Volltext: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1968, Jg. 1, H. 1-4)

DISKUSSION 
UNIVERSITÄT STUTTGART + HFG ULM 
Kritische Analyse und konstruktiver Vorschlag zu einer 
Koordination 
H. Seeger 
Die Polemik um die erneute Krise der Hochschule für Ge- 
staltung (HfG) Ulm hat den Hochpunkt ihrer Eskalation 
überwunden. Begründeten sich die entstandenen Schwierig- 
keiten vordergründig aus der Streichung von Bundesmitteln, 
so muß für die Klärung des Weiterbestehens der HfG deren 
finanzielle Sicherung durch das Land Baden -Württemberg 
in Einheit mit deren Auftrag innerhalb des Hochschulge- 
samtplanes gesehen werden. Unter den dabei möglichen 
Modellen besitzt die Angliederung der HfG an die Univer- 
sität bzw. Gesamthochschule Stuttgart für beide Seiten 
die größte Überzeugungskraft in der Logik von "Angebot 
und Nachfrage" und in der zu erwartenden Effizienz die- 
ses Planes, was - wie folgt - in Argumentation und Kritik 
zu beweisen wäre. 
Universität Stuttgart (TH): 
Entwicklung, Auftrag, Planung 
Die Universität Stuttgart leitet sich aus der 1829 gegründe- 
ten "Vereinigten Kunst-, Real- und Gewerbeschule" ab, 
deren Gründungsauftrag als Ausbildungsanstalt die beson- 
dere "Ausrichtung auf Künste und Wissenschaft" war. Mit 
der 1832 erfolgten Aufteilung in Realschule und "Kunst- 
und Gewerbeschule'" begann ein Konzentrationsvorgang 
auf die besonderen Aufgaben der Technik und naturwissen 
schaftlichen Forschung. Aus diesem Vorgang erklärt sich 
auch die Abtrennung der Kunstgewerbeschule von der 
1840 konstituierten Polytechnischen Schule, Damit war 
auch für Stuttgart die typische Trennung von Gestaltung 
und Konstruktion in den Ingenieurwissenschaften vollzogen 
Die Kunstgewerbeschule, die als Vorläuferin zu den heu- 
tigen Designschulen zu betrachten ist, wurde mit der 1761 
gegründeten Kunstschule zur Kunstakademie vereinigt. 
Offizielle Pflegestätte für Kunst, Gestaltung und Ästhetik 
ARCH + 1(1968) H.4 
blieb am Polytechnikum (seit 1876), der späteren Techni- 
schen Hochschule (seit 1886) und der heutigen Universität 
(seit 1967) , der Lehrstuhl für Literaturwissenschaft und 
Ästhetik. 
Die konstruktive Ausbildung von Ingenieuren an den Fakul- 
täten für Bau- und Maschinenwesen erfolgte fast ausschließ- 
lich unter dem Gesichtspunkt einer Vermittlung der natur- 
wissenschaftlichen und technologischen Grundlagen. 
Dennoch liegt heute ein besonderer Schwerpunkt der Wei- 
terentwicklung beim Konstruktionsunterricht an den Fakul- 
täten 2 und 3, 
Erinnert sei in diesem Zusammenhang an die Empfehlungen 
des Wissenschaftsrates , 
Zudem müssen wichtige Beiträge zur architektonischen 
Umweltgestaltung, wie z.B. bei der Weißenhofsiedlung, 
und zur theoretischen Ästhetik - speziell der Informations- 
ästhetik - aus den Abteilungen für Architektur und Gei- 
steswissenschaften gleichfalls zum Bild der Universität 
Stuttgart gezählt werden. Damit verbunden ist bis heute 
die Diskuss ion um die Aufnahme der Formgestaltung oder 
des Industrial Design in die Ingenieurausbildung. In dieser 
Überlegung spielt nicht unwesentlich die Erkenntnis mit, 
daß gerade an dem nur funktionell ausgebildeten Ingenieur, 
sei er nun in leitender Position in der Industrie oder Ver- 
waltung tätig, viele Bemühungen zu einer modernen Um- 
welt- und Produktgestaltung scheiterten, sondern dieser 
auch in seinem "künstlerischen Trieb" für viele formale 
Grevel verantwortlich zeichnet. Diese Notwendigkeit 
wird durch die speziellen Erfordernisse der baden-württem- 
bergischen Industrie unterstützt, für die in Stuttgart im be- 
sonderen Fach- und Führungskräfte ausgebildet werden. 
Die spezielle Wirtschaftssituation Baden-Württembergs 
läßt sich in der Formel einer "exportintensiven Verede- 
(unasindustrie" ausdrücken. 
Die besonderen Bedingungen industrieller Planung und 
Entwicklung fanden auch im Programm der TH bzw. Uni- 
versität Stuttgart ihren Niederschlag, sei es im Ausbau 
des Instituts für Fertigungstechnik und Fabrikbetrieb oder 
in der Reform des Konstruktionsunterrichts in den einzel- 
nen Abteilungen oder in jüngster Zeit mit dem Kolleg 
—
	        

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