Full text: ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1969, Jg. 2, H. 5-8)

Barbara Maria Peters 
BEWERTUNG UND ENTSCHEIDUNG 
Probably the most startling feature of twentieth century 
culture is the fact that we have develloped such ela- 
borate ways of doing things and at the same time, have 
develloped no way of justifying any of the things we do. 
C.West Churchman (1961) 
Der Planungs- und Entwurfsprozeß kann als Abfolge von 
kreativen und Entscheidungs-Phasen betrachtet werden. 
In den kreativen Phasen werden Problemlösungen ent- 
wickelt, diese potentiellen Problemlösungen werden dann. 
mehr oder weniger bewußt, mehr oder weniger explizit - 
an bewußten oder unbewußten Maßstäben gemessen und 
entweder verworfen oder akzeptiert. Die Maßstäbe, an 
denen Problemlösungen gemessen werden, die Regeln, 
nach denen eine Auswahl getroffen wird, hängen mit den 
Ziel- und Wertvorstellungen des Entscheidenden zusam- 
men. Der Entscheidende hat, bewußt oder unbewußt, 
explizit oder nicht, Vorstellungen von einem in der Zu- 
kunft anzustrebenden Endzustand, dem Ziel und den Be- 
dingungen, dem dieses Ziel genügen muß. 
Über die kreativen Phasen, das heißt über die biologi- 
schen, psychologischen und sozialen Bedingungen der 
Erzeugung neuer Ideen existieren bislang nur wenige 
aligemein akzeptierte theoretische Kenntnisse. Selbst 
der Begriff der Kreativität und die Definition dessen‘, was 
eine neue Idee darstellt, ist umstritten. Ist es eine Grö- 
ße, die sich am vorhandenen Wissen orientiert? Ist 
Kreativität ein Persönlichkeitsmerkmal? Wenn es sich 
um ein Persönlichkeitsmerkmal handelt, wie ist dieses 
dann zu bestimmen, wie lassen sich Planungs- und Ent- 
wurfsprozesse,dann organisieren, damit alle vorhandenen 
Begabungsreserven zur Entwicklung neuer Problemlösungen 
ausgeschöpft werden können? 
Trotz der Unsicherheit hinsichtlich der kreativen Phasen 
der Problemlösung lassen sich, unabhängig vom Fachge- 
biet, bestimmte Phasen des Problemlösungsverhaltens 
identifizieren, bei denen die Auffindung von Alternati- 
ven mit Entscheidungsphasen abwechselt. 
In den letzten Jahren ist nun das Bedürfnis nach der "=> 
"Verbesserung" des Problemlösungsverhaltens und das 
Bedürfnis nach rational vertretbaren, durchsichtigen und 
überprüfbaren Entscheidungen in vielen Bereichen, z.B. 
der Wirtschaft, der Forschung, der öffentlichen und pri- 
vaten Forschungsförderung immer mehr gestiegen, und 
zwar in allen Bereichen wo Entscheidungen 
sehr langfristige und nicht zu revidierende Auswir- 
kungen haben; 
in mehr oder weniger undurchsichtiger Weise andere 
Ereignisse beeinflussen, 
viele Menschen betreffen, 
vor einer Kontrollinstanz gerechtfertigt werden müssen. 
Die Wirtschaftswissenschaft hat, für die Bedürfnisse der 
Industrie, aber auch für die Vergabe von Aufträgen der 
öffentlichen Hand, Techniken zur Entscheidungsfindung 
entwickelt, bei denen die Problemstruktur untersucht, 
die Zielvorstellungen der Entscheidenden definiert und 
durch eine Analyse der Faktoren, die den Endzustand be- 
dingen, der vorhandene Entscheidungsspielraum und die 
zur Entscheidung erforderliche Information bestimmt 
werden. 
Im folgenden soll der Planungsprozeß als ein Entschei- 
dungsprozeß betrachtet werden, der dem kreativen Pro- 
zeß der Entwicklung von Alternativen überlagert ist. 
Dabei denke man sich den gesamten, einen längeren 
Zeitraum beanspruchenden Entscheidungsprozeß in ein- 
zelne Entscheidungssituationen zerlegt, bei denen je- 
weils aus einer Vielzahl von Alternativen eine richtige 
herausgesucht werden soll. Über das Zustandekommen 
dieser Alternativen, über den kreativen Prozeß und über 
Techniken, die die Erzeugung von mehr und besseren 
Lösungen fördern, soll an dieser Stelle nichts gesagt 
werden. Es werden hier ausschließlich die Entscheidungs- 
situationen betrachtet. Dabei soll die ausgewählte Hand- 
lungsalternative "richtig" in bezug auf den angestrebten 
Endzustand sein. Unter der Voraussetzung, daß sich der 
Entwurfs- und Planungsprozeß als Abfolge von kreativen 
und Entscheidungs-Phasen darstellen 1äßt, gelten auch die 
für die Entscheidungssituationen in anderen Bereichen 
gewonnenen Erkenntnisse . 
Die Entscheidung über Handlungsalternativen setzt immer 
ihre Bewertung voraus. Eine Bewertung ist aber nicht nur 
ARCH +2 (1969) H. 6
	        

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