Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1968, Jg. 1, H. 1-4)

DISKUSSION 
FREIER WETTBEWERB IN FORSCHUNG UND LEHRE 
Dieser Beitrag zur Diskussion über die Studienreform ent- 
stand aus studentischer Sicht und in Kenntnis der Verhält- 
nisse an den Architekturabteilungen zweier deutscher und 
einer ausländischen Hochschule. Die Übertragbarkeit auf 
andere Fakultäten wäre zu Überprüfen. 
Das dargestellte Modell entspricht einer Idealvorstellung 
für die Organisationsform, dessen verschiedene praktische 
Mängel ‘von den Verfassern gesehen werden, von dem sie 
aber glauben, dass es eine wirkliche Alternative zu bis- 
herigen Reformbestrebungen bildet und somit dem schon 
in Gang gekommenen Prozess der Umwandlung des be- 
stehenden Systems einen weiteren Anstoss gibt. Die Not- 
wendigkeit, neue didaktische Methoden zu entwickeln, 
wird durch den Vorschlag zur allgemeinen Organisation 
nicht berührt. 
Allgemeine Organisationsform(Abb.) 
Vorgeschlagen wird der Abbau der Ordinariate und Insti- 
tute bisheriger Prägung zugunsten folgenden Aufbaus : 
- Unabhängige Lehrende ohne Lehrstuhl und auf Zeit ge- 
wählt; 
Zentrales Abteilungssekretariat, zentrale Abteilungs- 
bibliothek, Dokumentation, Werkstätten, Labors, Korrek- 
tur- und Besprechungsräume; 
Unabhängige Institute und Forschungsstätten, die in Auf- 
bau und Arbeitsweise kommerziellen Gesichtspunkten 
unterliegen und von Direktoren ohne Lehrberechtigung 
geleitet werden. 
Zielsetzung 
Die fachliche Qualifikation des bestehenden Lehrkörpers 
bzw. der Lehrkräfte der nahen Zukunft steht ausserhalb 
unseres Einflusses, sie soll nicht Gegenstand der Diskussion 
sein. 
Auswahl und Einsatz dieser vorhandenen Kapazitäten sind 
jedoch steuerbar. Es sind zunächst Bedingungen für die Ar- 
beit in Forschung und Lehre zu schaffen, die in diesen bei- 
den Punkten zum Erreichen eines Optimums anregen. Die 
persönliche Bereitschaft der Beteiligten allein stellt keine 
ausreichende Garantie dar. Der eingefahrene starre Aufbau 
muss daher einem flexiblen System weichen,das dem Ge- 
setz von Angebot und Nachfrage unterliegt. 
Professoren 
Das Professorenkollegium setzt sich zu einem grossen Teil 
aus den bisherigen Assistenten zusammen. Jedes Fach wird 
jetzt von mehreren miteinander konkurrierenden Persön- 
lichkeiten vertreten, die für befristete Zeit (Gastprofessor) 
oder auf regelmässige Bestätigung (Vertragsprofessor) ge- 
wählt werden. Im Wahlausschuss (Abteilungsparlament) 
könnten Professoren mit 2/3 und Studenten mit 1/3 ver- 
treten sein, 
Die Professoren werden von der Abteilung für ihre Lehr- 
t+ätigkeit bezahlt. Während dieser Zeit sind sie berechtigt, 
sich von den Instituten und Forschungsstätten als freie 
Mitarbeiter anstellen und zusätzlich bezahlen zu lassen. 
Um längerfristige und private Projekte durchzuführen, kön- 
nen sie kündigen oder sich freistellen lassen. Im eigenen 
Interesse (Vert ragserneuerung) werden sie von dieser Mög- 
lichkeit regelmässig Gebrauch machen, ohne dass dadurch 
das Lehrangebot eingeschränkt wird,da jedes Fach ja viel- 
fach vertreten ist. Ebenso bietet sich die Umstellung auf 
Trimesterbetrieb an. Dadurch wird einerseits ein höherer 
Ausnutzungskoeffizient der Anlagewerte erzielt und zum 
anderen bietet sich den Professoren (wie auch den Studen- 
ten) die Möglichkeit, vorlesungsfreie Perioden von 4,8, 
12 usw. Monaten einzuschieben. 
Sekretariat 
Das Abteilungssekretariat stellt die Zusammenfassung al- 
ler bisherigen Lehrstuhlsekretariate dar. Durch die Zentra- 
lisation wird effektive und modernen arbeitsphysiologi- 
schen Forderungen gemässe Arbeit ermöglicht. Hier wer- 
den auch die Verwaltungsaufgaben wahrgenommen, die 
bisher zu einem grossen Teil den Assistenten zufielen. 
Schreibarbeiten, die die Professoren auf Band sprechen, 
werden auf freie Kapazitäten verteilt. Das Sekretariat 
weist freie Besprechungs- und Konzentrationsräume nach 
in die sich die Professoren zurückziehen. 
Bibliothek 
Die zentrale Abteilungsbibliothek mit Dokumentations- 
stelle ersetzt das bisherige aufwendige und wenig effek- 
tive System einzelner Lehrstuhlbibliotheken. Die kombi- 
nierten Mittel werden für die Errichtung einer umfassen- 
den und aktuellen Sammlung verwandt. In Verbindung mit 
modernen Speicher- und Reproduktionsanlagen entsteht 
so der Kernpunkt der Abteilung,der Studenten und Pro- 
ARCH + 1(1968)H2
	        

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