urban 
intensivierung oder ein "Aufblasen" nicht als Wachstum. Growth, MIT Press 1965 
Dann trifft er die Annahme, daß Wachstum gleich Teilung (12) P. A. Stone, Decision Techniques for Town Develop- 
in umgekehrter Zeitfolge sei. Dazu muß aber das Ganze ment (in: Operational Research Quarterly 15.9.1964) 
(zu teilende) bekannt sein. Da er andererseits keine Zeit- (13)R. G. Studer, On Environmental Programming (in: 
folge in den möglichen Zuständen des Verhaltens aufbau- Arena, Architectural Ass. Journal 5/1966) 
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ARCH + 1(19687H2
	        

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