Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1969, Jg. 2, H. 5-8)

"jede wissenschaftliche Tätigkeit... als eine Sequenz 
von Entscheidungen" (Rittel, 8) definiert, so wird eben 
dieser Entscheidungsprozeß notwendiges Merkmal der 
Beschreibung einer Disziplin, welche sich mit "Finde- 
kunst"-Verfahren (Heuristiken), "Entwerfen" oder Inno- 
vationsfindung auf dem Objekt- und Methodenbereich 
beschäftigt. 
3.2 Mit den gewählten Merkmalbereichen kann nun jede 
Aktivität der Disziplin Umweltplanung im Sinne einer 
dreistelligen Relation beschrieben werden. Eine drei- 
stellige Relation wird anschaulich als räumliche Matrix, 
als dreidimensionales Koordinatensystem dargestellt 
(siehe Abb. 2 und 3). Auf den Koordinatenachsen sind 
Skalen der Merkmalbereiche - in diesem Fall Nominal- 
skalen - aufgetragen. Die Skalen sind je nach Problem- 
stellung zu verändern, z.B. kann es sich in einem Fall 
empfehlen, die Skala Objektbereich durch Größenango- 
ben, im andern Fall durch Benennungen zu gliedern. 
Jede Lehr- oder Forschungsaktivität kann somit durch 
Angabe von drei Koordinaten auf den Nominalskalen 
lokalisiert werden. 
3.3 Als Merkmalbereiche für die Beschreibung des Auf- 
gabengebietes Umweltplanung ergeben sich nun: 
3.3.1 der Objektbereich 
Er kann den rein physisch definierbaren Bereich der Dis- 
ziplin umfassen, d.h. eine mehr oder minder hierarchi- 
sierte Ordnung der Bauobjekte, geordnet nach Mengen- 
merkmalen, wie z.B. Material, Teil, Komponente, 
Element, Raumzelle, Gebäude, Gebäudegruppe (4) oder 
geordnet nach "struktureller Komplexität" (Moles, 9), 
abhängig von der relativen Häufigkeit des Vorkommens 
und der Zahl der Elemente, aus denen sich der Objekt- 
teil zusammensetzt, oder willkürlich an die Aufgabe 
angepaßt (z.B. Zwergschule, Hauptschule, Realschule 
etc.). Zum andern können auch nicht objektbezogene 
Inhalte, wie z.B. Problemformulierungen, Themen des 
Obijektbereiches sein. 
. 
Prinzipiell ist jedoch jede "Füllung" des Objektbereiches 
eine subjektive Auswahl, sie wird hypothetisch gesetzt 
im Sinne einer ontologisch orientierten Wissenschaft, die 
durch "Einführung von Kategorien (Qualität, Quantität, 
Relation etc.) das Sein in Klassen aufspaltet, wobei das 
Sein kategorisch strukturiert wird" (Maser, 2). 
3.3.2 der Methodenbereich 
Er umfaßt den durch Konvention oder Neubestimmung für 
den Bereich der Bauplanung als anwendbar erachteten 
Methodenkatalog, der z.B. Kommunikationstechniken, 
Lösungsverfahren, Experimentalstudien, Realisations- 
techniken und andere enthält. Abb. 4 stellt eine im 
Methodenbereich (ebenso wie in den anderen Bereichen) 
unvollständige und zum Teil zufällige Auswahl aus die- 
sem Katalog dar. 
Allgemein können die unter dem Titel Methodenbereich 
zusammengestellten Verfahren nach Ackoff (5) in 
- methodische Hilfsmittel (tools) 
- Techniken (techniques) 
- Methoden (methods) 
aufgegliedert werden. 
Hilfsmittel im Methodenbereich sind physische oder kon- 
zeptionelle. Instrumente, die bei der wissenschaftlichen 
Abb. 4 
Räumliche Matrix der drei Merkmalsbereiche 
(Photo: Dieter Zimmer) 
Arbeit benützt werden können, wie z.B. mathematische 
Symbole, Logarithmentafeln, statistische Grenzwerttafeln. 
Fragebogen, Checklisten etc. 
Unter Techniken versteht Ackoff die Handlungsabfolge, 
in der methodische Hilfsmittel angewendet werden. Da- 
rin kann eine Gebrauchsanweisung für methodische In- 
strumente enthalten sein, wie z.B. die Anweisung zur 
Verwendung von Matrizen oder Graphen, um Nutzungs- 
frequenzen für Räume, Überschneidung von Bewegungs- 
abläufen oder Überprüfung der Vollständigkeit und Feh- 
lerfreiheit von Verbindungen festzustellen. 
Der Methodenbegriff (im strengen Sinne einer wissen- 
schaftlichen Methode) beinhaltet nach obiger Definition 
die Auswahl von Techniken für ein wissenschaftliches 
Vorgehen. Es stellt die Bewertung von alternativen 
methodischen Vorgehensweisen dar. "Methoden sind die 
Auswahlregeln, Techniken das Auszuwählende" (Ackoff, 
5): 
3.3.3 der Ablaufbereich (Planungsbereich) 
Der dargestellte Ablauf, auch als allgemeines Planungs- 
konzept zu definieren (10), beschränkt sich nicht auf die 
Anwendbarkeit auf vereinzelte oder eng abgegrenzte 
Gegenstandsbereiche. Außerdem ist die Stufenfolge in- 
nerhalb des Entscheidungsvorganges nicht notwendiger- 
weise sukzessiv. Die einzelnen Phasen sind nicht diskret. 
Sie müssen nicht abgeschlossen sein, ehe die nächste 
beginnt (Rückkoppelungen). Im allgemeinen laufen alle 
Phasen nebeneinander her, werden häufig aber in der 
Reihenfolge begonnen, in der sie aufgelistet sind (siehe 
Abb. 4). Der Ablauf als solcher ist als sich öfter wieder- 
holender Vorgang gedacht, d.h. zur Lösung eines Pro- 
blems kann es vorkommen, daß alle Schritte mehrere Male 
durchlaufen werden. 
4.0 Anwendung 
In Anlehnung an die "Princeton Study" (7) wurde am 
"Institut für Grundlagen der Modernen Architektur" ein 
dreidimensionales Klassifikationsschema entwickelt. Die 
Matrix enthält bei je 5-7 Untergliederungen der auf den 
ARCH+ 2 (1969) H.8
	        

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