Volltext: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1968, Jg. 1, H. 1-4)

Konrad Sage 
Belser Stilgeschichte 
der Kunst 
Zu Frage 1) 
Die Architektur als Ausdruck eines Lehbensvorgan- 
ges sollte ebenso selbstverständlich angesehen wer- 
den können wie etwa die Juristerei oder die Medi- 
zin. Erstaunlich und offenbar kennzeichnend für die 
heutige Situation der Architektur ist schon die Fra- 
gestellung selbst, als wenn es sich, nachdem aus 
Jahrtausenden gebaute Ergebnisse der Architektur 
vorgefunden werden, heute noch darum handeln müs- 
se, den Begriff Architektur zu klären und abzu- 
grenzen. Ich frage mich, welche Antworten man 
(und ob man überhaupt Antworten) erhielte, wenn 
man einen Komponisten danach fragte, was der Be- 
griff Musik umfaßt, oder einen Maler das Entspre- 
chende. Ich möchte daher Ihre Frage so verstehen, 
daß der historische Begriff Architektur offenkundig 
heute neu gesehen werden muß. Und das hängt wie- 
derum damit zusammen, daß der Mensch, der Ar- 
chitektur macht, also der Architekt, heute beginnt, 
sich in einem neuen Licht zu sehen. Architektur 
gibt es schon lange, aber einen Architekten noch 
nicht. Balthasar Neumann war Artilleriehauptmann, 
Elias Holl Bürgermeister und Schinkel Maler. Die 
Architekten der Cheopspyramide oder des Grabmals 
der Galla Placidia oder des Freiburger Münsters 
sind Schall und Rauch. Erst im 19. Jahrhundert hat 
sich ein Beruf gebildet, der als "Architekt' fir- 
miert. Er liebt es bis heute, sich als eine Art 
Allerweltskünstler darzustellen, gleich begabt für 
Kunst, Technik, Wirtschaft, Wissenschaft und wei- 
teres. Er anerkennt zwar, daß außer ihm noch an- 
dere an der Entstehung eines Hauses tätig sind, 
aber diese sind Orchestermitglieder und er ist ihr 
Dirigent. Und zugegebenerweise ist dieser Aller- 
weltskünstler nicht immer in allen Sätteln fest. 
Dann ist er eben nur Künstler oder nur Konstruk- 
teur oder was sonst. Aber das Recht auf den Diri- 
gentenposten behält er sich weiterhin vor. Für den 
Bauherrn ist dieser Anspruch verwirrend. Er 
bringt selten noch die Gläubigkeit auf, diesem Diri- 
genten alle die Fähigkeiten in einer Person zuzu- 
trauen und bedient sich anderswo, zum Leidwesen 
des Architekten. Ärzte haben es von altersher bis 
heute erreicht, eindeutig klargestellt zu haben, 
daß es geistige unverwechselbare Arbeit ist, für 
die Gesundheit des Menschen zu arbeiten, und daß 
es eine andere Tätigkeit ist, Aspirintabletten her- 
zustellen und auf den Markt zu bringen. In Archi- 
tektur und Bauwesen ist der Bauherr, baulicher 
Laie, der er ist und sein darf, im Unklaren und 
betrachtet in schlichteren Fällen das Werk der Ar- 
chitektur als einen Gegenstand, den man auf dem 
Markt kauft, wie anderes auch, und hier mehr oder 
weniger unlustig unter Zuhilfenahme eines Architek- 
ten. 
Heute entwirft der Architekt als subjektiver Künst- 
ler und ein bauleitender Architekt, der dieselbe 
Person sein kann wie der erste, setzt das Entwor- 
fene unter manchmal weitgehender Zuhilfenahme 
von Improvisation in Materie um. Beide Vorgänge, 
das Entwerfen und das Bauleiten, werden sich, wie 
in 12 Bänden mit insgesamt über 2000 zum großen Teil farbigen 
Abbildungen, je Band 192 Seiten, 15,5 X 22,5 cm, DM 19.80 
Ein Standardwerk für 
jeden Kunstfreund 
Der Stilbegriff als Schlüssel 
zum Kunstwerk 
Unentbehrlich für jeden 
Pädagogen und Studierenden 
aan 
1 Frühe Hochkulturen — 
Agypten - Mesopotamien + 
Agäis 
Professor Dr. W. Wolf, 
Münster/Westf. 
Erscheint Mai 1969 
7 Gotik 
Prof. Dr. F. Deuchler, New York. 
Erscheint Mai 1969 
8 Renaissance 
Dr. M. Wundram, Bochum. 
Erscheint Mai 1970 
2} Griechische Kunst 
Professor Dr. W. H. Schuch- 
hardt, Freiburg/Brsg. 
Erscheint Mai 1968 
9 Barock und Rokoko 
Prof. Dr. E. Hubala, München. 
Erscheint Mai 1971 
3 Römische Kunst 
Dr. H. von Heintze, Rom. 
Erscheint Mai 1969 
10 19. Jahrhundert 
Prof. Dr. A. M. Vogt, Zürich. 
Erscheint Mai 1971 
[4] Frühchristliche Kunst -- 
Byzantinische Kunst 
I. Hutter, Universität Wien. Vor- 
wort Professor Dr. O. Demus. 
Erscheint Mai 1968 
5 Kunst des 
Frühen Mittelalters 
Dr. H. Holländer, Tübingen. 
Erscheint Mai 1970 
11 20. Jahrhundert 
Professor Dr. M. Besset, 
Besancon. 
Erscheint Oktober 1971 
12 Konfrontationen — 
Vergleichende 
Stilgeschichte 
Dr. H. Hutter, Wien. 
Erscheint Mai 1970 
6 Romanik 
Professor Dr. G. Zarnecki, 
London. Erscheint Mai 1971 
‚ 
Subskriptionsbedingungen 
1. Bei sofortiger Bestellung des Gesamtwerkes gilt bis zum 30. 9. 
1968 der Subskriptionspreis von je 19.80. 
2. Bei Bestellung der bereits erschienenen und noch erscheinen- 
den Bände gilt ab 1. 10. 1968 der Vorbestellpreis von je DM 22.80. 
3. Nach Erscheinen des Gesamtwerkes kostet jeder Band DM 24.80. 
Preis des Gesamtwerkes nach Erscheinen DM 297.60. 
Bitte fordern Sie den illustrierten Sonderprospekt mit ausführ- 
licher Leseprobe bei Ihrer Buchhandlung oder direkt beim Verlag an. 
Chr. Belser Verlag 
7 Stuttgart 1, Augustenstraße 3 - 15 
Postfach 28 Telefon (0711) 6 66 21 
Telex 07-22412 
ARCH + 1(1968)H3
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.