Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1969, Jg. 2, H. 5-8)

Christoph Feldtkeller, Dietrich Keil, Francois Kerschkamp 
Institut für Schulbau Stuttgart 
VERFAHREN ZUR BEURTEILUNG VON WETTBEWERBS- 
ENTWURFEN 
Der Sinn des Verfahrens ist es, zu einem Urteil zu kom- 
men über den vermutlichen Nutzeffekt (1) der in den 
Entwürfen konzipierten Gebäude bzw. baulichen Anla- 
gen. Der Nutzeffekt ist eine Funktion des Nutzens (2) 
und des Aufwands (3). Das Verfahren besteht nicht im 
Vergleich dessen, was dargestellt ist, im Vergleich ex- 
pliziter Größen, im Vergleich von Quantitäten, sondern 
im Vergleich von Qualitäten, d.h. von Größen, zu 
deren Erfassung kein explizit formulierter Maßstab vor- 
liegt. Ein solcher Maßstab kann allenfalls im Verlauf des 
Prozesses definiert werden (4). Sollte das Verfahren im 
Vergleich von im vorab definierten Quantitäten beste- 
hen, so müßte im vorab die Liste der Beurteilungskrite- 
rien fixiert und für jedes Kriterium verschiedene Grade 
der Erfüllung der entsprechenden Anforderung definiert 
werden, so daß die Beurteilung unter den verschiedenen 
Kriterien anhand dieser Grade vorgenommen werden 
könnte (5). Dann könnten aber Informationen, die in der 
Wettbewerbsausschreibung nicht schon enthalten sind, 
also originäre Beiträge der Wettbewerbsteilnehmer zur 
Lösung von Problemen, nicht mit ausgewertet werden, 
und man müßte sich fragen, welchen Sinn dann ein 
Wettbewerb noch haben soll. 
Wenn es darauf ankommt, aus den Entwürfen den besten 
oder mehrere gute für die Weiterbearbeitung auszuwäh- 
len, dann werden wir nicht eine absolute Beurtei- 
lung der einzelnen Entwürfe vornehmen, sondern eine 
relative, d.h. wir werden die qualitativen Differen- 
zen zwischen den Entwürfen ermitteln. Zusätzlich zu der 
relativen Beurteilung ist allerdings zu entscheiden, ob 
die so ausgewählten Entwürfe überhaupt eine befriedi- 
gende Ausgangsposition für eine Weiterbearbeitung dar- 
stellen. Dafür könnten je nach Situation Kriterien auf- 
gestellt werden. 
Benotung 
Wir kennen verschiedene Arten der Beurteilung: Prüfung 
(Ja-Nein-Entscheidung), Rangfolgeaufstellung und Be- 
notung (6). Da wir als Gesamturteil nicht nur die Rang- 
folge, sondern auch den qualitativen Abstand der Ent- 
würfe ermitteln wollen, und da sich das Gesamturteil 
zusammensetzt aus Einzelurteilen unterschiedlichen Ge- 
wichts für das Gesamturteil (siehe unten), so brauchen 
wir sowohl für das Gesamturteil als auch für die Einzel- 
urteile eine Beurteilung durch Benotung. 
Die Benotung erfolgt durch Zuordnung der Entwürfe zu 
Werten auf einer Benotungsskala, und zwar so, daß die 
Verhältnisse der Qualitäten der Entwürfe den Verhält- 
nissen der Werte untereinander entsprechen. Die Beno- 
tungsskala ist eine begrenzte Kardinalskala, z.B. mit 
Werten von 1 bis 5 bzw., bei Interpolation, von 0,5 bis 
5,5. Da es sich um eine relative Beurteilung handelt, 
erfolgt die Zuordnung so, daß die Varianz der Qualitäten 
der Entwürfe unter den betreffenden Kriterien die gesamte 
Skala abdeckt, d.h. daß jeweils der beste Entwurf dem 
höchsten Wert: 5, der schlechteste Entwurf demniedrig- 
sten Wert: ] zugeordnet wird. 
Werden die Qualitäten aller Entwürfe dem gleichen Wert 
zugeordnet, d.h. werden sie als gleich eingeschätzt, so 
kann das betreffende Beurteilungskriterium für den ver- 
bleibenden Teil des Verfahrens entfallen - 
Beurteilung anhand mehrerer Beurteilungskriterien 
Um die Chancen der Bewältigung der Komplexität der zu 
beurteilenden Objekte zu erhöhen, d.h. um die Wahr- 
scheinlichkeit herabzusetzen, daß bei der Beurteilung 
wichtige Aspekte übersehen werden, und um die Nach- 
vollziehbarkeit der Beurteilung zu erhöhen, sollte das 
Beurteilungskriterium des Nutzeffekts in bezug auf die 
vorhandenen Bedingungen analysiert, und es sollte eine 
Liste von Unterkriterien entwickelt werden. 
Dieser Prozeß der Differenzierung der Beurteilungskrite- 
rien sollte sich über das ganze Verfahren erstrecken. Eine 
solche Differenzierung wird oft dann notwendig, wenn 
verschiedene Beurteiler bei der Benotung zu unterschied- 
lichen Ergebnissen kommen, aber nun nicht diese unter- 
schiedlichen Ergebnisse auf irgendeine Weise zu einem 
Ergebnis zusammenfassen, sondern versuchen, durch Dis- 
kussion, nämlich indem jeder sein Urteil zu begründen 
und die Urteile der anderen zu widerlegen sucht, sich 
eine einheitliche Meinung zu bilden. Ob es sich letzt- 
lich um ein "überlegtes" oder ein spontanes Urteil handelt, 
das hängt gerade davon ab, inwieweit diese Diskussion 
geführt wird oder nicht. 
ARCH+ 2 (1969) H.&
	        

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