Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1968, Jg. 1, H. 1-4)

SYMPOSION KERNGEBIET INGOLSTADT AN DER 
STAATLICHEN HOCHSCHULE FÜR BILDENDE KÜNSTE 
BERLIN 
Vom 31.1.1968 bis 14.2.1968 trafen sich in den Semi- 
narräumen der Hochschule für bildende Künste Berlin 53 
Studenten von der Architectural Association School of 
Architecture, London, der ETH Zürich,der Universität 
Stuttgart,der TU Berlin und der HBK Berlin mit 7 Architek- 
tur- und Stadtplanungsdozenten aus London, Cardiff, Zü- 
rich, Winterthur, München, Stuttgart und Berlin und 9 
Kritikern der Fachrichtungen Soziologie, Volkswirtschaft, 
Landschaftsaufbau, Verkehrswesen und Stadtplanung aus 
Zürich, Frankfurt, Ingolstadt und Berlin, um am Beispiel 
Ingolstadt, einer Stadt mit altem Kern und impulsiver, mo- 
derner Entwicklung Planungsalternativen zu entwerfen 
und vergleichend zu bewerten. 
Vorbereitet wurde dieses Symposion von Studentengruppen 
der HBK Berlin in Seminararbeit,die zu einer Bestands- 
aufnahme der Innenstadt und einer Darstellung der wesent- 
lichen Elemente des Umlandes führte, 
Für die Überlegung, diese Arbeiten nicht seminarartig über 
einen längeren Zeitraum weiterzuführen, sondern in einem 
Symposion zu behandeln, waren folgende Gründe massge- 
bend : 
1. Grundgedanken 
Es sollte geprüft werden, ob eine derartige Form des Semi- 
nars ein wesentlicher Bestandteil des Architekturstudiums 
werden kann. Dabei sollte besonders die Fähigkeit zur 
spontanen Gruppenbildung und zur Teamarbeit beobach- 
tet werden, Ausserdem sollte geprüft werden, ob in so be- 
grenzter Zeit beurteilbare Ergebnisse zu erzielen sind. 
Die Stadt Ingolstadt hatte ein Interesse an einer unvorbe- 
lasteten Beschäftigung mit ihren Planungsproblemen unter 
vielfältigen Gesichtspunkten, um eine möglichst grosse 
Breite unterschiedlicher Entwicklungsansätze diskutieren 
zu können. 
2. Ablauf 
Das Symposion begann mit einer Informationsfahrt nach 
Ingolstadt und mit der Durcharbeitung der vorhandenen 
Planunterlagen. Während der 12 Tage untersuchten 15 
Gruppen zusammengesetzt aus Studenten verschiedener 
Herkunft mögliche Entwicklungsrichtungen. 
Die durchgehende Seminararbeit wurde aufgelockert durch 
einige Parties und ergänzt durch Vorträge und Colloquien 
der Dozenten und Kritiker. 
Wesentlich für die fortführende Diskussion wurden die 
Zwischenvorträge der Studentengruppen zur Erläuterung 
ihrer Konzeptionen vor allen Beteiligten. 
3. Ergebnis 
Das Ergebnis ist unter der Zielsetzung zu beurteilen: 
a) 
Ist ein Symposion als Modellfall zur Intensivierung des 
Studiums geeignet? 
Die Arbeitsintensität war gross :Viele Gruppen haben eine 
oder zwei Nächte durchgearbeitet. Die Zusammenarbeit 
von Studenten und Dozenten unterschiedlicher Herkunft 
hat sich bewährt und zu einer Verbreiterung des Spektrums 
verschiedener Konzeptionen geführt. Die offen ausgetrage- 
nen Meinungsunterschiede unter den Dozenten haben zu 
einem Abbau blinder Autoritätsgläubigkeit geführt. 
Der freundschaftliche Wettbewerb der Gruppen unterein- 
ander führte zur Leistungssteigerung, ohne dass ein Preis 
Für die beste Arbeit angesetzt werden brauchte. 
In den Arbeitsgesprächen und in den Vorträgen wurde eine 
Fülle von Informationen vermittelt, die nicht als isolierter 
Vorlesungsstoff vorgetragen wurden, sondern wegen ihrer 
Bedeutung für die Entwurfsarbeit selbst, besonders aufmerk- 
sam aufgenommen und verarbeitet wurden. 
Die Studenten lernten, ihre eigene Gedankenentwicklung 
zu erkennen und zu kontrollieren, ihre Ideen zu verdeut- 
lichen, logisch abzuleiten und vorzutragen. Die Bereitschaft, 
den eigenen Beitrag der Teamarbeit zu widmen und damit 
persönlich zurückzutreten, war grösser als anfänglich ver- 
mutet, 
b) 
Können die Ergebnisse Anregungen für die reale Planung 
geben? 
Die unterschiedlich definierten Entwurfsvoraussetzungen 
führten zu einem breiten Spektrum der Vorschläge - von 
utopischen Lösungen bis zur realistischen Beurteilung 
heute gegebener Möglichkeiten. 
Diese Beiträge können - vielleicht gerade wegen ihres 
fast spielerischen Charakters - zu einer unbefangenen 
Diskussion der realen Entwicklungsmassnahmen führen und 
damit auch die Art der noch zu erarbeitenden Informatio- 
nen mitzubestimmen helfen. 
4. Folgerungen für die weitere Arbeit 
Es hat sich gezeigt, dass die meisten Studenten ausreichend 
Energie und Enthusiasmus besitzen, eine solche Studien- 
möglichkeit voll bis an die Grenze ihrer physischen Leis- 
tungsfähigkeit zu nutzen, ohne dass sich die Leistungen 
unmittelbar in Prüfungsergebnisse ummünzen lassen. Die 
Aufnahmefähigkeit in dem überhöhten und leicht über- 
hitzten Klima eines solchen Seminars ist erstaunlich gross. 
Auch die Dozenten haben an Erfahrungen gewonnen. 
Die Verbindung von eigener Entwurfsarbeit und theore- 
tischer Vermittlung in zeitlich begrenztem Rahmen scheint 
eine effektive Studienergänzung darzustellen, für die es 
sicherlich mehrere Organisationsformen gibt : 
Denkbar wäre die Zusammenarbeit mit einem Institut oder 
einer Stadt,die die Grundlagen und Prognosen in schon 
aufbereiteter Form zur Verfügung stellen. 
Auch eine "Summerschool" am jeweiligen Planungsort 
scheint eine vielversprechende Organisationsform zu sein 
Nicht unerwähnt soll bleiben, dass die Kosten eines sol- 
chen Symposions nicht gering sind. Umgerechnet auf die 
Zahl der teilnehmenden Studenten und die gebotene und 
verarbeitete Information dürfte der Gesamtbetrag aber sehr 
wirkunasvoll investiert sein. 
Hansdieter Lutz 
PROGRAMMIERTER UNTERRICHT AN DER UNIVERSITÄT 
STUTTGART 
Prof. Dr. Curt Siegel, Ordinarius für Tragwerkslehre und 
Konstruktives Entwerfen an der Universität Stuttgart, will 
seinen Unterricht programmieren, 
Er hofft dabei, in seinem Bereich den Unterricht zu objek- 
tivieren und das vorhandene passive Lehrsystem zu ver- 
ändern. 
ARCH + 1(1968)H2
	        

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