Barbara Maria Peters
BEWERTUNG UND ENTSCHEIDUNG
Probably the most startling feature of twentieth century
culture is the fact that we have develloped such elaborate
ways of doing things and at the same time, have
develloped no way of justifying any of the things we do.
C.West Churchman (1961)
Der Planungs- und Entwurfsprozeß kann als Abfolge von
kreativen und Entscheidungs-Phasen betrachtet werden.
In den kreativen Phasen werden Problemlösungen entwickelt,
diese potentiellen Problemlösungen werden dann.
mehr oder weniger bewußt, mehr oder weniger explizit -
an bewußten oder unbewußten Maßstäben gemessen und
entweder verworfen oder akzeptiert. Die Maßstäbe, an
denen Problemlösungen gemessen werden, die Regeln,
nach denen eine Auswahl getroffen wird, hängen mit den
Ziel- und Wertvorstellungen des Entscheidenden zusammen.
Der Entscheidende hat, bewußt oder unbewußt,
explizit oder nicht, Vorstellungen von einem in der Zukunft
anzustrebenden Endzustand, dem Ziel und den Bedingungen,
dem dieses Ziel genügen muß.
Über die kreativen Phasen, das heißt über die biologischen,
psychologischen und sozialen Bedingungen der
Erzeugung neuer Ideen existieren bislang nur wenige
aligemein akzeptierte theoretische Kenntnisse. Selbst
der Begriff der Kreativität und die Definition dessen‘, was
eine neue Idee darstellt, ist umstritten. Ist es eine Größe,
die sich am vorhandenen Wissen orientiert? Ist
Kreativität ein Persönlichkeitsmerkmal? Wenn es sich
um ein Persönlichkeitsmerkmal handelt, wie ist dieses
dann zu bestimmen, wie lassen sich Planungs- und Entwurfsprozesse,dann
organisieren, damit alle vorhandenen
Begabungsreserven zur Entwicklung neuer Problemlösungen
ausgeschöpft werden können?
Trotz der Unsicherheit hinsichtlich der kreativen Phasen
der Problemlösung lassen sich, unabhängig vom Fachgebiet,
bestimmte Phasen des Problemlösungsverhaltens
identifizieren, bei denen die Auffindung von Alternativen
mit Entscheidungsphasen abwechselt.
In den letzten Jahren ist nun das Bedürfnis nach der "=>
"Verbesserung" des Problemlösungsverhaltens und das
Bedürfnis nach rational vertretbaren, durchsichtigen und
überprüfbaren Entscheidungen in vielen Bereichen, z.B.
der Wirtschaft, der Forschung, der öffentlichen und privaten
Forschungsförderung immer mehr gestiegen, und
zwar in allen Bereichen wo Entscheidungen
sehr langfristige und nicht zu revidierende Auswirkungen
haben;
in mehr oder weniger undurchsichtiger Weise andere
Ereignisse beeinflussen,
viele Menschen betreffen,
vor einer Kontrollinstanz gerechtfertigt werden müssen.
Die Wirtschaftswissenschaft hat, für die Bedürfnisse der
Industrie, aber auch für die Vergabe von Aufträgen der
öffentlichen Hand, Techniken zur Entscheidungsfindung
entwickelt, bei denen die Problemstruktur untersucht,
die Zielvorstellungen der Entscheidenden definiert und
durch eine Analyse der Faktoren, die den Endzustand bedingen,
der vorhandene Entscheidungsspielraum und die
zur Entscheidung erforderliche Information bestimmt
werden.
Im folgenden soll der Planungsprozeß als ein Entscheidungsprozeß
betrachtet werden, der dem kreativen Prozeß
der Entwicklung von Alternativen überlagert ist.
Dabei denke man sich den gesamten, einen längeren
Zeitraum beanspruchenden Entscheidungsprozeß in einzelne
Entscheidungssituationen zerlegt, bei denen jeweils
aus einer Vielzahl von Alternativen eine richtige
herausgesucht werden soll. Über das Zustandekommen
dieser Alternativen, über den kreativen Prozeß und über
Techniken, die die Erzeugung von mehr und besseren
Lösungen fördern, soll an dieser Stelle nichts gesagt
werden. Es werden hier ausschließlich die Entscheidungssituationen
betrachtet. Dabei soll die ausgewählte Handlungsalternative
"richtig" in bezug auf den angestrebten
Endzustand sein. Unter der Voraussetzung, daß sich der
Entwurfs- und Planungsprozeß als Abfolge von kreativen
und Entscheidungs-Phasen darstellen 1äßt, gelten auch die
für die Entscheidungssituationen in anderen Bereichen
gewonnenen Erkenntnisse .
Die Entscheidung über Handlungsalternativen setzt immer
ihre Bewertung voraus. Eine Bewertung ist aber nicht nur
ARCH +2 (1969) H. 6