und der (zeitlichen und räumlichen) Kapazität der Lehrräume
in Beziehung setzt. Die meisten Studiengänge haben
eine typisch "baumähnliche" Struktur, bei der die Gesamtzahl
der Studenten sich - entsprechend ihrer Entscheidung
für eine Reihe von Wahlfächern innerhalb des Hauptfaches
- mehr und mehr in immer kleinere Gruppen aufteilt. Die
Studiengänge können mehr oder weniger ineinander übergreifen
und sich verzweigen, je nachdem, ob ein sehr
breites Angebot zur Auswahl steht oder ob eine strenge
Spezialisierung gefordert wird. Die sich zyklisch wiederholenden
"Unterrichtsereignisse'", wie Robbins sie nennt,
sind innerhalb der "Unterrichtswoche" (es kann ein 14-tägiger
Zyklus oder einer von anderer Frequenz sein, das
ändert am Prinzip nichts), das heißt der Gesamtzahl von
Stunden oder Lehrperioden, die für den Unterricht während
des Zyklus verfügbar sind, untergebracht. Eine
typische Unterrichtswoche (Kalenderwoche) könnte somit
dreißig Stunden umfassen, etwa fünf Tage zu je sechs
Stunden.
Der Stundenplan ist so angelegt, daß er die Veranstaltungen
den Räumen und Unterrichtsperioden unter einer
Anzahl von einschränkenden Bedingungen zuordnet. Die
wichtigste der Bedingungen ist die Minimierung der Gesamtzahl
an erforderlichen Räumen. Aber es gibt auch
Überlegungen, die zu einer Erhöhung der Zahl von benötigten
Räumen führen. Es könnte z.B. nicht wünschens
wert sein, daß eine Gruppe von Studenten mehr als zwei
oder drei Unterrichtsperioden direkt hintereinander besucht;
es könnte Zeiten geben, zu denen ein Lehrender
nicht verfügbar ist, oder es könnte eine Grenze geben
für das Pensum, das er an einem Tag zu geben bereit ist;
die räumliche Zuordnung der Gebäude könnte es mitsich
bringen, daß einzelne Räume in den Unterrichtspausen
von anderen aus unmöglich erreicht werden können. Es
dürfte auch ratsam sein, Zeitperioden vorzuhalten für ungeplante
Ereignisse, für plötzlich notwendig werdende
Stundenplanänderungen oder für die Vorbereitung von
Vorführungen für den Geräteaufbau (sehr wichtig in
Lehrlabors). P.N. Toye hat am Cambridge Mathematical
Laboratory an einem Programm für die automatische Herstellung
von Stundenplänen gearbeitet, welches solche
Begrenzungen oder Bedingungen berücksichtigt. Stundenplanprobleme
sind notwendigerweise determiniert und
dafür gibt es keine eindeutigen Lösungen: Toyes Programm
liefert viele Stundenpläne für einen bestimmten Satz von
Studiengängen, es schließt aber auch Methoden ein, mit
denen man sich besseren Lösungen annähern und zu ähnlichen
Alternativen entscheiden kann.
Leerzeiten
Selbst bei den besten Studienplänen ist eine gewisse Zeitvergeudung
unvermeidlich. Die Erfüllung einiger schon
erwähnter Bedingungen macht einige Verschwendung an
Zeit notwendig - Stunden, zu denen Räume ungenutzt
sind. Allgemein bedeutet auch eine vielschichtige Struktur
der Studiengänge Zeitverschwendung. Außerdem bestimmt
sich die Verschwendung an Platz - freie Sitze in
einem benutzten Raum - durch die Güte der Anpassung
von Gruppengrößen an Raumgrößen. Dies hängt davon
ab, wie umfassend das Geflecht von Studiengängen ist,
das zugleich programmiert wird. Im Extremfall kann ein
sehr einfacher Studiengang mit wenigen Studenten in
einem einzelnen Raum untergebracht werden. In diesem
Falle richtet sich die Raumgröße nach der größten Unterrichtsgruppe.
