Full text : ARCH+ : Studienhefte für architekturbezogene Umweltforschung und -planung (1970, Jg. 3, H. 9-11)

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FRICHT

Jörn Janssen

CITIZEN AND THE CITY IN THE YEAR 2000

"Bürger und die Stadt im Jahre 2000, wie eine
menschliche Umwelt für die Menschen des 21. Jahrhunderts
 zu schaffen ist", war das Thema eines
Mammutkongresses mit fast 400 Teilnehmern in Rotterdam
 vom 24. bis 30. Mai 1970. Mit dieser Veranstaltung
 wollte der Veranstalter, die "FONDATION
EUROPEENNE DE LA CULTURE", für ihre Projektgruppe
 3, "I’Urbanisation - cr&er un cadre de vie
pour I’Europeen", Öffentlichkeit herstellen und einen
"Ideenmarkt" aufbauen. Es gab Vorträge und Diskussionen
 im Plenum sowie zahlreiche Arbeitsgruppen mit
verschiedensten Teilthemen. Wachsende Widersprüche
und Funktionsverfall des Plenums kennzeichneten den
allgemeinen Verlauf der Veranstaltung. Anstelle
eines Berichtes mögen daher einige Beobachtungen
stehen, die vielleicht für die Ziele des Veranstalters
signifikant sind:

Die Stiftung ist satzungsgemäß verpflichtet, ausschließlich
 mit privaten Geldern zu arbeiten; damit soll die
politische Unabhänigkeit der-in vier
Projektgruppen organisierten Forschung garantiert sein.
Die sozialistischen Länder Europas können infolgedessen
 nicht vertreten sein. Die Forschung wird sich
also auf den Teil Europas beschränken müssen, der an
den Grenzen der sozialistischen Länder endet. Politische
 Probleme werden programmgemäß ausgeklammert
oder technisch interpretiert:

Professor Jean Gottmann, einer der beiden Vorsitzenden
 des wissenschaftlichen Komites der Projektgruppe 3,
"|’Urbanisation", erklärte die Situation Westeuropas in
seinem Referat am 29. Mai rein technisch, geographisch:
 "Die Stadtregionen gruppieren sich in gewissen
Teilen Europas, wo die Streuung im allgemeinen geringer
 ist als in anderen Teilen Europas; der wirtschaftliche
 Druck ist wesentlich stärker längs einer
großeuropäischen Achse, die diesen Kontinent von der
Randstadt Holland bis in die Poebene in Italien durchquert.
 Vielleicht könnten wir diese Regionen sogar
durch ein schmales Band an der Westküste Italiens bis
Pisa oder sogar bis Rom fortsetzen. Seitlich dieses
achsialen kontinentalen Bandes ist die regionale Wirtschaft
 zersplittert, im allgemeinen rückständig, im
Schlepptau der allgemeinen Entwicklung." Daß diese

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"allgemeine"unpolitische Feststellung eines politisch
vorgeblich unabhängigen Gremiums als Resultat politischer
 Kämpfe interpretiert werden könnte, stellten
mehrere Teilnehmer des Kongresses fest, worauf die
Kongressleitung bat, man möge diese Fragen doch
besser in den Arbeitsgruppen gründlicher vorbereiten
und erst dann ins Plenum tragen.
Mit dem Verweis in die Arbeitsgruppen verteidigte die
Kongressleitung konsequent ihr Konzept, daß die den
sozialen Problemen der Städte etwa zugrundeliegenden
politischen Probleme nicht zu ihrem wissenschaftlichen
Programm gehörten und gegen ihr Prinzip
politischer Unabhängigkeit verstiessen.
 Auf eine kurze Formel gebracht, lautete ihre
Devise: Kapitalismus ist unpolitisch und wissenschaftlich
 - Sozialismus ist politisch und ideologisch.
Europa 2000 kann daher schlicht übersetzt werden in
Westeuropa’ .

In merkwürdigem Kontrast zu diesem Konzept stand
teilweise das Referat des prominenten, als Berater
John F. Kennedys bekannten, amerikanischen Nationalökonomen
 John Kenneth. Galbraith am 29. Mai,
das im Folgenden mit ganz geringfügigen Kürzungen
abgedruckt wird. Er sagte unter anderem:

" Zunächst müssen wir ... unsere Ansichten darüber
revidieren, wie Vermögen zwischen privaten und
öffentlichen Zwecken aufgeteilt werden muß. Es
kann tatsächlich sein, daß die Stadt künftig nur
dann erträglich ist, wenn wir die gegenwärtige
Unterscheidung zwischen beiden aufheben können. "

Vortrag auf dem 7. Kongress der FONDATION
EUROPEENNE DE LA CULTURE:
CITIZEN AND THE CITY IN THE YEAR 2000
gehalten am 29.5.1970

Mein Vortrag durchläuft drei Abschnitte. Ich möchte
zunächst die allgemeine wirtschaftliche und gesellschaftliche
 Idee der Stadt betrachten. Dann möchte
ich deren Einfluß auf die Kunst, die Architektur und

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