Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1969, Jg. 2, H. 5-8)

Das Prinzip der Wahlfreiheit wird in der Form aufge- 
nommen, daß beim persönlichen und gesellschaftlichen 
Interesse des Studenten als Lernmotivation angesetzt 
wird. Dies setzt voraus, daß es den Studenten möglich 
ist, sich über die gesellschaftlichen und ihre persön- 
lichen Motivationen zu informieren. 
Die Veränderungen im Studienablauf zielen auf eine 
Differenzierung der Ausbildungsmöglichkeiten ab, de- 
nen ein differenziertes Angebot zur Wahl entsprechen 
soll. Im Zusammenhang mit der Studienzeitverkürzung 
muß dem Studenten daher schon innerhalb der Anfangs- 
phase zusätzliches Wissen vermittelt werden, über 
die Morphologie des Studienfeldes, sowie Techniken 
des Erfassens und der Verarbeitung dieser Informa- 
tionen wie z.B. Kenntnisse von Gesetzmäßigkeiten der 
Kommunikation in Gruppen. 
Diese Informationen können aber nicht im Sinne eines 
""Pflichtjahres'' vermittelt werden, sondern müssen 
es dem Studenten ermöglichen, Fertigkeiten der Selbst- 
organisation des Studienganges zu entwickeln und anzu- 
wenden, ohne daß die Auswirkungen seiner Entschei- 
dungen ihn in seiner Entwicklung hindern. Eine allge- 
meinverbindliche Studienplanung ist deshalb abzuleh- 
nen. 
Verschiedene Formen der Informationsvermittlung 
sind anzusetzen, z.B. folgende: 
|. Die phänomenologische Darstellung eines Problem- 
komplexes und dessen verschiedenartige weitere 
Bearbeitung in Form von homogenen oder heteroge- 
nen Gruppen, Einzelarbeit oder verschiedenen As- 
nekten, die sich aufgrund des Komplexes anbieten, 
eine spezielle Problemstellung wird vorgeführt und 
durch Arbeit daran in neue Zusammenhänge gebracht 
und dadurch variiert, 
Variante zu 1. in der Form, daß eine detaillierte 
Bearbeitung erst aufgegriffen wird, wenn ein Bedarf 
an dieser speziellen Information aufgrund einer in- 
zwischen begonnenen Arbeit entsteht. 
Diese Varianten sind außerdem in unterschiedlichen 
Zeitspannen möglich. 
Die notwendige Betreuung der Studenten geschieht am 
besten durch Personen gleicher Interessenlage, mögz- 
lich durch eine vertikale Gruppenbildung von Studenten 
verschiedener Semester, die sowohl über die Projekt- 
bearbeitung als auch über die Gruppenpsychotherapie 
einwirken kann. Diese Überlegungen führen zu einer 
Menge mitzuteilender Information, die etwa folgender- 
maßen klassifiziert werden kann (keine Reihenfolge der 
Behandlung, keine Themen. sondern die Beschreibung 
eines Feldes): 
L. Universität 
a) Organisation, Hochschulgesetz, Grundordnung, 
Ökonamie, 
b) Studienabläufe, Lehrstab, Betreuung, Situation 
der Studenten, 
c) Wissenschaftsbegriff 
, 
Berufsfeld 
a) statistisch, welche Probleme werden überhaupt 
heute bearbeitet und welche nicht, von wem? 
b) ethisch, Rolle der Planung in der Gesellschaft 
c) bezogen auf die Rollen in Realisationsprozessen 
* Methoden 
a) Realisationsprozesse, Planen als Handlung, Kon- 
trolle der Auswirkungen der Arbeitsteilung, 
b) Arbeitsverfahren bei der Lösung komplexer Prob- 
leme, Planungsprozesse, Gruppenarbeit, 
c) technische Hilfen für die Bewältigung der Situa- 
tion, Sprachen, Kommunikationsformen, -tech- 
niken 
Prinzipien, Charakteristika von Systemen, 
(Exk. : Grundlage des Architekturstudiums sei nicht 
nur das Fügen von Materialien, sondern das Fügen, 
Kombinieren und logische Zusammenfügen aus Tei- 
len irgendwelcher Klassen von feststellbaren Eigen- 
schaften, um Probleme der Umwelt zu bewältigen, 
z.B. Organisationen, Gedanken, Personen, Materia- 
lien) 
a) Beschreibung von Systemen, z.B. offene und ge- 
schlossene Systeme 
b) Regulierung und Zustanderhaltung von Systemen, 
z.B. Stabilität und Rückkopplung, 
c) Dynamik und Veränderung von Systemen, z.B. 
Anpassung, Wachstum, 
d) Niedergang und Zusammenbruch von Systemen, 
z. B. Störung. 
Bei dem Versuch, Teile dieser Vorschläge durchzufüh- 
ren, dürfen Studenten nicht ’en bloc’ z.B. über Pla- 
nungsmethoden informiert werden, ohne daß die Assi- 
stenten, mit denen Studenten außerdem zu tun haben, 
ebenfalls wissen, worum es dabei geht. Es ist also 
notwendig, auch für den jetzigen Lehrstab eine Aufbe- 
reitung der Information durchzuführen. Dies bedingt 
eine Diskussion aller Interessierten über die hier an- 
geführten Probleme. 
Mehrere Formen der Durchführung und experimentel- 
len Überprüfung dieser Vorschläge sind möglich: 
1. Vertikale Gliederung von Projektgruppen, Wissens- 
vermittlung auf Anfragen bei vorhandener Problem- 
stellung. Entwicklung von Problembewußtsein durch 
phänomenologische Darstellung einzelner Fragen- 
komplexe; dabei kann ein Student in mehreren Grup- 
pen teilnehmen. 
Übungsaufgaben, deren Lernziel dem oben beschrie- 
benen Feld entnommen sind, Durchführung mit ver- 
schiedenen Personen, Form der Kurse wie oben be- 
schrieben. 
Jahresarbeit, an der soviel wie möglich Information 
des oben beschriebenen Feldes erfahren werden 
kann, Formulierung der Jahresarbeit in Hinsicht 
auf die anzustrebenden Lernziele (keine Behinderung 
durch das Thema). 
Der Forschungsschwerpunkt Hochschulplanung wird 
als Problemfeld herangezogen, anhand dessen alle 
auftretenden Probleme behandelt werden, Fakten- 
wissen wird aktuell zur Verfügung gestellt, neues 
aktuelles Faktenwissen wird erzeugt. 
Die Auswahl und weitergehende Detaillierung der Vor- 
stellungen soll aufgrund einer allgemeinen Diskussion 
der vorhandenen Vorschläge geschehen. 
ARCH + 2 (1969) H.5
	        

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