Bei großer Studentenzahl, zahlreichen
Gruppen und mehreren Räumen ist die Chance größer,
daß Gruppengröße und Raumgröße in jedem Falle zusammenpassen
und daß die Vergeudung reduziert wird. Je
größer der Betrieb, desto besser die Anpassung. Ein
Beispiel aus Leeds illustriert den Punkt: Im Rahmenplan
der Universität Leeds von 1960 wurde durch sorgfältige
Programm-Analyse ein Vorschlag für Einsparungen an
Kapital gemacht. Darin wurde gezeigt, daß der Bedarf
an Vorlesungsräumen für die Abteilungen der neuen
Medizinischen Fakultät um 50 verringert werden könnte
wenn sich das Prinzip der Gemeinraumnutzung und der
zentralen Steuerung einführen ließe (7).
In einem Lehrlabor, das doch wirklich zu kostspielig ist,
um leerzustehen, können die begrenzte Verfügbarkeit
von technischem Personal und die Kapazität des Vorbereitungs-
und Lagerraumes für die Ausnutzbarkeit prak-+ische
Grenzen setzen.
In einigen Abteilungen wird gegenwärtig bereits der
größere Teil der Trimesterferien dazu verwandt, Versuchsapparate
für den Unterricht des nächsten Trimesters
vorzubereiten. Dieses Problem hätte einen schwerwiegenden
Einfluß auf die Durchführbarkeit des Quatromesters.
Trotz dieser Art von Schwierigkeiten hat es z.B.
Leeds der Mühe wert gefunden, "multidisziplinäre"
Labors zu bauen, bei denen eine von vornherein größere
Investition für breitere technische Ausstattung und für
mehr Lager- und Nebenraum dadurch kompensiert wird,
daß die Labors von mehreren Abteilungen gemeinsam
benutzt werden können und daß sich die Nutzungseffizienz
erhöht.
In einem Falle fanden wir, daß die Vergeudung bei Labors
und bei Vorlesungsräumen für die gesamte Universität
durchschnittlich 84 % an Zeitkapazität und 80 %
an Raumkapazität betrug; in anderen Worten, jeder
Raum wurde durchschnittlich nur fünf oder sechs Stunden
pro Woche benutzt und war bei Benutzung weniger als
ein Viertel besetzt. Dies unterschreitet bei weitem das
Minimum, das die von uns beschriebenen Faktoren bewirken
würden; es ist einfach das Ergebnis von schlechter
Betriebssteuerung.
Personen
Somit steht der Raumbedarf für den formalen Unterricht
über den Stundenplan in Beziehung zu der Studentenzahl.
Ebenfalls wird über den Stundenplan die Größe des Lehrkörpers
von der Studentenzahl bestimmt, und zwar nicht
als ein einfacher fixierter Verhältniswert, sondern unter
Berücksichtigung der von den Studenten empfangenen Unterrichtsmenge,
der vom Lehrpersonal erteilten Menge an
Unterrichtsstunden sowie der Gruppengrößen. Wenn entschieden
ist, welche Lehrmenge in welchen Gruppengrössen
die Studenten erhalten sollen, dann ist es möglich,
die jedem Lehrer/Student- Verhältnis entsprechende Unterrichtsmenge
des Lehrkörpers zu errechnen (8).
Robbins gibt ein statistisches Bild der gegenwärtigen Aufteilung
der Lehrkräfte auf die verschiedenen Studienabschnitte
(9). Das Anteilverhältnis der Lehre zur Forschung
ist von Fachbereich zu Fachbereich und von Universität zu
Universität sehr verschieden und wird in dem Modell als
unabhängige Variable behandelt. Die Proportion kann
ausgedrückt werden als Verhältnis der Personenzahl aus
Studenten nach dem Diplom und forschenden Wissenschaftlern
zur Personenzahl aus Studenten vor dem Diplom und
dem Lehrkörper. Aber man sollte die forschenden und die
ARCH +2 (1969) H. 6