ständige Angabe aller "ausreichend" absolvierten Studieneinheiten.
Ein Gesamturteil entfällt,
6. Später sollte der einheitliche Studienabschluß (Diplom)
entfallen können. Studium und sogenanntes Kontaktstudium
bilden eine Einheit.
Anmerkungen
(1) Nach der Bauwelt Nr. 21, 60. Jahrgang, 26.5.1969,
gelten für die BRD folgende Zahlen: Rund 100.000 Menschen
haben Architektur studiert. Etwa 23.300 davon
führen ihre eigenen Büros, 14.000 sind darin mitarbeitende
Architekten, 12.000 sind in den Bauabteilungen
der Industrie- und Wohnungsunternehmen und rund
50.000 bei Bundesländern und Gemeindeverwaltungen
angestellt.
(2) So soll in Bayern folgende Regelung gelten: Bei der
2. Staatsprüfung dürfen die beiden Bestbenoteten ihren
Tätigkeitsort (München!) wählen, bis zum zehntbesten
dürfen Wünsche geäußert werden, der Rest wird im
"Bayrischen Wald" verteilt,
(3) Schütz, M.: Ziele und Inhalte der Prüfungen, in:
Blickpunkt Hochschuldidaktik 1, 1969, S. 84
(4) Huber, L.: Reglementierung und individuelle Freiheit
des Studiums. Ebenda, S. 90
(5) Vgl. Rahmenplan der ständigen Kommission für Studienreform
an der Abteilung Architektur der Universität
Stuttgart, Stand 14.3.1968 und Stand 4.7.1968
(6) Moeller, M.L.: Psychische Funktion und Wirkungen
von Prüfungen, in: Blickpunkt Hochschuldidaktik 1, 1969
5. 78
(7) Weizsäcker, E.v.: Skizze "Unkonventionelle Möglichkeiten
der Studienplatzvermehrung", Heidelberg,
Februar 1969
C. Feldtkeller, Melville K-G
PRÜFUNG NEIN - ABER BISSCHEN PRÜFUNG DOCH
Der Beitrag dieses Heftes: "Was soll denn die Prüfung
nur?" (Riepl, Küsgen, Kleinefenn) ist Gegenstand unserer
Kritik, weil das Kurieren von Symptomen autoritären Verhaltens
verdammter Nebelkerzenwerferei gegenüber dem
Übel selbst gleichkommt: Riepl, Küsgen und Kleinefenn
schlagen den Sack und meinen noch nicht einmal den
Esel!
Die im Titel gestellte Frage wurde von den Autoren ausführlich
beantwortet, und die Antwort am Schluß in 6
"positiven" Thesen zusammengefaßt. In einer Einleitung
wird ein Rahmen für die Gültigkeit der Antwort gesetzt.
In ihr werden die Aussagen zur Prüfungsproblematik begrenzt
und damit relativiert auf einen effizienzschädigenden
Konflikt innerhalb eines technokratischen Systems:
Die Wissenschaft hat im Bereich der Lehre die Aufgabe,
“qualifizierte Fachleute" für eine "hochtechnisierte industrielle
Gesellschaft" zur Verfügung zu stellen, um die
"materielle Existenz der modernen Gesellschaft" zu gewährleisten.
Dieser Aufgabe ist sie nicht gewachsen, da
institutionale Autorität - repräsentiert durch "Prüfungen
alten Stils" - eine "tiefe Vertrauenskrise zwischen Lehrenden
und Lernenden" ausgelöst hat, die die Wirksamkeit
des Ausbildungsmechanismus in "kurzsichtiger Weise"
mindert.
Damit wird die vorgeschlagene Reform der Prüfung, so
radikal auch immer sie sein möge, ein Instrument, mit
dem der technokratische Apparat stabilisiert wird: Die
Emanzipation der Lernenden wird bis zu dem Grade zugelassen,
der ein Mindestmaß von Reibungsverlusten
garantiert: Freiheit als Antrieb zu reibungsloser Eingliederung
in den Produktionsprozeß: nicht Ziel, sondern
Mittel zum Zweck.
Da in dem Artikel von einem technokratischen System
nicht expressis verbis gesprochen wird, müssen wir zeigen,
wo zwischen den Zeilen davon gesprochen wird, und
welche Konsequenzen unserer Ansicht nach damit verbunden
sind. Wir gehen aus von den "Feststellungen, die von
der öffentlichen Meinung unwidersprochen anerkannt
werden" und denen auch die Autoren nirgendwo widersprechen.
Sie haben ihre Vorstellung von "Gesellschaft" oder
“moderner Gesellschaft" in charakteristischer Weise dargestellt.
Von den möglichen Eigenschaften werden "hochtechnisiert"
und "industriell" genannt und damit als die
wesentlichen Eigenschaften gekennzeichnet. Gesellschaften,
die so gekennzeichnet sind, leisten mehr als nur das
Befriedigen eines materiellen Existenzminimums: Sie produzieren
schon heute ein Übermaß an materiellen Gütern,
Die Verteilung dieses Übermaßes wird abhängig gemacht
vom Grad der Effizienz, mit dem ein Mitglied (Element)
des unterstellten Systems diesem System nützt oder schadet.
Das Ziel, die "materielle Existenz" durch Produktion
materieller Güter zu gewährleisten, wird zu einem Mittel,
um dieses System verselbständigter materieller Produktion
in sich kurzzuschließen und stabil zu halten. Das ist
das Ergebnis von Fatalismus gegenüber der Historizität
gesellschaftlicher Prozesse: Durch Bestandsaufnahme ermittelte
Trends werden zu Zielen für die Zukunft erklärt.
Diese Fehlleistung zeigt sich im kritisierten Text am
deutlichsten in der "Prognose", daß die hochtechnisierte
industrielle Gesellschaft in wachsendem Maße
qualifizierte Spezialisten benötigt.
Das System wird darüber hinaus durch einen Apparat von
Verwaltungs- und Produktionstechniken stabil gehalten,
dessen Gesetzmäßigkeiten den Entfremdungsprozeß beschleunigen:
Der sich selbst in Gang haltende Kreislauf
gerät in immer größeren Widerspruch zu den vielfältigen
Bedürfnissen der Individuen. Durch zügellosen Ausbau der
materiellen Seite der Existenz bindet der dazu benötigte
Apparat freisetzbare Energien und blockiert in zunehmendem
Maße die emanzipatorischen Fähigkeiten der Gesellschaft.
Die Autoren erklären die Wissenschaft zum "konstituierenden
Bestandteil der materiellen Existenz der modernen
Gesellschaft". Damit weisen sie der Hochschule eine
Rolle, und auch noch eine konstituierende, im oben beschriebenen
circulus vitiosus zu. Die Prüfung behält dann
auch in ihrer modifizierten Form die Rolle als Verteilerfunktion,
ihre Wirkung dehnt sich aus auf die Lehre,
möglicherweise mit dem Effekt, daß das Geaeneinander
ARCH+ 2 (1969) H.7