Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1969, Jg. 2, H. 5-8)

Die treibenden Kräfte für die Anwendung analytischer 
Methoden kommen sowohl von einer hersteller- als auch 
von einer verbraucherorientierten Seite. Die Hersteller 
wollen mit möglichst geringem Risiko einen Profit garan- 
tiert haben, während die Verbraucher aufgrund des viel- 
fältigen Angebots ohne Verbraucherberatung nicht mehr 
abschätzen können, welche der angebotenen Gegenstände 
für sie am nützlichsten sind. 
Theoretisch können sämtliche das Produkt bestimmende 
Einflüsse analysiert werden. Dies setzt allerdings voraus, 
daß alle Einwirkungen bekannt sind und daß es Verfahren 
gibt, die Einflüsse zu messen und zu beurteilen. Der heutige 
Stand der Wissenschaft macht dies jedoch noch nicht möglich 
Abb. 1: 
Heimwerker: sehr umständliche Montage, zu 
hohe Rüstzeiten 
Der Grund für die fehlgeleitete Bedürfnisstruktur ist in der 
Interessenlosigkeit der Hersteller an einer gut gelösten 
Mensch-Produkt-Beziehung zu suchen und nicht etwa in 
dem oft als Entschuldigung vorgebrachten augenblicklichen 
Stand der Wissenschaft. Die im Institut durchgeführten 
Untersuchungen beweisen, daß mit ein wenig mehr Denk- 
aufwand und Systematik durchaus Gerätekonzeptionen 
entwickelt werden könnten, bei denen wenigstens die Lei- 
stung, Robustheit und Bedienung so gut gelöst wären, daß 
viel Ärger erspart sowie wirkliche Erleichterung geschaffen 
würde. Die Grundprobleme der fehlgeleiteten Bedürfnis- 
struktur wären damit jedoch nicht behoben. Hier müßte 
eine Produktforschung ansetzen, die sich mit den generellen 
Problemen der Erzeugung von Gegenständen und deren 
Verwendung befaßt. Sie hätte allerdings nur dann einen 
Sinn, wenn sie nicht die Tendenz zum "Konsumterror" 
(Moles) unterstützen, sondern sich mit dem soziopsycholo- 
gischen Komplex der Bedürfnisse und deren Erfüllung aus- 
einandersetzen würde 
3. Produktanalyse 
3.1 Allgemein 
Aus der Notwendigkeit, Einblick in die immer komplexer 
werdenden Einflußgrößen der Produkterzeugung zu bekom- 
men, sind die Verfahren der Produktanalyse entstanden. 
(Beispiel: Verifizierbarkeit subiektiver Einflüsse, vor allem 
in der Asthetik.) 
Eine umfassendere Strukturierung der allgemeinen Einflüsse 
auf ein Produkt liegt ebenfalls noch nicht vor. 
Es gibt grundsätzlich drei verschiedene Arten von Produkt- 
analysen: 
1. Einzelanalyse 
2. Vergleichende Analyse 
3. Systemanalyse 
Bei der Einzelanalyse wird nur ein Produkt analysiert. 
Bei der vergleichenden Analyse werden Produkte einer 
Produktklasse untersucht und miteinander verglichen. Hier 
kristallisiert sich durch die Erfassung einer breiten Skala 
der sogenannte "Stand der Technik" heraus. Dies ist wichtig 
für die Einordnung in ein Konkurrentenfeld oder beim 
Abwägen von Alternativentwürfen. 
Bei der Systemanalyse werden verschiedene Produktsysteme 
miteinander verglichen, zum Beispiel unter der Frage- 
stellung: Müllentfernung im Wohnbereich. Durch die 
Systemanalyse werden die Probleme grundsätzlicher erfaßt. 
Weiterhin kann jedes der drei analytischen Verfahren von 
zwei Gesichtspunkten aus durchgeführt werden: vom Stand- 
punkt des Herstellers und vom Standpunkt des Benützers. 
Aus dem täglichen Umgang mit Produkten wissen wir, daß 
sich die Vorstellungen der Hersteller und Verbraucher 
keinesfalls immer decken 
ARCH +2 (1969) H.5
	        

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