Bei der Besprechung weist HerrLehiweß darauf hin,
‘laß sich auch hier wieder zeigle, wie störend die schematische
Festsetzung der Bauklasse vor Aufstellung
eines Bebauungsplanes sei. Es sei sehr zu hedauern,
daß im neuen Städtebaugesetz doch wieder die
dringend nötige Vereinigung von Bebauungsplan und
Bauvorschriften nicht eingeführt werde, obwohl das
Beispiel von Sachsen und Thüringen doch zeige, wie
gut eine solche Vereinigung sei. Herr Bräuning verteidigt
das bestehende System und weist darauf hin,
daß Fälle vorgesehen seien, wo man von der bestehendenBauordnung
ahweichen könne; auch Herr
Groß meint, die in der neucn Berliner Bauordnung
zuerst eingeführten Ausnutzungsziffern gäben die
Möglichkeit, die Bebauung innerhalb einer Bauklasse
abzustiufen; sie seien allerdings zu niedrig.
Herr Paulsen ist der Meinung, die Land- und Aufschließungskosten
seien viel zu hoch und könnten
bei einer bescheidenen Aufteilung für Einfamilienhäuser
auf schmalen Baublöcken, bei denen die
rückwärtigen Hausabstände nicht größer zu scin
brauchten, als die an der Straße, weit niedriger sein.
Die Art der Bodenaufteilung, wie sie hier vorgeführt
ist, sei irrsinnig, die ganze großstädtische Bodenwirtschaft
und der großstädtische Städtebau sei
bankerott. Auf eine Bemerkung des Herrn Bünz, daß
die Durchgangsstraßen doch jetzt die Anlieger nich:
nehr belasteten, weil sie aus dem Aufkommen aus
ler Kraftfahrzeugsteuer bezahlt würden, bemerkt
Herr Grummel, daß Berlin an Kraltfahrzeugsteuer
zwar 14 Millionen aufbrächte, davon aber nur
2300 000 M bekäme; hiervon könnten «die Kosten für
Yerkehrsstraßen nicht im Entferntesten gedeckt werlcn.
Nachdem Herr Paulsen noch einmal die Voreile
ciner Kleinhausaufteilung dargelegt hat, und
'‚owohl Herr Bräuning als Herr Brodersen ihm gegeniber
dargelegt haben, daß die Bodenpreise selbst
ıur eine geringe Rolle spielen, schlägt Herr Berg
vor, daß die Frage der Aufschließungskosten einmal
zründlich wissenschaftlich untersucht werde, Herr
Paulsen hält das für eine gecignete Arbeit für die
\kademie und betont, daß die hohen Aufschließungscosten
daher kämen, daß die Tiefbauämlter daran
‚erdienen wollen. Die wirtschaftlichen Aufgaben
nüssen von denen der Hoheitsverwaltung getrennt
verden. Herr Berg erwähnt die vielen Kilometer
ertiger Straßen aus der Vorkriegszeit, die ungenutzt
lalägen und ein großes, lotes, zinsenfressendes Kaital
vorstellen. Wären sie auch mit entwertet, so
xönnte dies ein Segen sein.
Zu 5. Verschicdenes, liegen keine Anlräge vor; also
schließt Herr Berg die Sitzung um 7,55 Uhr mit Dank
an die Erschienenen.
Lehweß.
NEU AUFGENOMMENE AUSSEROÖORDENTLICHE MITGLIEDER.
hahnoberbaural, Altona; Schneider, K., Architekt, Hamburg;
Stein, Direktor der HMochbahn, Hamburg.
Sächsische Arbeitsgemeinschaft: Leske, Stadtbaurat
Dr.-Ing., Dresden; Eger, Ernst, Architekt, Kamenz.
Korrespondierende Mitglieder: Baron von Meydell.
Architekt, Riga: Lange, Staatsarchitekt, Lima (Peru),
Märkische Arbeitsgemeinschaft: Freyvmüller, Bezirksoberbaurat,
Steglitz; Havestadt, Regierungsbaumeister
Dr.-Ing., Wilmersdorf; Adler, Leo, Dr.-Ing., Schriftleiter
Acs „Städtebau“, Berlin.
