Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1969, Jg. 2, H. 5-8)

Wandelbarkeit und Flexibilität nicht nur die Möglichkeit 
schaffen, jederzeit wechselnden Erfordernissen des Zu- 
sammenlebens innerhalb der Familie sinnvoll entsprechen 
zu können, sondern zur eigenwertigen Quelle erlebniser- 
Füllter und lustvoller Daseinserweiterung werden. 
Die dynamische Gesellschaft der Zukunft vermag ihre viel- 
fältigen Probleme nicht zu bewältigen und sie vermag die 
ihr sich eröffnenden Chancen nicht zu realisieren, ohne 
daß sie dauernd auf eine große Reserve von Menschen zu- 
rückzugreifen vermag, die sich durch überdurchschnittliche 
Individualität, Differenziertheit und automate Produktivität 
auszeichnet und die daher zum Träger der kulturellen 
Innovation werden kann. Hier ist es ermutigend, daß es 
der Abbau vieler Sozialzwänge und die Erleichterung des 
Realitätsdrucks wahrscheinlich macht, daß der industriellen 
Großgesellschaft jene Vielzahl autonomer und schöpferischer 
Menschen zuwächst, die sie unverzichtbar benötigt. Ent- 
scheidend wird hier die Frage, wie rasch und wie wirksam 
es gelingt, das Aufkommen eines kulturellen Klimas zu be- 
günstigen, indem hinreichend viele Menschen früh genug 
zu lernen vermögen, ihren kreativen Kräften zu vertrauen 
und sie weiter zu entwickeln. 
Zu diesem kulturellen Klima gehört ein neues Bildungsideal: 
Als gebildet wird gelten können, wer sein Wissen und sein 
Verhalten in der Auseinandersetzung mit den Chancen und 
Gefahren seines Daseins zur Übereinstimmung zu bringen 
vermag. Zu diesem kulturellen Klima aber gehört auch ein 
neues Ideal und eine neue Wirklichkeit des Wohnens: Das 
Heim bot jahrtausendelang Bergung vor einer unverstandenen 
und bedrohenden Welt. Das Heim der Zukunft aber wird nicht 
mehr in erster Linie diese Aufgaben des Bergens und Ver- 
bergens haben. Es wird ein sich öffnender Bereich mensch- 
licher Begegnung und freier Entfaltung werden. Die Wohnung 
kann zu einem Ausdruck, aber auch zum Mittel einer neuen 
Freiheit werden, wenn wir alle mithelfen, dieses Ziel 
erreichbar zu machen. 
IRRTUM VORBEHALTEN 
In Heft 4 Seite 6 ist uns ein Fehler unterlaufen: die 
zum Text gehörende Tabelle blieb ungedruckt. Das Ver- 
säumte wird hier nachgeholt, wobei wir nur zum Ver- 
ständnis der Übersicht einen Gedankengang aus H. G. 
Schütte’s Aufsatz "Rationalität und Architektur' wieder- 
holen: 
Die Wahrnehmung der sozialen Realität, soweit sie das 
Verhältnis von Architekten zu Bauherren betrifft, 
kommt in der folgenden‘ Tabelle zum Ausdruck. Sie ver- 
mittelt sowohl einen Eindruck von der Rangordnung der 
Präferenzen, wie von der überaus starken Diskrepanz 
zwischen Präferenzstruktur und der Einschätzung ihrer 
Realisierungsmöglichkeit. 
Frage: "Welche der folgenden Tätigkeiten wird wohl 
den größten (1), den zweitgrößten (2) usw. Teil 
der Zeit des Architekten beanspruchen? '' 
Frage: "Und was sollte Ihrer Ansicht nach an erster 
(1), an zweiter (2) usw. Stelle stehen? '' 
Die Prozentwerte in der linken oberen Hälfte jeder 
Zelle der Matrix beziehen sich auf die erste Frage, 
die Werte in der rechten unteren Hälfte auf die zweite 
Frage. So glauben also 48% der Befragten, daß die 
Bauleitung den größten Teil der Zeit beanspruchen wird, 
während 9% der Ansicht sind, so sollte es auch sein. 
Die Differenz in Prozentpunkten ist ein Maß für die Er- 
wartungsdiskrenanz. 
In der Rangordnung der Präferenzen steht die Entwurfs- 
tätigkeit mit 80% der Nennungen eindeutig an erster 
Stelle. Hier ist auch die Diskrepanz am stärksten. 
Dann folgen Beratung, Bauleitung, Finanzierung und 
Behördenverkehr, gleichfalls mit ausgeprägten Unter- 
schieden zwischen Realität und Erwartung. Diese Wer- 
te liegen weit über den vergleichbaren Daten anderer 
Berufe. und deuten auf eine sehr instabile Situation hin- 
KA (1) 
Bauleitung 
Entwurf 
Behördenverkehr 
Beratung des 
Bauherrn 
Finanzierung 
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ARCH +2 (1969) H.5
	        

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