Haben wir beispielswiese die Beziehung zwischen wachsender
Freizeit (möglicher Arbeitslosigkeit), verursacht
durch Probleme zunehmender Automation, geistiger Gesundheit
oder Kriminalität, genau genug betrachtet? Haben
wir über die ungeheuren Fragen nachgedacht, die aus
der Tatsache resultieren, dass der "ältere Bürger" einen
erheblich grösseren Bevölkerungsanteil repräsentieren
wird als früher? Wie wird die Langlebigkeit die Ehe beeinflussen?
Wie die Vererbung? Wie die zukünftige Berufsverteilung?
Welche Auswirkungen wird sie auf die
Zahl der erforderlichen Ärzte und die medizinische Ausbildung
haben?
Es scheint kein Zweifel darüber zu bestehen, dass Kontrollen
auf der Grundlage von Informationen über alle
Phasen individuellen Lebens zunehmen werden, Welche
Konsequenzen hat das für das Privatleben? Wo sind die
Grenzen der Gemeinschaft, bezüglich des Rechts, Einblick
in heute noch private Sphären zu nehmen? Wodurch
werden fundamentale Menschenrechte gefährdet?
Ferner ist von grosser Bedeutung, das Recht gegen zukünftige
Gefahren zu schützen. Es ist sehr wenig getan
worden, das Recht den raschen Veränderungen und den
tiefgreifenden Revolutionen, die nur zu oft die Folge
von Veränderungen sind, snzupassen. Wenn solche Probleme
diskutiert werden, sehen die meisten Leute nur einige
hervorstehende Gebiete, wie z.B. Weltraum, "innerer
Raum" (Meere) oder die Folgen künstlicher Befruchtung.
Aber es gibt andere unbedeutendere und tückischere
Fragen am Horizont des Rechts, wie z.B. die zunehmende
Rechtsunsicherheit bei "kleinen Vergehen",
denn der Beklagte nimmt mit Recht an, dass Polizei und
Gerichte überlastet sind und dass eine Angelegenheit,
wenn sie überhaupt ermittelt wird, schliesslich eingestellt
werden könnte,
Verhältnismässig wenig ernsthafte Überlegungen wurden
über die Zukunft der Arbeit angestellt, Probleme, wie
das Recht, in einer Gesellschaft zu arbeiten, wo sich die
Arbeit verringern wird; das Recht auf Entgelt bei anhaltender
Arbeitslosigkeit im Falle technologischer Veränderungen;
die Ausbildung von Arbeitern, die sie auf zahı
reiche Berufswechsel im Laufe ihres Lebens und auf zunehmende
Mobilität vorbereitet; die Auflösung des Familienlebens,
verursacht durch zunehmende Schichtarbeit
in hochautomatisierten, ständig arbeitenden Fabriken
und eine grosse Zahl anderer, bevorstehender Arbeitskrisen,
haben noch nicht die notwendige gründlichere
interdisziplinäre Beachtung gefunden.
Das interdisziplinäre Studium zukünftiger Möglichkeiten
wird mit Sicherheit eine Reihe von Gefahrensignalen aufdecken,
die bis jetzt unbekannt sind. Das "Warnsystem"
der ELOI könnte bei verhältnismässig geringen Kosten soziale
und politische Krisen verhindern, bevor sie Schaden
anrichten können. Es wird darüberhinaus in der Lage sein,
rechtzeitig vor Entwicklungen zu warnen, die die "Qualität
des Lebens" um den Preis kurzfristiger quantitativer
Gewinne gefährden.
Durch geistige Vorwegnahme von sozialen Problemen und
sozialen Bedürfnissen, und indem die Aufmerksamkeit der
verantwortlichen Regierungsmitglieder, des Parlaments
und der öffentlichen Meinung auf sie gelenkt wird, dürfte
der "Warndienst" eine Funktion erfüllen, die nicht nur
notwendig sondern eigentlich länast überfällig ist.
vo
(c) Anregung von Werkstätten für "Sozialerfindung"
"Look Out Institution" = sowohl Idee als auch Terminus
stammen von z.B. de Jouvenal - wurde von E. Jantsch
sehr gut definiert. Er stellt fest: Look -out Institutionen
werden von vielen hervorragenden Wissenschaftlern und
anderen Personen, die sich mit Sozialtechniken befassen,
gefordert. Der Hauptzweck solcher Institutionen
wäre es, mögliche Alternativen der Zukunft durchzuspielen
und systematisch auszuwerten, um die Auswahl optimaler
Lösungen im Hinblick auf die langfristigen Ziele
der Gesellschaft zu erlauben ..."
Es ist ziemlich erstaunlich, dass bisher nur ein paar
schlecht ausgerüstete und ungenügend finanzierte private
Gruppen versucht haben, diese ausgezeichnete Idee in
die Praxis umzusetzen. Das wird nur teilweise auf Geldmangel
und offizielles Desinteresse zurückzuführen sein.
Einige der "Hemmnisse'" für das dringend notwendige
"Auffinden" von Alternativen einer möglichen Zukunft
sollen hier genannt werden:
(1) seit mehr als hundert Jahren wurde nur die wissenschaftliche
und technische Erfinden ernsthaft betrieben
und lieferte greifbaren Nutzen ebenso wie ihren
Erfindern Ruhm;
(2) die krankhaft starren und monistischen "Sozialerfindungen"
totalitärer Regime, die sich in Alpträume
verwandelten, sind eine Warnung;
(3) der grössere Einblick in soziale und politische Prozesse,
den man in den letzten Jahren gewonnen hat, ververdeutlichte
den potentiellen "Sozialerfindern'", dass
die Konzeption von "Alternativen einer möglichen
Zukunft" ungeheuer viel schwieriger ist, als es den
Revolutionären und Reformern früherer Zeiten erschien:
(4) die Auswirkungen der gegenwärtigen intellektuellen
Ausbildung, die die Analyse stärker betont als das
kreative Vorstellungsvermögen, haben die Zahl der
potentiellen Sozialerneuerer beschnitten.
Andererseits kann man annehmen, dass entschiedene und
wiederholte Forderungen nach intellektueller Schaffung
von "Alternativen einer möglichen Zukunft" schon bald
einen Trend zunehmender "Sozialerfindung" erzeugen
würden. Jantsch hat wahrscheinlich recht, wenn er betont,
dass die in den letzten zwei Jahren entwickelten
Techniken "normativer technischer Vorausschau, wenn
man jetzt von sozialen Bedürfnissen ausgeht, in ähnlichem
Masse geeignet wären, als Antrieb und Richtschnur
für die Grundlagenforschung sozial relevanter Gebiete
verwendet zu werden, wie sie von der Industrie bereits
auf dem ökonomischen Sektor angewandt werden.
In letzter Zeit haben zwei amerikanische Firmen versucht,
die Grundbedingungen zu definieren, die technische Erfindungen
begünstigen. Die meisten dieser Faktoren dürften
ebenso für die dringend genötigten "Sozialerfindungen"
gelten.
General Electric s Centre for Advanced Studies in Santa
Barbara (TEMPO) nannte folgende Vorbedingungen, die
auf der Analyse von 75 wichtigen Neuerunaen basieren:
ARCH + 1(1968)H1