Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1968, Jg. 1, H. 1-4)

Henning Schran 
PLANSPIEL-SIMULATION 
Einige Aspekte zu ihrer Anwendung in der Ausbildung 
von Planern, 
Alle an der Erforschung und Planung unserer gebauten 
Umwelt beteiligten Disziplinen sehen sich in steigendem 
Maße einer Diskrepanz zwischen zunehmender Komplexi- 
tät des Forschungs- und Planungsobjektes einerseits und 
den Begrenzungen des dafür verfügbaren methodischen und 
technischen Instrumentariums andererseits konfrontiert, 
Von dieser Problematik wird insbesondere der Bereich der 
Ausbildung betroffen, dessen traditionelle Methoden der 
Wissensvermittlung - jeweils auf spezifische Problemstel- 
lungen einzelner Disziplinen bezogene Vorlesungen, Se- 
minare und Übungen - ein dieser zunehmenden Komplexi- 
tät nicht mehr entsprechendes Informations- und Vermitt- 
lungssystem darstellen, 
Die Suche nach neuen Lehr- und Lernmethoden führt zu 
der Planspiel-Simulation - einer Technik, die einen so- 
wohl synoptischen, eine Vielzahl von Einzeldisziplinen 
integrierenden, als auch dynamischen Prozeß des Lernens 
vermittelt. 
Simulationstechniken 
Die Planspiel-Simulation stellt eine Hybridform von zwei 
Simulationstechniken unterschiedlichen Abstraktionsgrades 
dar: der der gering abstrahierten "direkten" Simulation 
in der Form des Plan- und Rollenspieles, und der der hoch- 
gradig abstrahierten "reinen" Computer-Simulation. Die 
Technik des Planspieles ermöglicht ein freies "Ausspielen" 
spezifischer Rollen, und damit ein optimales Testen von 
strategischen und taktischen Problemstellungen. Die Ver- 
wendung der Computer-Simulation bietet die Möglichkeit 
des Messens und Bewertens der Aktionen und Interaktionen 
dieser Rollenträger und damit der Quantifizierung subjek- 
tiver Entscheidungen und ihrer Aus- und Rückwirkungen 
innerhalb eines beschriebenen und simulierten System- 
Modell es, 
Diese Mischtechnik der Mensch-Maschinen-Interaktion 
gestattet, begünstigt durch den sehr schnellen feed-back- 
Prozeß der Computer-Simulation, ein optimales Experimen- 
tieren (durchaus im-Sinne eines Labor-Versuches ) mit 
komplexen Svstemen. 
Entwicklung 
Die Technik der Planspiel-Simulation wurde relativ 
spät - nach einer sehr weit fortgeschrittenen und komple- 
xen Entwicklung in der Militärstrategie, den Wirtschafts-, 
Polit- und Sozialwissenschaften Ende der 50er Jahre in 
den USA in den Bereich der Stadt- und Regionalplanung 
übernommen. Dabei wurde diese Übernahme zuerst im Rah- 
men der Planerausbildung einiger Universitäten vollzogen, 
- die zunehmenden Schwierigkeiten in der Wissensver- 
mittlung durch traditionelle Lehrmethoden bildeten den 
primären Anlaß. 
Nach ersten Versuchen, die in starkem Maße von Spiel- 
typen des Unternehmensspiels beeinflußt waren, sind in 
den USA in rascher Folge mehrere Planspiel-Simulationen 
entwickelt worden: 
"P.O.G.E." - ein konkurrierendes Rollenspiel von Stadt- 
planern und Grundeigentümern einer Gemeinde, 
1960; 
"Intercity-Competition" - ein rollenspezifisches Konkur- 
renzspiel mehrerer Gemeinden, 1963; 
"Metropolis" - ein konkurrierendes Rollenspiel von Pla- 
nern, Politikern und Grundeigentümern einer Ge- 
meinde, 1964; 
"C.L. U. G." - ein nicht-rollenspezifisches städtisches 
Konkurrenzspiel mehrerer Spielgruppen, 1964 ; 
"M.E.T.R.O." - eine sehr komplexe Weiterentwicklung 
des Spieles Metropolis unter partieller Verwendung 
des C.L.U.G., ausgeweitet auf den Raum einer 
5.M.A,, 1966: 
"North East Corridor Transportation Game" - ein mit 70 
Rollen besetztes Konkurrenzspiel für eine Verkehrs- 
planung des Raumes Boston-Washington D.C., 
1967, (1). 
Die beiden letztgenannten Spielsimulationen stellen da- 
bei äußerst.komplexe, weitestgehend realitätsbezogene 
Entwicklungen dar, die als Modelle für das Demonstrieren 
und Testen alternativer Entscheidungsketten und ihrer Aus- 
wirkungen auf kommunale oder regionale Entwicklungs- 
strukturen und -muster Verwenduna finden. 
ARCH + 1(1968) H.4
	        

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