Niedersächsische Arbeitsgemeinschafl: Flesche, Hermann,
Prof, Dr.-Ing., Braunschweig: Kümmel, Reichs-Die
Akademie hat zwei Todesfälle unter ihren
Mitgliedern zu beklagen:
In Dresden verschied in verhältnismäßig jungen Jahren
Dr.-Ing. Schilling, Privatdozent an der Technischen Hochschule
daselbst. Er hat sich ganz besonders mit städtebaulichen
Fragen beschäftigt und ist vor einigen Jahren mit einer
bemerkenswerten Schrift: „Innere Stadterweiterung‘“ hervor:
getreten, in der verschiedene große Durchbruchsprojekte
eingehend technisch und finanziell behandelt wurden.
Ferner verstarb Herr Stadtbaurat Wilhelm Goette in
Pfauen, Mitglied der Sächsischen Arbeitsgemeinschaft. Er war
zach kurzer Tätigkeit im Preußischen Staatsdienst Stadtbaurat
in Gotha, seit 1910 in Plauen, wo er sich um die Entwicklung
der Stadt sehr verdient gemacht hat,
Die Akademie wird den beiden verstorbenen Mitgliedern
ein ehrendes Andenken bewahren.
Im kommenden Jahre begeht die Technische IHochschule
Dresden die Feier ihres hundertjährigen Bestehens.
Ilierfür sind die Tage vom Montag, den 4. bis
Mittwoch, den 6. Juni 1928 (in der Woche nach dem
Pfingstfest) in Aussicht genommen. An einen Empfangsabend
am 4. Juni wird sich am Vormittag des kommenden
Tages der Hauptfest-Actus im Staatlichen Schauspiehause,
am Nachmittage ein festliches Zusammensein
der Teilnehmer anschließen, während der dritte Tag
(Mittwoch) Gelegenheit zur Besichtigung der wissenschaftlichen
Institute der Hochschule, der Stadt Dresden
und ihrer Umgebung bieten wird, um dann am Abend
die Jahrhundertfeier in einem studentischen Fest ausxlingen
zu lassen,
In Verbindung mit der Jahrhundertfeier der Technischen
Hochschule Dresden wird seitens der Dresdner
Jahresschau im Jahre 1928 eine Ausstellung „Die technische
Stadt“ geboten, deren wissenschaftlicher Teil die
Erziehung des Menschen in der Technik und durch die
Technik zum Gegenstande haben und weitesten Kreisen
len großen Einfluß technischen Denkens und Arbeitens
auf das Leben des Einzelnen und der Gemeinschaft vor
Augen führen soll.
Bereits heute bittet die Technische IIochschule, daß
»>hemalige Studierende, die an der Festfeier teilzunehmen
zedenken, bis zum Jahresschluß ihre Anschriften und
Wünsche dem Ausschuß für die Jahrhundertfeier, Dresden-A.
24, George-Bähr-Str. 1, Zimmer Nr.77, mitteilen.
Bei der übergroßen Anzahl ehemaliger Studierender ist
es leider im allgemeinen zunächst nicht möglich, deren
Teilnahme an der Feier auf einem andern Wege als dem
vorgenannlien zu bewirken.
EN Den Cornelius Gurlitt und Bruno Möhring. Schriftleitung, verantwortlich für den gesamten Inhalt: Regierungsbaumeister a. D, Walter
Lehweß, Berlin-Nikolassee, von-Luck-Str. 22, Für Rücksendung unverlangter Manuskripte wird keine Gewähr übernommen, Alle Rechte vorbehalten.
Copyright 1927 by PDS G.m.b.H., Berlin SW 19, Beufhstr.19, Fernspr.: Merkur 6505 u. 6998. Druck: Verlags- u. Industrie-Druckerei G,m.b.H.,
Berlin SW 19, Beufhstr. 19. Angenommene Aufsätze gelten als vom Verlag mit allen Rechten erworben