Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1969, Jg. 2, H. 5-8)

Horst Höfler, Lutz Kandel, Eva-Maria Kreuz 
ENTWICKLUNG EINER KLASSIFIKATIONSTECHNIK 
ZUR BESCHREIBUNG DER DISZIPLIN UMWELT- 
PLANUNG (1) 
1. Wenn ein Ausbildungssystem in Zukunft darauf ver- 
zichten muß, "genormte Pakete für bestimmte Berufe (so 
wie man sich diese vor 10 oder 15 Jahren vorstellte) zu 
packen" (Steinbuch, 1), so sind daraus ebenfalls Folge- 
rungen für die Ausbildung von Architekten zu ziehen. 
Zwei dieser Folgerungen sollen im weiteren näher unter- 
sucht werden: 
"Beschreibung" des’ Aufgabengebietes einer Disziplin 
Umweltplanung. Die bis jetzt gehandhabte Methode 
der Lehrplanaufzeichnung mit Kurstitel, Stoff, Zeit 
ist kein adäquates Mittel zur Information des Stu- 
dierenden über Lehr- und Forschungsaktivitäten. 
Diese Darstellung gibt kein realistisches Bild des 
aktuellen Lernprozesses, wie er in der Hochschule 
z.T. schon stattfindet. 
Umfassende und vergleichbare Information über die 
angebotenen Lehr- und Forschungsinhalte und die 
Darstellung der Abhängigkeiten zwischen diesen In- 
halten, welche evtl. dazu beitragen könnte, 
Zwanaskombinationen im Studienplan abzubauen. 
2. Jede Beschreibung ist eine Auswahl von Merkmalen, 
wodurch bestimmte Aspekte durch die subjektive Aus- 
wahl des Beschreibenden vor anderem hervorgehoben 
werden. Um das Aufgabengebiet der Umweltplanung zu 
beschreiben, sind Merkmalsbereiche zu finden, deren 
subjektive Auswahl möglichst von vielen nachvollzogen 
werden kann, die also "objektiv" im Sinne einer inter- 
personellen Nachvollziehbarkeit sind. 
Im Gegensatz zur bisherigen Klassifizierung der Umwelt- 
planung nach Objektbereichen ist eine zusätzliche 
Spezifizierung nach dem Methodenbereich notwendig: 
"Durch explizite Angabe der Sache und der Methode 
kann jede beliebige Wissenschaft primär charakterisiert 
werden" (Maser, 2). 
Die Merkmale Objektbereich und Methodenbereich er- 
scheinen auch für eine Beschreibung der Disziplin Um- 
weltplanung sinnvoll. Zur Fundierung dieses zweistelli- 
gen Klassifikationsschemas seien weitere Beispiele ange- 
geben: 
] Diese Arbeit entstand am Institut für Grundlagen der 
Modernen Architektur der Universität Stuttgart (Leitung 
Prof.Dr. Jürgen Joedicke) 
2.1 Die mit jeder Disziplin verbundene Entwicklungsar- 
beit oder Forschung muß sich nach Bense (3) mit den 
Fragen auseinandersetzen: 
Was wird geforscht? 
(Thematisierung der Forschung 
durch Angabe eines Objektbe- 
reiches, der abstrakt oder ob- 
jektgebunden sein kann) 
(Bestimmung der Verfahrenswei- 
sen, d.h. Auswahl aus einem 
vorliegenden Methodenreper- 
toire, oder Entwicklung eines 
solchen. Für Wissenschaftstypen, 
die Erkenntnisse im Hinblick 
auf konkrete Aktionsaufgaben 
gewinnen (sogen. handlungs- 
orientierte Wissenschaften, wie 
allgemeine Methodologie, 
Praxeologie, Heuristik, etc.), 
empfiehlt sich nur eine Klassi- 
fizierung im Methoden- und 
Ablaufsbereich) 
Wie wird geforscht? 
Warum wird geforscht? 
(Kausalnexus, abhängig von der 
Zwecksetzung der Personen, die 
Forschung betreiben, d.h. ab- 
hängig von dem unterschiedli- 
chen Wertsystem dieser Personen) 
2.2 Die fortschreitende Industrialisierung des Bauens be- 
nötigt komplexe Klassifikationsschemata. Dafür schlagen 
Claxton und Wilson (4) ein Klassifikationsschema vor, 
welches ebenfalls zwei Merkmalsbereiche in Beziehung 
setzt: 
Produkte 
Mate- | |Teil Kom- Raum-| |Ge- 
rial ponent: zelle bäude 
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Abb. 1 Produkt - Prozeßklassifikation nach Claxton und 
Wilson 
ARCH+ 2 (1969) H.8
	        

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