Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1969, Jg. 2, H. 5-8)

Hans-Jürgen Frank und Roland Wick 
STÄDTEPLANERAUSBILDUNG 
Zur Diskussion städtebaulicher Ausbildungsformen: 
4. Teil - zukünftige Tendenzen städtebaulicher Ausbildune 
Es ist sehr schwierig, einen idealen, zukunftsorientierten 
Studienplan zu entwerfen, aber es ist verhältnismäßig ein- 
fach, einige wesentliche Punkte skizzenhaft zu umreißen, 
die für zukünftige Städtebauprogramme von Bedeutung sein 
werden und die heute an progressiven Schulen in allen 
Teilen der Welt in ähnlichen Formen angestrebt werden. 
Die folgenden Gedanken sind das Nebenprodukt der Beschäf- 
tigung mit städtebaulichen Ausbildungsproblemen bei der 
Vorbereitung eines Entwurfs zu einem Studienplan 
für ein eigenständiges Städtebaustudium, 
der in einem der nächsten Hefte ARCH+ veröffentlicht 
werden soll. 
Zum Berufsbild des städtebaulich tätigen Planers 
Nie dagewesene Wachstumsraten der Stadtbevölkerung auf 
der ganzen Welt lassen städtische Zivilisationen und Agglo- 
merationen von kaum vorstellbaren Ausmaßen entstehen. 
Große Energien müssen mobilisiert werden, Vorsorge zu 
treffen für die Bedürfnisse der Menschheit. Nach Dr. Ira 
Lowry müssen in den Stadtwissenschaften 4 Grund-Techno- 
logien manipuliert werden, nämlich 
- die Technologie des Physischen, der flächen- und raum- 
bezogenen Belange (Ingenieurwissenschaften), 
- die Technologie der Mittel (wirtschaftliche Faktoren), 
- die Technologie der Organisation (Politik/Recht), 
- die Technologie der Gesellschafts- und Verhaltens- 
wissenschaften (Soziologie, öff. Gesundheitswesen, 
Anthropologie), 
die zwar erst unterschiedliche Grade der Datenquantifizie- 
rung erreicht haben, aber trotzdem als Antwort auf die 
Herausforderung der städtischen Entwicklung ein ungeheures 
Potential bilden. 
Somit wird die Aufgabe des städtebaulich tätigen Planers 
sein: das Vollbringen von Berufsleistungen vorwiegend auf 
dem Feld der flächen- bzw. raumbezogenen Planung im 
städtischen Maßstab, die laufend Brücken schlägt zu den Zu- 
ständigkeiten des Architekten, der mit Einzelstrukturen 
befaßt ist, und zu den Nachbardisziplinen, die für das 
breite Feld städtischer Probleme kompetente Beiträge lei- 
sten 
Es ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, daß Städtebauer 
und Stadtplaner in zunehmendem Maße in großen Industrie- 
komplexen, Regierungsstellen und städtischen Verwaltungs- 
konsortien arbeiten werden, daß sie Gruppen anaehören 
werden, deren Aufgabe es ist, politische Regierungspro- 
gramme, die die gebaute Umwelt betreffen, vorzubereiten, 
daß sie nicht nur auf herkömmlichen Gebieten tätig sein 
werden, sondern auch im Management und der öffentlicher 
Verwaltung, daß sie teilhaben werden an der Entwicklung 
einer Stadtforschung und diese weiterbringen werden, und 
daß sie als Mitglieder vieldisziplinärer Teams an zielge- 
richteten Proiekten mitarbeiten werden 
Mögliche Lehrziele städtebaulicher Unterrichtung 
1. Die Förderung der Integration sämtlicher Disziplinen der 
Umweltplanung im Sinne einer Synthese der Gebiete, die 
sich mit der funktionalen, sozialen, ökonomischen und 
ästhetischen Qualität der menschlichen Umwelt befassen 
mit dem Ziel, die Aufspaltung von Architektur, Planung 
und städtebaulicher Gestaltung zu verhindern. 
Dazu müßten für alle an der Umweltplanung Beteiligten 
frühzeitig gemeinsame Ausbildungsschritte vorgesehen 
werden, wobei die Ähnlichkeit theoretischer und konzep- 
tueller Entwicklung besonders betont werden müßte. Dabei 
könnte auch der Gefahr der zu starken Trennung zwischen 
dem gestaltend tätigen und dem mehr analytisch orientier- 
ten Studenten beaeanet werden (2) 
2; Die Organisation neuer Ausbildungsgebiete mit dem 
Ziel, die begonnene Zusammenarbeit der verschiedenen 
Disziplinen zu vollenden und starke Bindungen zu den 
zahlreichen Ergänzungsdisziplinen herzustellen, um bei 
gleichzeitiger Bildung multidisziplinärer Forschungsteams 
Spezialisierung zu entwickeln im Sinne einer "Crganisation 
von Wissenschaft und Ausbildung, bei der aspektbezogene 
Arbeitsteilung und problembezogene Kooperation in dialek- 
tischem Spannungsverhältnis zueinander stehen und sich in 
diesem Verhältnis entfalten" (3) 
3. Schaffung eines Erziehungsmilieus, in dem gesellschaft- 
liche Ziele und technische Kenntnisse in einem Erneuerungs- 
prozeß verschmelzen, der auf die Fragen der Problemlösung 
hin orientiert ist. 
Alle wissenschaftlichen Kenntnisse und neuen Bestrebungen, 
die dazu dienen, die einst intuitive, integrative Fähigkeit 
des Architekten umzuwandeln, müssen angewendet und 
entwickelt werden, um die Fähigkeit des Städtebauers im 
Sinne der sehr stark vemehrten integrierten Kenntnisse 
der neuesten Gebiete der Inaenieurwissenschaften 7zu 
ARCH +2 (1969) H .5
	        

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