Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1969, Jg. 2, H. 5-8)

tischen Pädagogik besteht ein regelmäßiger Puhlikations- 
austausch. 
Im einzelnen werden am Institut [ür Kybernetik fünf mit- 
einander eng verknüpfte Fragenkreise bearbeitet: 
1. Theorie und Technik der Lehrautomaten. Die insti- 
tutseigenen Entwicklungen (GEROMAT, ROBEIMAT, 
INTERATOR) biiden Kombinationen eines z.T. schon 
industriell gefertigten Baukastensystems namens 
BAKKALAUREUS ("Baukastensystem Aus Kombinier- 
jaren Kybernetischen Automaten Leistet Autonom 
Und Rechnerunterstützt Examinier- und Schulungsar- 
beit"). 
Informationspsychologie und Informationsästhetik. 
Als Grundlage der didaktischen Programmierung von 
Lehrautomaten wird mit kybernetischen Methoden die 
Lernfähigkeit und das Lernverhalten des Adressaten 
präzisiert. Daran anknüpfend wird eine Dramaturgie 
der Lehrobjektivierung (Theorie der ästhetischen In- 
formation in Lehrprogrammen) entwickelt. 
Rechnerunterstützter didaktischer Informationsum- 
satz. Es werden Programme und Programmierungs 
methoden für Datenverarbeitungsanlagen entwickelt, 
um diese als Medien bei der programmierten Instru’ 
tion sowie als Hilfsmittel bei der Lehrprogrammer- 
stellung, bei der Simulation des Lernverhaltens von 
Adressaten bzw. der Funktion möglicher Lehrauto- 
maten, bei der Automatisierung von experimental- 
psychologischen Versuchsreihen sowie zur statisti- 
schen Auswertung von Daten der empirischen Päda:- 
vogik anwendbar zu machen. 
Organisationskybernetik. Fur die Bestimmung von 
Anwendungsbereichen der kybernetischen Pädagogik 
insbesondere im industrieilen Aus- und Weiterbil- 
dungswesen - werden organisatorische Daten verar- 
beitet. So interessiert beispielsweise die Geschwin- 
digkeit, mit welcher einerseits Lehrprogramme er- 
zeugt werden können und andererseits das zu lehren- 
de Fachwissen im Durchschnitt an praktischer Wich- 
tigkeit verliert ("Kalbwertzeit von Lehrstoffen''). 
Lehralgorithmierung. Aus den Erfahrungen mit sy- 
stematisch konstruierten Lehrprogrammen, insbe- 
sondere für kybernetische Lehrstoffe, werden "forma- 
le Didaktiken'' entwickelt (z. B. wurde am Institut für 
Kybernetik als erster derartiger Versuch zur Hoch- 
schuldidaktik in Deutschland eine ganze Grundvorle- 
sung in ein Lehrmaschinenprogramm umgewandelt, 
das seither die Vorlesung mehr als nur "ersetzt''!) 
Darunter versteht man Programme, nach welchen 
statt des didaktischen Programmierens ein Rechner 
Lehrprogramme konstruiert. Die beiden ersten for- 
malen Didaktiken (sie laufen auf Rechnern vom Typ 
Siemens 303 P) sind ALZUDI (ALgorithmische ZU- 
ordnungs-DIdaktik) und COGENDI (Comnuter Orga- 
nisiert Gemäß Eingegehenen Noarmhbhausteinen Didak 
tischen Informationsumsatz). 
Vom wissenschaftstheoretischen Ansatz und von der 
Zielsetzung der kybernetischen Pädagogik her ist der 
Rechenautomat das integrierende Instrument der Insti 
tutsarbeit. Infolgedessen war die am 13. Januar 1967 
erfolgte Einweihung des Datenverarbeitungszentrums 
als "Institutsgründung de facto'' anzusehen, obwohl die 
"Gründung de jure'" wesentlich weiter zurückliegt. Ent- 
scheidend für diesen neuen Abschnitt in der Institutsge- 
schichte war der Entschlu3 der Siemens-Aktiengesell- 
schaft, dem Institut eine Datenverarbeitungsanlage vom 
Typ S 303 P ohne jede Bedingung zur Verfügung zu stel- 
len. Inzwischen sind dem Institut für Forschungs- und 
Entwicklungsarbeiten vier weitere Digitalrechner vom 
Typ N 820 von der Firma Nixdorf übergeben worden. 
Aus dem hier skizzierten Aufgabenbereich möge deut- 
lich werden, daß am der Pädagogischen Hochschule Ber 
lin nicht ausschließlich Lehrer für öffentliche Schulen 
ausgebildet werden, sondern neben der Lehre die For- 
schung auf wichtigen Gebieten der Erziehung und des 
Bildungswesens eine beachtliche Rolle spielt. Die Indu 
strie speziell verspricht sich dabei von der intensiven 
Förderung der kybernetischen Pädagogik eine künftige 
Meisterung der immer komplexer werdenden Probleme 
des innerbetrieblichen didaktischen Informationsumsat- 
zes, wofür sich ein neues Berufsbild herauszubilden be 
ginnt. 
Projekte des Instituts: 
Schwerpunkte der Institutsarbeit sind: das Lehrautoma- 
ten-Baukastensystem BAKKALAUREUS und die soge- 
nannten Formaldidaktiken, also Rechenautomatenpro- 
gramme zur automatischen bzw. halbautomatischen Er- 
zeugung von Lehrprogrammen. Das Svstem BAKKALAU 
REUS umfaßt zur Zeit Systeme für die Rechnergesteuer 
te Parallelschulung, Gruppen- und Einzelschulung. Fer- 
ner Ein/Ausgabeplätze für den Anschluß an Großrech- 
ner für didaktische Zwecke. Über diese Ein/Ausgabe- 
plätze können über Datenfernübertragung, die im Insti- 
tut für Kybernetik entwickelten formalen Didaktiken ge- 
nützt werden. 
Eine umfassende Einführung und Übersicht in das Ge- 
samtgebiet der "Kybernetischen Pädagogik" bzw. "Pä- 
dagogistik' gibt das jetzt im Agis Verlag in 2. Auflage 
erschienene Buch '"Kybernetische Grundlagen der Päda 
gogik' von Helmar Frank. 
Struktur und Arbeitsweise des Instituts: 
Die rund dreißig Institutsangehörigen kommen aus sehr 
verschiedenen Fachrichtungen: es sind Mathematiker, 
Pädagogen, Nachrichtentechniker, Physiker, Psycholo 
gen, eine Uheaterwissenschaftierin, eine Kunstwissen- 
schaftlerin, technische Mitarbeiter und Sekretariatsan- 
gestellte. 
Der Vielfalt der Aufgaben entsprechend ist das Institut 
in fünf Arbeitsgruppen gegliedert, die sich teilweise 
überschneiden, so daß einzelne Institutsangehörige 
mehr als einer Arbeitsgruppe angehören können. 
Es handelt sich um die Gruppen 
T : Technik der Lehrautomaten 
I : Informationspsychologie und Informations - 
ästhetik 
R : Rechnerprogrammie rung 
) : Organisation und Organisationskybernetik 
L - Lehralgorithmierung 
ARCH +2 (1969) H. 6
	        

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